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	<title>Mobile Beratung in Thüringen Archive &#8226; MOBIT</title>
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		<title>NS-Verherrlichung und Abschiebe-Partystimmung &#8211; RechtsRock in Thüringen 2024</title>
		<link>https://mobit.org/ns-verherrlichung-und-abschiebe-partystimmung-rechtsrock-in-thueringen-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Mar 2025 13:54:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das RechtsRock-Geschehen in Thüringen bleibt mit 48 Musikveranstaltungen in 2024 auf hohem Niveau. Die große Bedeutung von Bewegungs-Unternehmern in Verbindung mit Szene-Immobilien spiegelt&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/ns-verherrlichung-und-abschiebe-partystimmung-rechtsrock-in-thueringen-2024/">NS-Verherrlichung und Abschiebe-Partystimmung &#8211; RechtsRock in Thüringen 2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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<p><strong>Das RechtsRock-Geschehen in Thüringen bleibt mit 48 Musikveranstaltungen in 2024 auf hohem Niveau. Die große Bedeutung von Bewegungs-Unternehmern in Verbindung mit Szene-Immobilien spiegelt sich in der regionalen Verteilung der Konzerte wider. Auftritte szenenaher Musiker im öffentlichen Raum oder die Neubearbeitung beliebter Disko-Klassiker &nbsp;mit rassistischen Texten markieren einen neuen Versuch der gesellschaftlichen Normalisierung extrem rechter Ideologie.</strong></p>



<p>Mit 48 extrem rechten Musikveranstaltungen in Thüringen veränderte sich die Anzahl gegenüber 51 von MOBIT gezählten Konzerten im Jahr 2023 nur geringfügig.&nbsp; Zwei weitere Konzerte in Zeulenroda und Suhl wurden 2024 von der Polizei verhindert.&nbsp; Nach wie vor war es in Thüringen im vergangenen Jahr möglich, durchschnittlich eine extrem rechte Musikveranstaltung pro Woche zu besuchen.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="958" height="595" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama.jpg" alt="" class="wp-image-15432" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama.jpg 958w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama-300x186.jpg 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama-768x477.jpg 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama-320x199.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama-640x397.jpg 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama-440x273.jpg 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_2007-24er-Alpenpanorama-880x547.jpg 880w" sizes="(max-width: 958px) 100vw, 958px" /></figure>
</div>


<p>RechtsRock-Veranstaltungen fanden in 14 der 22 Landkreise und kreisfreien Städte Thüringens statt. Der Südthüringer Landkreis Hildburghausen verzeichnet mit elf Konzerten in 2024 die höchste Anzahl von extrem rechten Musikveranstaltungen. Es folgen der Wartburgkreis mit acht<a> </a>sowie dem Landkreis Greiz mit sechs Musikveranstaltungen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Liederabende bleiben beliebt</strong></h3>



<p>Trotz des deutlichen Rückgangs, sind Liederabende das beliebteste Format im <a href="https://mobit.org/Material/2022_MOBIT_RechtsRock-Hass%20und%20Kommerz.pdf">Kontext RechtsRock-Veranstaltungen</a>. MOBIT dokumentierte im vergangenen Jahr 26 Liederabende gegenüber 48 in 2023, bei denen neben szenebekannten Liedermachern, Protagonisten altbekannter RechtsRock-Bands unplugged auftreten.</p>



<p>So lieferten die beiden Neonazi-Liedermacher Axel Schlimper und Sebastian Döhring alias „Fylgien“ die musikalische Abendgestaltung einer Veranstaltung des geschichtsrevisionistischen Vereins „Gedächtnisstätte e.V.“ auf dem Rittergut Gutmannshausen im Landkreis Sömmerda. Der Musiker und Beisitzer im Bundesvorstand der Neonazi-Partei „Die Heimat“, ehemals NPD, Philipp Neumann alias „Phil von FLAK“ bespielte im November die ersten Liederabende im <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/hildburghausen/rechtsextremist-frenck-neonazi-vessra-brattendorf-gasthof-100.html" target="_blank">neu eröffneten „Gasthof Eiserner Löwe“</a> in Brattendorf im Landkreis Hildburghausen. Beworben wurden diese Konzerte als „Abende voller Emotionen und Musik“ durch den bekannten Südthüringer Neonazi Tommy Frenck.</p>



