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Im Blick 1/2026: Dokumentation extrem rechter Aktivitäten in Thüringen

Pappschilder bei der Gegenkundgebung zur Gründung der Thüringer AfD-Jugendorganisation

Das Jahr 2026 begann in verschiedenen Bereichen der extremen Rechten mit größeren Veränderungen und Veranstaltungen. Neben der Neugründung der AfD-Jugendorganisation und einem größeren Treffen der „Reichsbürger“-Szene ist es vor allem Tommy Frenck mit seinen Konzert-Veranstaltungen, der das hohe Aktivitätsniveau der Szene weiter fortsetzt.

Aktivitäten der AfD in Thüringen

Die AfD mit ihrem Umfeld war auch im beginnenden Jahr 2026 die bedeutendste und aktivste extrem rechte Organisation in Thüringen. Bereits am 17. Januar gründete der AfD-Nachwuchs in Thüringen die Nachfolgeorganisation der „Jungen Alternative“. In Ilmenau wurde die „Generation Thüringen“, also der regionale Ableger der „Generation Deutschland“ neu gegründet. Viel Veränderung zeigte sich mit der Neugründung nicht. Zur Vorsitzenden wurde erneut Carolin Lichtenheld gewählt, die auch wieder von Eric Engelhardt als Stellvertreter unterstützt wird. Zivilgesellschaftlicher Gegenprotest begleitete die Veranstaltung.

Die neue Jugendorganisation setzte auch nach der Gründung ihre Aktivitäten fort, so wurden „Jugendabende“ organisiert und im April folgt eine „Thüringen-Tour“, bei der Funktionäre teils gemeinsam mit AfD-Landtagsabgeordneten die personell wohl eher dünn aufgestellte Jugendorganisation in verschiedenen Regionen Thüringens bekannter machen wollen. Nach der Neugründung des Thüringer Ablegers nahmen verschiedene Vertreterinnen und Vertreter aus Thüringen auch bei Neugründungsveranstaltungen in anderen Bundesländern teil.

Eine erste größere Veranstaltung mit medialer Öffentlichkeit aus dem Umfeld der AfD  fand am 26. Januar mit einem Auftritt des Österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner in Erfurt statt. In der Gaststätte „Braukeller“, direkt in der Innenstadt, trat Sellner im Zuge einer Vortragsreise auf. Das Publikum setzte sich aus einer Mischung von Neonazis und der AfD und ihrem Vorfeld zusammen. Zahlreicher zivilgesellschaftlicher Gegenprotest begleitete die Veranstaltung. Bereits im Vorfeld hatte Sellners „Thüringen-Besuch“ Aufmerksamkeit erzeugt. Die AfD inszenierte Sellners „Thüringen-Besuch“, lud den extrem Rechten in den Landtag ein und postete später auch Bilder von dem Treffen im Parlamentsgebäude. Dies unterstreicht die Nähe des Thüringer Landesverbandes zur extrem rechten Szene insgesamt und sollte wohl auch eine Machtdemonstration in die eigene Partei sein, in der zu diesem Zeitpunkt über die Frage diskutiert wurde, ob die Partei offiziell Veranstaltungen mit Sellner durchführen solle.

Martin Sellner von der "Identitären Bewegung Österreich" bei einem spontanen Pressegespräch kurz vor einer Veranstaltung der thüringischen "Generation Deutschland", der neuen Jugendorganisation der AfD am 26. Januar 2026 im Erfurter Braukeller.
Martin Sellner von der „Identitären Bewegung Österreich“ bei einem spontanen Pressegespräch kurz vor einer Veranstaltung mit einigen Vertreter*innen der thüringischen „Generation Deutschland“, der neuen Jugendorganisation der AfD am 26. Januar 2026 im Erfurter Braukeller.

Ende März scheiterte die AfD erneut mit dem Versuch, einen ihrer Abgeordneten zum Vizepräsidenten des Thüringer Landtages wählen zu lassen. Versucht hatte es die extrem rechte Partei mit Uwe Thrum. Auch er scheiterte knapp mit 41 zu 42 Stimmen.

