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Gegen ein Rockkonzert der NPD haben am Samstag im
thüringischen Gera 1100 Menschen friedlich demonstriert. Es
habe keine Zusammenstöße zwischen Neonazis und Gegendemonstranten
gegeben, sagte ein Polizeisprecher.
Gegen ein Rockkonzert der NPD haben am Samstag im
thüringischen Gera 1100 Menschen friedlich demonstriert. Es
habe keine Zusammenstöße zwischen Neonazis und Gegendemonstranten
gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Mehrere Initiativen, Gewerkschaften
und Parteien hatten zum Protest gegen die NPD-Veranstaltung "Rock
für Deutschland" aufgerufen. Am Morgen hatten einige Linke
zunächst die Zufahrtswege zu der NPD-Veranstaltung blockiert,
die Sitzblockade aber selbst wieder aufgegeben.
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Zur der NPD-Veranstaltung kamen nach Polizeiangaben
etwa 1200 Rechte nach Ostthüringen. Im vergangenen Jahr hatten
sich noch 4000 NPD-Anhänger in Gera versammelt.
Geras Oberbürgermeister Norbert Vornehm (SPD)
sah in dem bunten Zug vom Samstag ein "deutliches Zeichen,
für was diese Stadt steht: Wir sind gegen Fremdenfeindlichkeit
und für Weltoffenheit". Er lasse sich nicht einschüchtern.
Die NPD hatte eingeklagt, dass Vornehm als Verwaltungschef wegen
des Neutralitäts- und Sachlichkeitsgebots nicht zu Demonstrationen
gegen den rechten Aufmarsch aufrufen darf. "Ich lasse mich
aber auch als Oberbürgermeister nicht in meinen Grundrechten
beschneiden", sagte Vornehm am Rande der Veranstaltung.
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Volksnahe Themen, unauffällige Titel: Rechtsextreme
gehen immer häufiger unter die Zeitungsverleger, vor allem
im Osten. Die Strippen ziehen meistens NPD-Funktionäre.
VON ANDREAS SPEIT
Die Namen klingen unscheinbar: Eichsfelder Stimme,
Ostthüringer Bote, Nordthüringer Bote, Südthüringer
Stimme oder einfach Bürgerstimme. Doch diese ostdeutschen Regionaltitel
sind keine normalen Zeitungen. Es sind keine einfachen Bürger
aus den Regionen, die diese Blätter herausgeben. Finanziert
und organisiert werden sie von der NPD.
In Thüringen hat die rechtsextreme Partei eine Medienkampagne
gestartet. "Mit den Zeitungen ist die NPD im Bundesland flächendeckend
präsent", betont Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung
in Thüringen (Mobit), die sich gegen Rechtsextremismus engagiert.
Lediglich "kleine Flecken" in der Medienlandschaft würden
vom Landesverband um Frank Schwerdt nicht abgedeckt.
Auf den meisten der sieben Regionalzeitungen der NPD sind auf der
ersten Seite Artikel zu lokalen Themen: "Ist Erfurt pleite?",
"Kunsthaus Gera Größtenwahn vs. Zukunft" oder
"Die Narrenfreiheit der Lift gGmbH". Nicht ohne Grund:
Seit Jahren betont der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt: "Bürgernähe
zeigen, vor Ort siegen - Auf kommunaler Ebene kann die Ausgrenzung
unterlaufen werden".
Mit den Zeitungen, so erklärt auch der NPD-Funktionär
Patrick Wieschke aus Eisenach ganz offen, soll die "Graswurzelarbeit"
intensiviert werden. Über 160.000 Exemplare will seine Partei
unlängst an die Leser gebracht haben, auch um eine "echte
Gegenöffentlichkeit zur gleichgeschalteten Medienlandschaft"
zu schaffen.
"Wir hörten von Verteilungen in verschiedenen Gemeinden
und Städten", sagt Heerdegen. Gern schicke sie aber auch
jede "Ausgabe frei ins Haus", lässt die rechtsextreme
Partei wissen. Heerdegen befürchtet: "Die NPD stößt
hier in ein Vakuum". Denn im ländlichen Raum würde
die lokale Berichterstattung stetig sinken, glaubt er.