<p>Neben 26 extrem rechten Liederabenden dokumentierte MOBIT sieben RechtsRock-Konzerte in 2024 in Thüringen. Im März traten im „Ossi-Bunker“ in Zeulenroda drei Rock-Bands auf, im Juni die Sonnberger Neonazi-Band „Unbeliebte Jungs“. Aus dem Stilbereich des rechten Metal spielten im November im Erfurter Club „From Hell“ wie im Jahr zuvor die finnische National Socialist Black Metal-Band „Horna“.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img decoding="async" width="1005" height="632" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks.jpg" alt="" class="wp-image-15433" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks.jpg 1005w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks-300x189.jpg 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks-768x483.jpg 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks-320x201.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks-640x402.jpg 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks-440x277.jpg 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/25_24er-Musikstil-Keks-880x553.jpg 880w" sizes="(max-width: 1005px) 100vw, 1005px" /><figcaption class="wp-element-caption"><sub>Stilrichtungen extrem rechter Musik 2024 in Thüringen</sub></figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading"><strong>Live- Musik aus politischer Strategie</strong></h3>



<p>Auffällig für 2024 ist eine vermehrte Zunahme von sogenannten sonstigen Musikveranstaltungen von drei im Jahr 2023 auf 14 Veranstaltungen in 2024. Darunter zählen Musikdarbietungen, die keinen typischen Konzertcharakter besitzen, sondern kurze Musikeinlagen von Protagonisten der Szene bei Veranstaltungen, Demonstrationen oder Kundgebungen darstellen. Beispielhaft sei das Musizieren des Neonazi-Liedermachers Frank Rennicke im März bei einem Protest der extremen Rechten vor einer Unterkunft für Geflüchtete in Gera genannt, der von der Initiative „Miteinanderstadt Gera“ um Christian Klar organisiert wurde.&nbsp;</p>



<p>Die Form bzw. der Stil ist dabei nachrangig; wichtig ist der auf Stärkung der politischen Rechten abzielende Zweck. Um aktuelle Einsatzformen rechter Musik zu verstehen, muss die Absicht des Transports extrem rechter Positionen und Ideologie in den Mittelpunkt gestellt werden. Der Einsatz von Live-Musik bei öffentlichen Versammlungen soll diese nicht nur attraktiver machen, sondern ist auch ein inhaltlicher Beitrag<a>. </a>So kann der aktuelle Anstieg von sogenannten „sonstigen Musikveranstaltungen“ erklärt werden.</p>



<p>Die strategisch nutzbaren <a href="https://mobit.org/Material/2022_MOBIT_RechtsRock-Hass%20und%20Kommerz.pdf">Funktionen von RechtsRock</a>, wie dem Transport von Ideologie, einer Emotionalisierung und auch Mobilisierung, fanden darüber hinaus in 2024 wiederholt in den Thüringer Wahlkampfgeschehen rund um Kommunal- Europa- und Landtagswahlen ihren Einsatz. Ein Landtagskandidat der AfD aus dem Wartburgkreis bewarb beispielsweise seine Wahlkampfveranstaltung in Bad Salzungen mit dem Auftritt des Brandenburger Musikers „Esteban Cortez“, der seit Jahren in der rechten Pandemieleugnungsszene auftritt. Sowohl in Sonneberg als auch Mühlhausen war der Brandenburger Alleinunterhalter „<a href="https://aktionsbuendnis-brandenburg.de/bjoern-winter-vom-ballermann-saenger-zum-querdenken-star/" target="_blank">Björn Banane</a>“ Teil der Veranstaltungsreihe „Blaue Welle“ des extrem rechten und AfD-nahen Compact-Magazins. Dessen öffentliche Veranstaltungen in Form von Familienfesten in zahlreichen Städten u.a. Thüringens diente der indirekten Wahlkampfunterstützung für die AfD.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Extrem rechte Musik jetzt auch als Schlager und Pop</strong></h3>



<p>Gesamtgesellschaftlich ist die Rechte in der Allianz von AfD, Kleinstparteien wie den Freien Sachsen, Gruppierungen wie Freies Thüringen und weiteren verschwörungsideologischen Post-Pandemiegruppierungen samt sogenannten Reichsbürgern normalisiert. Dieses Spektrum trägt ihre Politik seit Jahren mit Kundgebungen und Aufzügen in die Öffentlichkeit. Dabei ist man musikalisch ebenso flexibel, wie bei manchen politischen Argumentationen. Auch in Thüringen auftretende Musiker*innen radikalisierten sich seit der Pandemiezeit in diesem Milieu.</p>



