Allgemein Mobit e.V. Rechtsextremismus RechtsRock

Informationen zur neonazistischen Partei-Veranstaltung „Jugend im Sturm“

Am 07. 07. 2018 will die Kleinstpartei Der III. Weg eine als Kundgebung angemeldete Parteiveranstaltung unter dem Motto „Jugend im Sturm“ durchführen. Die Anzahl der angemeldeten Besucher*innen beträgt bescheidene 300 Personen. Die Veranstaltung scheint insgesamt stärker auf Ideologisierung der Parteimitglieder und Interessent*innen ausgerichtet zu sein, als auf einen finanziellen Erfolg durch möglichst viele Teilnehmende. Hier trifft sich ein harter Kern überzeugter Neonazis, deren Ziel ein „nationaler Sozialismus“ mit einem klar rassistisch definierten Volk unter Verneinung von Menschenrechten und demokratischen Standards ist.

Die Partei Der III. Weg

Die Partei gründete sich am 28.09.2013 in Heidelberg. Zum Vorsitzenden wurde damals mit Klaus Armstroff, ein rheinland-pfälzischer, ehemaliger NPD-Funktionär gewählt, der als Vertreter eines völkischen Kurses galt und sich mit der damaligen NPD-Landesführung überworfen hatte.

Neonazis in Kirchheim
Bundesparteitag des III. Wegs am 03.10.2016

Die Partei lehnt den Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes ebenso ab, wie die völkerrechtlich verbindlichen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland („Deutschland ist größer als die BRD“ – Punkt 10 des Parteiprogramms). Sie glaubt an biologische Unterschiede von Menschen und propagiert eine revolutionäre Umwälzung der demokratischen Ordnung zugunsten eines „nationalen Sozialismus“. Führungsfunktionäre der Partei, wie etwa der stellvertretende Parteivorsitzende Matthias Fischer, waren zuvor beim inzwischen verbotenen „Freien Netz Süd“ in Bayern aktiv. Alle bisherigen Bundesparteitage der Partei fanden im Veranstaltungszentrum Erfurter Kreuz“ in Kirchheim statt.

Das Programm

Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, besteht das Programm aus einer Mischung extrem rechter Live-Musik, Redebeiträgen und Verkaufs- und Informationsständen. Dazu ist eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Subkultur oder Propagandawaffe? Rechtsrock (sic!) und seine heutige Funktion“ angekündigt. Insbesondere mit letzterem verfolgen die Organisatoren den Anspruch der Partei, weltanschaulich gefestigte Mitglieder zu gewinnen. Andere Großveranstaltungen, wie etwa am 15.07.2017 in Themar waren von Parteivertreter*innen als politisch anspruchslos und als „Szeneselbstbeschäftigung“ kritisiert worden.

Als Redner sind bisher angekündigt:

Matthias Fischer (stellv. Bundesvorsitzender III.Weg); Julian Bender (III. Weg); Tony Gentsch (III. Weg); Wolfram Nahrath (letzter Bundesführer der verbotenen Wiking Jugend und Mitglied in der ebenfalls verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend) sowie ein „Straight-Edge[1]-Aktivist“ aus der Gruppe Wardon 21.

Musik

Von den vier musikalischen Programmpunkten kann nur die Solo-Musikerin Varghona direkt der Partei Der III. Weg zugerechnet werden. Sie nahm in der Vergangenheit mehrfach an Demonstrationen teil und dürfte zum sogenannten „Stützpunkt Ostthüringen“ zählen. Unter dem Pseudonym Varghona absolvierte sie auch Auftritte in Schweden und spielte auch auf Konzerten, die von Hammerskin-Strukturen organisiert waren.

Die Musikgruppe Killuminati ist ein Bandprojekt aus sächsischen, thüringischen und baden-würtembergischen Neonazis. Viele Songs der Band drehen sich um ihre Judenfeindschaft und rohe Vernichtungsphantasien. Im antisemitischen Klischee singen sie beispielsweise:

„Diese auserwählten Gottes regieren die ganze Welt und keiner der dem Wahnsinn das Schwert entgegen hält. Denn die Völker sind gespalten durch ihr Weltbankensystem. Doch ist das Geld erst nichts mehr Wert, wird man Köpfe rollen sehen.“ (Killuminati. Europas Untergang. 2014)

Hinter dem Pseudonym Uwocaust, eine kaum versteckte Anspielung auf den Holocaust an den europäischen Juden, steckt der Brandenburger Uwe Menzel. Seit Mitte der 1990er Jahre beteiligte er sich an verschiedenen Musikprojekten. Er steuerte auch das Lied „Verbot“ für eine Solidaritäts-CD für den Angeklagten im NSU-Prozess Ralf Wohlleben bei.

„Unser Kampf gilt dem System bald schon wird es untergehen. Wir wollen ein Land wo alle gleich, sind wir zu hart bist du zu weich. Kampf für ein Reich“ (Uwocaust und „alte Freunde“. Kampf für ein Reich. 2010)

Die Lunikoff-Verschwörung ist die in der Szene bekannteste Musikgruppe, die an diesem Tag angekündigt ist. Ihr Frontmann Michael Regener verbüßte ab dem Jahr 2005 eine mehrjährige Haftstrafe. Das Gericht betrachtete ihn als Haupttäter, der mit seiner Vorgängerband Landser eine neonazistische und kriminelle Vereinigung gegründet hatte.

„Unser Deutschland wird frei von allen Zwängen, und dann geht‘s juchei ans Faden aufhängen. Hoch an der Laterne, da ha’m wir sie gerne. Alte Bekannte dabei, unser Deutschland wird frei.“ (Lunikoff Verschwörung: Unser Deutschland wird frei. 2009)

[1] Straight Edge: Eine Jugendbewegung, die ein Leben ohne Drogen, oft auch Vegetarismus/Veganismus propagiert. Der Begriff geht auf den Song „Straight Edge“ der US-amerikanischen Punk/Hardcore-Band Minor Thread von 1981 zurück. Auch Neonazis versuchten seit Mitte der 2000er Jahre (mit geringen Erfolg) in dieser eher linken, emanzipatorischen Jugendszene Fuß zu fassen.