Eines der Hauptthemen, welches die AfD im Landtag weiterhin zu nutzen versucht, ist die sogenannte Aufarbeitung der Coronazeit. Allen voran ist es Wiebke Muhsal, die öffentlich mit dem Thema in Erscheinung tritt. Im Februar nahm Muhsal an einer Diskussionsrunde eines neuen „alternativen Mediums“ in Sondershausen teil, welches maßgeblich vom Neonazi Patrick Weber mitverantwortet wird. Weber hielt für den Abend, an dem neben der Diskussionsrunde auch der Film „Nur ein Piks“ gezeigt wurde, die einleitende Rede. Neben Muhsal nahmen an der Podiumsdiskussion auch der Regisseur Mario Nieswand, Prof. Dr. Dr. Hans Pistner und Peter Roskothen teil. Letzterer verantwortet offenbar gemeinsam mit Weber das neue Medienprojekt. Auch hier zeigt sich, dass es für die AfD in Thüringen schon längst keine Abgrenzung mehr zur neonazistischen Szene gibt.

Neben den zahlreichen lokalen Veranstaltungen wurde außerdem bekannt, dass die AfD am ersten Juli-Wochenende ihren Bundesparteitag in Erfurt durchführen will. Zehntausende Menschen werden für die Proteste in der Landeshauptstadt erwartet. Der Parteitag gilt außerdem auch als eine Machtprobe innerhalb der AfD, die in den letzten Monaten vor allem durch ihre Vetternwirtschaft für zahlreiche Schlagzeilen sorgte. Dabei geht es vor allem um die zahlreichen Anstellungen von Familienmitgliedern von AfD-Abgeordneten. Auch in Thüringen wurden im Laufe der Berichterstattung mehrere Fälle bekannt.

Neonazi-Szene: Kampfsport, Panzer und Fahndungen

Insgesamt ist es in der Thüringer Neonazi-Szene in den ersten Monaten des neuen Jahres eher ruhig gewesen. Größere Veranstaltungen wie Demonstrationen wurden bisher nicht durchgeführt. Für die neonazistische Szene bleibt auch im beginnenden Jahr der Neonazi Tommy Frenck mit dem Gasthaus „Eiserner Löwe“ in Brattendorf der Schwerpunkt der Aktivitäten. Bereits Anfang des Jahres war Frenck medial präsent, als im Januar ein Steuerverfahren gegen ihn eingestellt wurde. Der Neonazi hatte bereits 130.000€ an das Finanzamt nachgezahlt und einigte sich mit dem Gericht auf die weitere Zahlung von 10.000€. Frenck setzte auch im beginnenden Jahr seine bekannte  Strategie aus RechtsRock-Konzerten und Provokation fort. Im ersten Quartal 2026 veranstaltete der Neonazi bereits 26 Konzerte Für die öffentliche Inszenierung seines Neonazi-Stumpfsinns startete Frenck eine Spendensammlung. Er wolle einen „Abenteuerspielplatz der Extraklasse“ errichten, der einen „sicheren, historisch authentischen und kreativen Spielbereich“ in Gestalt eines Wehrmachts-Panzers beinhalte. Dazu solle ein „originalgetreuer, beweglicher Tiger-Panzer-Nachbau, integriert in einen Abenteuerspielplatz für Kinder“ aufgebaut werden. Aus eigener Tasche will Frenck das Projekt aber offenbar nicht finanzieren und startete eine erste Spendensammlung mit dem Ziel 1.600€.

Das "Gasthaus Eiserner Löwe" in dem die meisten RechtsRock-Konzerte Thüringens stattfinden. Im Vordergrund sind Werbebanner für die "Akrikakorps-Bar" und für "Löwen Kosmetik by Franzi" zu sehen.
Das „Gasthaus Eiserner Löwe“ in dem die meisten RechtsRock-Konzerte Thüringens stattfinden.