<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=nr4ue9zAv5M" target="_blank">Stefan Krähe</a>, der seit Jahrzehnten Deutschrock macht und 2023 sowie 2024 auf dem Altstadtfest Nordhausen spielte, oder „Björn Banane“ (bürgerlich Björn Winter), der zunächst mit „Ballermann“-tauglichen Songs die Pandemie-Proteste unterstützte, traten mittlerweile mehrfach bei AfD-Veranstaltungen sowie weiteren extrem rechten Gruppen auf. Björn Winter arbeitet laut <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-und-reichsbuerger-bjoern-winter-rechtsextremer-minijobber-a-a1087549-b205-4271-9b10-7c4382fbf03c" target="_blank">SPIEGEL-Recherchen</a> sogar für AfD-Funktionäre. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large"><img decoding="async" width="1024" height="771" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-1024x771.png" alt="" class="wp-image-15436" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-1024x771.png 1024w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-300x226.png 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-768x578.png 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-320x241.png 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-640x482.png 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-440x331.png 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1-880x662.png 880w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240423_Youtube-COMPACTTV_Sonneberg-Bjoern-Banane-springt-auf-den-Tisch-1.png 1181w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><sub>Mindestens ebenso wichtig wie der Lieveauftritt ist die digitale Weiterverbreitung. So lassen sich die politischen Botschaften noch weiterverbreiten. Hier &#8222;Björn Banane&#8220; beim Anheizen des Publikums bei einer &#8222;Blauen Welle&#8220;-Veranstaltung des compact-Magazins in Sonneberg. <br>Screenshot: Youtube-Kanal CompactTV</sub></figcaption></figure>
</div>


<p>Das Video aus einem Sylter Lokal vom Mai 2024, in dem zum bekannten Popsong „L’amour toujours“ durch Gäste rassistische Texte gesungen wurden, fand bundesweit Nachahmung und gleichermaßen in Thüringen. Dieselben Parolen, eingebettet in ausgelassenes Partygeschehen in einer <a href="https://www.thueringen24.de/erfurt/article300405779/erfurt-musikpark-lamour-toujours-online.html" target="_blank">Diskothek in Erfurt</a>, einem <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/soemmerda/walschleben-auslaenderfeindliche-parolen-100.html" target="_blank">Stadtfest in Waschleben</a> (Landkreis Sömmerda), oder einer <a href="https://www.otz.de/lokales/saale-orla-kreis/article406649871/auslaenderfeindliche-gesaenge-loesen-polizeieinsatz-in-saalburg-aus.html" target="_blank">Tuning-Veranstaltung in Saalburg</a>, Saale-Orla-Kreis, zeigten auch mit Bezug auf Musik eine gesellschaftliche Normalisierung von  Rassismus und Nationalismus. Der auf einer <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/afd-abschiebesong-wahl-brandenburg-junge-alternative-100.html" target="_blank">AfD-Wahlparty in Brandenburg</a> im September 2024 intonierte „Abschiebesong“ mit der Melodie des bekannten Party-Songs „Das geht ab. (Wir feiern die ganze Nacht.)“ fand auf Social-Media-Plattformen wie TikTok Verbreitung gerade unter jungen Thüringer*innen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>RechtsRock und Künstliche Intelligenz (KI)?</strong></h3>



<p>Technischer Fortschritt ermöglicht es mittlerweile auch Laien am heimischen Rechner Musikstücke zu entwickeln. Mit der Angabe von Schlagworten oder Textbausteinen entwickeln frei zugängliche Programme Liedtexte und bieten deren Vertonung mit unterschiedlichen Stilen an. Einzelpersonen kreieren mit extrem rechten Schlagworten Musikstücke mit emotionalisierenden Handlungsaufforderungen wie bei den Protesten von Akteuren aus der Landwirtschaft zu Beginn des Jahres 2024. Nicht selten wird dabei auch zur Wahl einer extrem rechte Partei aufgerufen. Unterlegt mit Fotos extrem rechter Veranstaltungen oder gleichfalls KI-erzeugten Bildern entstehen unaufwändig Videos zu Kundgebungen oder Demonstrationen. &nbsp;So endet der von der AfD-TV gefilmte und veröffentlichte Auftakt des Landtagwahlkampfs der AfD Thüringen im September 2024 in Arnstadt mit dem KI-Song „AfD – Gemeinsam stark und frei“ einer Person namens FloKi. Auf seinen Social-Media-Kanälen finden sich neben Cover-Versionen bekannter Songs und deren Umgestaltung mit rassistischen Texten auch mit KI entwickelte Musikstücke zur Bewerbung der AfD. &nbsp;</p>



<p>Auch extrem rechte Streamer wie Michael Wittwer die regelmäßig szeneeigene Veranstaltungen in Thüringen filmisch begleiten, bieten auf ihren Social-Media-Kanälen KI-Songs passend zum Anlass an.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Ideologie, Geschäfte und Vernetzung &#8211; Bedeutung von Szene-Immobilien</strong></h3>