Medienexperten bestätigen diesen Eindruck. "In den vergangenen
Jahren konnten wir beobachten, dass die Auflagen der regionalen
und lokalen Kaufzeitungen in ländlichen Regionen zwischen 2
bis 3 Prozent sinken" erklärt Christian Eggert, Fachreferent
für Verlagswirtschaft beim "Bund Deutscher Zeitungsverleger"
(BDZV). Auf zehn Jahre gesehen, sind das zum Teil mehr als 20 Prozent.
Der Trend läuft schon länger und hält an. "Im
Osten sinken die Auflagen von Tageszeitungen schneller", sagt
Eggert. Oft würde es heißen: "Wir können uns
das nicht mehr leisten". Mit einer Abokündigung verlören
die Zeitungen aber nicht bloß einen Lesehaushalt sondern gleich
zwei Haushalte. "Die Zeitung wird sich meist mit den Nachbar
geteilt", sagt Eggert. Er ist deshalb überzeugt: "Hier
könnten Zeitungen, die sich nicht als überparteilich und
unparteiisch verstehen, in eine Lücke stoßen"
Die Chance der NPD liegt in einem Dilemma der Medien. "Untersuchungen
zeigen, dass ein großes Informationsbedürfnis zu lokalen
Geschehnissen besteht" erklärt Eggert. Er betont jedoch
auch auch: "Der wirtschaftliche Druck erschwert Redaktionen
die Lokalredaktionen zu halten". Nicht zu vergessen sei, dass
Redaktionen oft nicht mehr das Geschehen vor Ort moderierten. "Sie
berichten nicht über die lokalen Entwicklungen wie dem Bau
einer Gülleanlage", erinnert er. "Und sie bieten
auch keine Veranstaltungen an, auf den Politiker mit der Gemeinde
für und wieder eines Baues diskutieren könnten".
Auf dem NPD-Landesparteitag 2009 hatte Funktionär Wieschke,
der auch einer der Geschäftsführer der NPD-Monatszeitung
Deutsche Stimme ist, die Idee das Regionalzeitungsprojekt vorgestellt.
Neu ist sie nicht: In Thüringen gab die rechtsextreme Partei
schon unregelmäßig den Rennsteig Bote und den Wartburgkreisboten
heraus. In Mecklenburg-Vorpommern erstellte die "Initiative
für Volksaufklärung", getragen von NPD- und Kameradschaftskader,
2001 die Wurfsendung Der Inselbote.
Längst geben werden fünf weitere Regionalzeitungen kostenlos
herausgegeben. "Die Zeitungen haben eine enorme Bedeutung",
betont Günther Hoffmann, Rechtsextremismusexperte aus Mecklenburg-Vorpommern.
Mit einer geschätzten Auflage des Inselboten von 30.000 bis
58.000 Exemplaren wird ein großer Teil der Bevölkerung
in Vorpommern erreicht. Der Ton ist immer bewusst volksnah gehalten.
"Angstbesetzte Themen wie Sozialbau und 'Überfremdung'
werden verstärkt mit kommunalen Diskursen wie Deichunterhaltung
und Privatisierung instrumentalisiert", betont Hoffmann.
Das Konzept spiegelt sich nun in den thüringischen Regionalzeitungen
wieder. Seite 1 und 4 greifen lokale Themen auf; Seite 2 und 3 sind
identisch. Im Wartburgkreis Bote wird sich so für Kleingärtner
stark gemacht und sogleich vor "Überfremdung" gewarnt.
In der Region sitzt Wieschke auch im Stadtrat von Eisenach. Mit
den Zeitungen, die auch Online zu lesen sind, will Wieschke auch
dafür sorgen, dass "kommunalpolitischen Initiativen der
Mandatsträger der NPD" breiter bekannt werden. In subtiler
Meinungsmache üben sich die Rechtsextremen dabei nicht. In
Untertiteln wird oft das Adjektiv "patriotisch" verwendet,
in den Beiträgen vertritt die Partei ihre Positionen ganz offen.
"Ich befürchte, dass die Botschaften ihre Leser finden",
sagt daher Mobit-Mitarbeiter Heerdegen. Immerhin sei die NPD knapp
mit 4,7 Prozent der Stimmen nur knapp am Einzug in dem Landtag gescheitert.
Mit Blick auf die allgemeine Medienentwicklung glaubt auch BDZV-Referent
Eggert, dass der politische Meinungsbildungsprozess gefährdet
sei. In manchen Regionen könnten irgendwie nur noch 'nationale
Zeitungen' lokale Themen aufgreifen: "Mit Meinungsvielfalt
hat das nichts mehr gemein."
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