Am 24. Januar veranstaltete das Kampfsport-Gym „Barbaria Schmölln“, welches vom Neonazi Martin Langner geführt wird, einen „Tag der offenen Tür“. Die Veranstaltung lockte vor allem Publikum aus der Region, mit dabei auch Aktivisten aus der Neonazi-Szene und zahlreiche Familien mit Kindern. Nicht dabei war der Geraer Neonazi Christian Klar. Im Februar wurde bekannt, dass der zwielichtige Neonazi-Funktionär auf der Flucht ist, mutmaßlich um sich einem Prozess zu entziehen.

Reichsbürger: „Nationalversammlung“ und Demo-Ankündigungen

Mit markigen Worten und pathetisch-schlechten Videos hatte die Thüringer „Reichsbürger“-Szene seit einigen Monaten zu einer „Nationalversammlung“ mobilisiert. Damit beziehen sich die Organisatoren wohl auf die erste deutsche Nationalversammlung im Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche, die zusammentrat, um eine Verfassung für einen deutschen Nationalstaat auszuarbeiten. Bundesweit waren durch Anhänger*innen der „Reichsbürger“-Szene Aushänge verteilt worden. Hinter dem obskuren Aufruf steckt erneut der „Verband Deutscher Wahlkommissionen“, auf deren Homepage die Aufrufe auch verbreitet wurden. Pathetisch heißt es dort: „Notwendige Entscheidungen stehen an, die unser Leben betreffen. Unsere Verfassung wartet darauf, in Kraft gesetzt zu werden.  Somit rufen die Deutschen Völker zur Konstituierung der Nationalversammlung“. In den vorangegangenen Jahren hatten jene Netzwerke immer wieder zu größeren Veranstaltungen mobilisiert: Mal war es das „Staatsvolktreffen“, mal ein „Heimathkongress“. Und 2026 eben eine „Nationalversammlung“. Durchgeführt wurde die Veranstaltung, wie schon 2025, im „Hotel Reifenstein“ in Niederorschel, Landkreis Eichsfeld. Veranstaltungsbilder zeigen, dass rund 75 Personen vor Ort waren. Neben einigen bekannten „Reichsbürger“-Funktionären nahm auch der unvermeidliche Thomas Brauner an der Veranstaltung teil. Die sinkenden Teilnehmendenzahlen insgesamt bestätigen den Trend der letzten Monate, dass die „Reichsbürger“-Szene bundesweit erhebliche Mobilisierungsschwierigkeiten bei ihren Veranstaltungen hat. Auch Mitte April zum „Großen Treffen der Bundesstaaten“ waren nur noch rund 350 Personen nach Braunschweig gereist. Dies war bereits die 8. Veranstaltung dieser Reihe, welche in der Spitze – 2024 in Gera – um die 1.000 Szene-Angehörige mobilisieren konnte. Für den 4. Juli ist das Treffen nun für Greiz angekündigt.

Zivilgesellschaft unter Druck

Neben diesen zahlreichen Aktivitäten der extrem rechten Szene, gerät auch die Zivilgesellschaft bundesweit immer mehr unter Druck. Mittlerweile sind es nicht nur rechte Gruppen und Medien, die versuchen mit ihren Kampagnen gegen eine demokratische Zivilgesellschaft zu arbeiten. Auch die Förderungen auf Bundesebene und auch lokaler Ebene stehen zur Disposition oder wurden bereits abgeschafft. Schon zum Jahreswechsel wurde die „Partnerschaft für Demokratie“ in Greiz durch das Landratsamt eingestellt. Zuletzt sorgte die Streichung der Förderung für das Bündnis-gegen-Rechts -Weimar für eine breite öffentliche Empörung. Mitte März entschied der Stadtrat, dass das BgR keine feste Zuweisung von Fördermitteln mehr erhalten werde. Auch wenn die Verantwortlichen später darauf verwiesen, dass das Bündnis aus anderen Mitteln finanziert werden könne, war das politische Zeichen, welches mit dieser Entscheidung gesendet wurde, eine Katastrophe für die Engagierten des Bündnisses in Weimar und auch thüringenweit. In Zeiten eines permanenten Rechtsrucks benötigt es seitens demokratischer Parteien ein klares Bekenntnis zur demokratischen Zivilgesellschaft und keine Fortsetzung der ohnehin stattfindenden Angriffe aus der rechten Szene durch eine Streichung von Mitteln.