<p>Szeneeigene Immobilien bilden für die extreme Rechte die notwendige Infrastruktur, damit politische Arbeit organisiert, Einnahmen durch Veranstaltungen und Gewerbe generiert und Ideologie transportiert und verbreitet werden kann. Rassistische, antisemitische, nationalistische und demokratiefeindliche Haltungen und Botschaften können unverhohlen in Musik, Schrift, Symbolik und verbalen Äußerungen ausgelebt werden.</p>



<p>Nach der umfassenden Aussage des Die-Heimat-Funktionärs Patrick Wieschkes  im „<a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/knockout-razzia-erfurt-eisenach-neonazi-bundesanwalt-100.html" target="_blank">Knockout51-Prozess</a>“ verlor die Landesgeschäftsstelle der Partei in Eisenach komplett die Bedeutung für das RechtsRock-Geschehen in Thüringen. Waren es in 2023 noch rund elf Konzerte in der Immobilie, fand nach Kenntnisstand von MOBIT in 2024 kein einziges RechtsRock-Konzert im sogenannten Flieder Volkshaus statt.</p>



<p>Entgegen der Entwicklung in Eisenach wirkt sich der ungehinderte Zugang und die unwidersprochene Nutzung extrem rechter Immobilien in anderen Thüringer Landkreisen unmittelbar auf das RechtsRock-Geschehen aus.  Ein Urteil des Thüringer Oberverwaltungsgerichts zwang den Neonazi Tommy Frenck den langjährig gepachteten „<a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/hildburghausen/neonazi-tommy-frenck-goldener-loewe-rechtsextremismus-100.html" target="_blank">Gasthof Goldene Löwe</a>“ in Kloster Veßra Mitte des Jahres 2024 zu verlassen. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="425" height="638" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240913_Kloster-Vessra_Goldener-Loewe-zu-Eiserner-Loewe_269A1549.jpg" alt="" class="wp-image-15439" style="width:402px;height:auto" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240913_Kloster-Vessra_Goldener-Loewe-zu-Eiserner-Loewe_269A1549.jpg 425w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240913_Kloster-Vessra_Goldener-Loewe-zu-Eiserner-Loewe_269A1549-200x300.jpg 200w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/240913_Kloster-Vessra_Goldener-Loewe-zu-Eiserner-Loewe_269A1549-320x480.jpg 320w" sizes="auto, (max-width: 425px) 100vw, 425px" /><figcaption class="wp-element-caption"><sub>Bekanntgabe des Umzugs nach Brattendorf direkt am alten &#8222;Goldenen Löwen&#8220; in Kloster Veßra <br>Bild: MOBIT</sub></figcaption></figure>
</div>


<p>Bereits im September 2024 feierte Frenck die <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/hildburghausen/rechtsextremist-frenck-neonazi-vessra-brattendorf-gasthof-100.html" target="_blank">Eröffnung des Gasthofs „Eiserner Löwe“</a> in Brattendorf, nur rund 20 Kilometer von Kloster Veßra entfernt. Behördlich erteilte Auflagen begrenzen die Teilnehmendenzahl der Konzerte in Brattendorf aktuell auf 40 Personen pro Konzert. Frenck behilft sich damit, dieselben Musiker an mehreren Tagen in Folge auftreten zu lassen. Innerhalb eines Zeitraums von nur zwei Monaten veranstaltete Frenck so neun RechtsRock-Konzerte in Form von Liederabenden dort“. Neben Szene-Musikern aus Thüringen sang im Dezember 2024 Hannes Ostendorf, Sänger der extrem rechten Band „Kategorie C“ aus dem Umland von Bremen. Das Potential der Immobilie und des Grundstücks, das auch größere Neonazi-Open-Airs zuließe, ist aktuell noch nicht ausgeschöpft.</p>



<p>Für das erste Halbjahr 2025 kündigte Frenck bereits <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/hildburghausen/frenck-gasthof-immobilie-loewe-100.html" target="_blank">zwanzig RechtsRock-Konzerte</a> im „Gasthof Eiserner Löwe“ an. Nach einem Bericht des MDR hält jedoch der Bürgermeister der Gemeinde Auengrund das Gasthaus nicht für einen Neonazi-Treffpunkt. Es würden „<a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/sued-thueringen/hildburghausen/rechtsextremist-frenck-neonazi-vessra-brattendorf-gasthof-100.html" target="_blank">Speisen und Getränke für jedermann angeboten und nicht nur für eine spezielle Klientel</a>“. Damit wird ignoriert, dass in der Immobilie drei Neonazi-Versandgeschäfte registriert sind und mit der „Afrikakorps-Bar“, einem Erwin-Rommel-Gedenkbrunnen oder einer mehrere Meter großen Symbol einer sogenannten Schwarzen Sonne im Gastraum eine sehr spezielle Kundenansprache erfolgt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="702" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-1024x702.png" alt="" class="wp-image-15455" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-1024x702.png 1024w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-300x206.png 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-768x526.png 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-320x219.png 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-640x439.png 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-440x301.png 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube-880x603.png 880w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2025/03/Imagefilm-Gasthaus-Eiserner-Loewe-Brattendorf-–-Erlebe-Genuss-Action-und-einzigartige-Atmosphaere-YouTube.png 1261w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption"><sub>Screenshot aus einem Imagefilm für das neue Gasthaus &#8222;Eiserner Löwe&#8220; in Brattendorf. Deutlich werden hierin die &#8222;Attraktionen&#8220; bestehend aus Wehrmacht- und SS-Kontexten herausgestellt. <br>Quelle: Youtube-Imagefilm &#8222;Eiserner Löwe&#8220; aus Oktober 2024</sub></figcaption></figure>



<p>Frenck kündigt selbst die weitere Steigerung der Attraktivität des Gasthauses durch Übernachtungsmöglichkeiten, einem Saal und eine Kegelbahn an. Der mangelnde Widerspruch gegen das Agieren des Neonazis fördert die Normalisierung extrem rechter Ideologie im Landkreis enorm.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong></h3>



<p>Strukturen und Personen der RechtsRock-Szene Thüringens waren in 2024 nicht weniger umtriebig als die Jahre zuvor. Das Musikgeschehen war eng gekoppelt an aktive Multi-Funktionäre und den ungestörten Zugang zu Immobilien. Die gesellschaftliche Verbreitung extrem rechter Ideologie spiegelte sich auch im Musikgeschehen wider.&nbsp; Sie war mitunter auch poppig, als Schlager oder Stimmungsmusik wahrzunehmen – zuweilen KI-generiert von lokalen unbekannten Amateur-Musikern. Eine gezielte emotionalisierende Ansprache mit Hilfe von Musik nutzten extrem rechte Akteur*innen im umfangreichen Wahlkampfgeschehen Thüringens.</p>



<p>Der „Gasthof Eiserner Löwe“ in Brattendorf im Süden Thüringens entwickelt sich rasant zum bundesweit meist genutzten RechtsRock-Zentrum.</p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/ns-verherrlichung-und-abschiebe-partystimmung-rechtsrock-in-thueringen-2024/">NS-Verherrlichung und Abschiebe-Partystimmung &#8211; RechtsRock in Thüringen 2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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		<title>Jahresrückblick 2024</title>
		<link>https://mobit.org/jahresrueckblick-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Dec 2024 08:29:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Jahr 2024 war vor allem durch die Kommunal-, Europa und Landtagswahlen geprägt. Diese wurde gerahmt von zahlreichen Aktivitäten der extremen Rechten und&#8230;</p>
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<p>Das Jahr 2024 war vor allem durch die Kommunal-, Europa und Landtagswahlen geprägt. Diese wurde gerahmt von zahlreichen Aktivitäten der extremen Rechten und Aktionen der demokratischen Thüringer Zivilgesellschaft. Bei allen Wahlen konnte die AfD ihr Ergebnis deutlich ausbauen.</p>



<p>Bereits 2023 fanden mit der Landratswahl in Sonneberg und der Oberbürgermeisterwahl in Nordhausen zwei kommunale Wahlen statt, die nicht nur für die extreme Rechte, sondern auch die zivilgesellschaftlichen Akteur*innen ihre Schatten auf 2024 vorrauswarfen. Ab Herbst 2023 liefen dann spätestens auch die Vorbereitung der Zivilgesellschaft für das Wahljahr 2024. Bereits im Januar begann das Wahljahr mit der Landratswahl im Saale-Orla-Kreis. Am 14. Januar fand nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der <a href="https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/01/10/geheimplan-remigration-vertreibung-afd-rechtsextreme-november-treffen/" target="_blank">Correctiv-Recherche</a> der erste Wahlgang im Saale-Orla-Kreis statt. Um nach dem Erfolg in Sonneberg die Wahl eines weiteren AfD Landrats zu verhindern, hatte sich Ende 2023 das lokale Bündnis „Dorfliebe für alle“ gegründet. Im ersten Durchgang erreichte der AfD-Kandidat Uwe Thrum mit Abstand die meisten Stimmen und es kam zu einer Stichwahl mit dem CDU-Kandidaten Christian Herrgott. Trotz ähnlicher Konstellationen wie in Sonneberg, konnte Herrgott sich in der Stichwahl mit rund 5%-Punkten Vorsprung gegen Thrum durchsetzen. Dies dürfte nicht zuletzt auch mit der zivilgesellschaftlichen Mobilisierung zu erklären sein.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-15398" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-1024x683.jpg 1024w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-300x200.jpg 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-768x512.jpg 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-1536x1024.jpg 1536w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-2048x1365.jpg 2048w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-320x213.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-640x427.jpg 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-440x293.jpg 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-880x587.jpg 880w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-1280x853.jpg 1280w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-1600x1067.jpg 1600w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/240831_AfD-Wahlk-Abschluss_Alice-Weidel-Fan-Block_269A0546-1920x1280.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Wahlkampfabschluss der AfD in Erfurt vor der Landtagswahl. Bild: MOBIT </figcaption></figure>



<p><strong>Wahlen Runde 1: Europa, Landräte und Kommunal</strong></p>



<p>Die öffentliche Berichterstattung nach den Kommunal- und Europawahlen polarisierte deutlich. Ein Teil der Artikel beschrieb die „Blaue Welle“ als gebrochen, ein anderer Teil proklamierte den weiteren Rechtsruck und das Erstarken der AfD. Grund für diese unterschiedlichen Einschätzungen waren zumeist die unterschiedlichen vergleichenden Bezugspunkte der Autor*innen. Diejenigen, die in den Ergebnissen eine Wahlniederlage für die AfD sahen, bezogen sich meist auf die Umfragen der letzten Monate, die im Schnitt höher waren, als die tatsächlich erzielten Wahlergebnisse der AfD. Besonders bei der Europawahl lag die AfD bundesweit in Umfragen teils bei 24% und erhielt am Ende „lediglich“ 15,9%. Verglichen mit den Ergebnissen der Europawahl 2019 war dies dennoch ein Zugewinn von 4,9%. In den ostdeutschen Bundesländern sah das Ergebnis ohnehin anders aus. So erzielte die AfD&nbsp;bei den Europawahlen 30,7% und war damit stärkste Kraft. Hier war ein Zugewinn von 8,2% Prozent zu verzeichnen. Bei den Kommunalwahlen konnte die AfD im Landesschnitt bei den Kreistags- und Stadtratswahlen 25,8% der Stimmen erringen und lag damit hinter der CDU auf dem zweiten Platz. Mit Ausnahme des Unstrut-Hainich Kreises zogen die Kandidat*innen der AfD bei allen Landratswahlen, bei denen die AfD antrat, in die Stichwahlen ein. Im zweiten Wahlgang konnte die AfD allerdings keinen weiteren Landratsposten für sich gewinnen. Vergleicht man die Stichwahlergebnisse mit den drei vorangegangenen Wahlen um die Landrats- bzw. Oberbürgermeisterwahlen in Sonneberg, Nordhausen und dem Saale-Orla-Kreis, schnitten am 9. Juni alle Kandidat*innen deutlich schlechter ab, als noch die Monate zuvor. Dies ist nicht als Argument zu lesen, dass die „Blaue Welle“ gestoppt wurde, aber es ist ein Anhaltspunkt, ob die Berichterstattung über die Deportationspläne der extremen Rechten und auch die darauf folgenden Massenproteste gegen die AfD einen Einfluss auf die Wahlergebnisse hatten. Dies scheint – mit aller Vorsicht – der Fall zu sein. Insgesamt bleibt dennoch festzuhalten, dass die AfD bei allen Wahlen im Mai und Juni 2024 ihre Ergebnisse verbessern konnte, jedoch die Ereignisse der letzten Monate offensichtlich dazu führten, dass die Zugewinne nicht noch höher ausfielen. Die ausgebaute Präsenz der AfD auf kommunaler Ebene birgt vor allem die Gefahr einer weiteren Normalisierung.</p>



<p><strong>Die Landtagswahl: Der Siegeszug der AfD und die Destabilisierung der parlamentarischen Demokratie</strong></p>



<p>Im dritten Quartal 2024 stand die Landtagswahl im Fokus der politischen Aktivitäten der extremen Rechten und des Engagements der demokratischen Zivilgesellschaft. Am 1. September fand in Thüringen die Landtagswahl statt. Schon die Umfragen vor der Wahl ließen einen Zugewinn für die AfD erwarten.  Zwei wichtige Fragen waren unter anderem, ob die AfD mit ihrem Ergebnis auch die parlamentarische Sperrminorität erreichen und ob im Freistaat überhaupt eine Regierungsbildung möglich sein würde. Mit 32,8 % der abgegebenen Stimmen wurde die <a href="https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2024-09-01-LT-DE-TH/analyse-wanderung.shtml" target="_blank" rel="noreferrer noopener" target="_blank">AfD stärkste Kraft in Thüringen</a>. Die extrem rechte Partei steigerte ihr Ergebnis im Vergleich zur Landtagswahl in 2019 deutlich um 9,4%-Punkte.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="605" height="338" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/Bild1.png" alt="" class="wp-image-15396" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/Bild1.png 605w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/Bild1-300x168.png 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/Bild1-320x179.png 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/Bild1-440x246.png 440w" sizes="auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ergebnisse der Landtagswahl. Quelle: tagesschau.de</figcaption></figure>



<p>Dabei konnte die Partei wie keine andere von der gestiegenen Wahlbeteiligung profitieren. Diese hatte sich von 2019 mit 64,9% auf 73,6% deutlich erhöht. Laut der Analysen von Infratest dimap entschieden sich rund <a href="https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2024-09-01-LT-DE-TH/analyse-wanderung.shtml" target="_blank" rel="noreferrer noopener" target="_blank">71.000 ehemalige Nichtwähler*innen</a> bei der Landtagswahl nun für die AfD. Neben dem hohen Zugewinn der AfD insgesamt ist besonders das Ergebnis in der Gruppe der Wähler*innen im Alter von 18 bis 24 besorgniserregend. In dieser Alterskohorte gaben insgesamt rund 38% ihre Stimme der extrem rechten Partei. Mit ihrem Ergebnis verfügt die AfD in Thüringen nun auch über die Sperrminorität und ist in der Position auf verschiedenen Ebenen Entscheidungen blockieren zu können oder/und die eigene Präsenz in Gremien deutlich auszubauen. So kann beispielsweise ohne Zustimmung der AfD weder der Landtag aufgelöst, Richter*innen im Richterwahlausschuss gewählt, noch die parlamentarische Kontrollkommission besetzt werden. Letztere dient eigentlich der Kontrolle des Verfassungsschutzes, der wiederum die AfD als gesichert rechtsextrem einstuft.</p>



<p>Das Ende des Jahres war vor allem durch die große Unsicherheit geprägt, ob in Thüringen überhaupt eine Regierung durch die demokratischen Parteien gebildet werden könnte. Die schwierigen Verhandlungen zwischen CDU, SPD und BSW dürften zur weiteren Verunsicherung der Wähler*innen in Thüringen führen und könnten eine weitere Abkehr von den demokratischen Parteien bestärken.</p>



<p><strong>Reichsbürger und andere Spektren</strong></p>



<p>Die Szene der „Reichsbürger“ war 2024 sehr aktiv in Thüringen. Neben zahlreichen Vorträgen und Kongressen fand auch die größte bundesweite Szene-Demonstration mit rund 1.000 Menschen in Gera statt. Daneben waren die lokalen Gruppen weiter fester Bestandteil des themenflexiblen Protestspektrums und in Teilen Bündnispartner der AfD. Insbesondere der langjährige Aktivist Frank Haußner aus Zeulenroda, eine der Führungsfiguren von „Freies Thüringen“, bildet eine zentrale Schnittstelle zwischen „Reichsbürger“-Milieu und AfD. Zudem ist Thüringen weiterhin der wichtigste Veranstaltungsort für bundesweite „Reichsbürger“-Netzwerke. Regelmäßig finden in zahlreichen Regionen Vorträge unterschiedlicher „Reichsbürger“-Gruppen statt. Die größten beiden Veranstaltungen waren zum einen das „Große Treffen der Bundesstaaten 25 + 1“ am 6. April in Gera. Rund 1.000 Anhänger der Szene kamen hier zusammen. Insgesamt wurde das Veranstaltungsformat bereits vier Mal durchgeführt, in Thüringen allerdings mit dem größten Zulauf. Daneben fand mit dem „Staatsvolktreffen“ am 16. November ein weiteres bundesweites Treffen statt. Aufgrund der Intervention der Behörden stand den Veranstaltern kein Raum zur Verfügung und so wandelten sie die als Tagung geplante Veranstaltung in eine Demonstration in Leinefelde um, bei der auch einige der vorgesehenen Redner sprachen. Insgesamt waren trotz des Ausfalls der eigentlichen Veranstaltung dennoch zwischen 200 und 300 Menschen angereist. Diese beiden Großereignisse zeigen neben zahlreichen kleineren Veranstaltungen und der Vernetzung der mutmaßlichen Terrorgruppe um Prinz Reuß, dass Thüringen von zentraler Bedeutung für die bundesweite Szene ist. „Reichsbürger“ sind im Kontext des stattfindenden Rechtsrucks ein wichtiger Faktor sowohl in der Mobilisierung auf der Straße als auch bei der grundsätzlichen Delegitimierung des demokratischen Systems. Sie verstärken nicht nur die Verbreitung von Verschwörungserzählungen, sondern arbeiten dadurch auch aktiv an der Abkehr zahlreicher Menschen vom demokratischen Diskurs.</p>



<p><strong>Neonazi-Szene: Verfahren, Immobilien und RechtsRock</strong></p>



<p>Die Bedeutung der Neonazi-Szene als politischer Faktor ist seit dem Auftauchen der AfD immer weiter zurückgegangen. Als subkulturelles Phänomen und Struktur insgesamt ist ihr Beitrag für das Erstarken der extremen Rechten aber nicht zu unterschätzen. Besonders in Regionen in denen einzelne Aktivisten seit vielen Jahren aktiv sind und/oder die Szene über eigene Immobilien verfügt, ist der Einfluss der „klassischen“ extremen Rechten besonders hoch. Dies erklärt auch die zahlreichen Stimmen, die der Neonazi Tommy Frenck bei der Wahl zum Landrat in Hildburghausen erlangte: mit 24% erreichte er nicht nur die Stichwahl, sondern konnte dort sein Ergebnis sogar auf 30% steigern.</p>



<p>Vor allem der Prozess gegen die Hauptangeklagten im „Knockout51“-Prozess hatte für die Thüringer Neonazi-Szene deutliche Auswirkungen. Vor dem Oberlandesgericht in Jena standen mit Leon R., Bastian A., Maximilian A. und Eric K. die vier Haupttäter vor Gericht (Eine ausführliche Dokumentation des Prozesses findet sich hier: <a href="https://prozessdoku-thueringen.de/category/knockout51prozess/" target="_blank">https://prozessdoku-thueringen.de</a>). Ihre rund 2-jährige Inhaftierung ließ die Aktivitäten der Neonazi-Szene in Eisenach deutlich einbrechen. Im Zuge der Ermittlungen gab es Ende 2023 weitere Verhaftungen gegen mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer der Gruppe. Darunter auch der Heimat-Funktionär Patrick David Wieschke. Im September 2024 gab die Bundesanwaltschaft dann die Anklage-Erhebung gegen Patrick David Wieschke, Kevin N. und Marvin W. bekannt. <a href="https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/Pressemitteilung-vom-19-09-2024.html?nn=478184" target="_blank">Das Verfahren soll erneut am OLG in Jena stattfinden</a>. Seitens der Neonazi-Szene wurden Wieschke seine Kooperation und sein Aussageverhalten vorgeworfen. Er gilt damit in weiten Teilen der Szene als Verräter. Eine der offensichtlichen Folgen war auch nach seiner Haftentlassung, dass bisher keine weiteren öffentlich bekanntgewordenen RechtsRock-Konzerte mehr in der Eisenacher Heimat-Landesgeschäftsstelle stattgefunden haben. Das Wegbrechen einer der wichtigsten Szene-Immobilien als Veranstaltungsort hatte auch einen deutlich wahrnehmbaren Abwärtstrend der Aktivitäten im Bereich RechtsRock zur Folge.</p>



<p>Gleichzeitig verließ der Neonazi Tommy Frenck den von ihm gepachteten Gasthof „Goldener Löwe“ in Kloster Veßra (Landkreis Hildburghausen) und bezog nur wenige Kilometer entfernt in Brattendorf eine neue Immobilie. Mit der Eröffnung des „Eisernen Löwen“ im September steht nun eine neue Szene-Gaststätte zur Verfügung, die sich mit Neonazi-Kitsch vor allem wieder an die eigene Szene richtet. Frenck kündigte im Zuge der Neueröffnung gleich mehrere RechtsRock-Konzerte bis Jahresende an. Auch in Ohrdruf (Landkreis Gotha) verlor die Neonazi-Szene eine Immobilie. Die Kleinstpartei Der Dritte Weg musste vor wenigen Wochen hier ihr Parteibüro räumen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-15399" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-1024x683.jpg 1024w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-300x200.jpg 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-768x512.jpg 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-1536x1024.jpg 1536w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-2048x1365.jpg 2048w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-320x213.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-640x427.jpg 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-440x293.jpg 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-880x587.jpg 880w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-1280x853.jpg 1280w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-1600x1067.jpg 1600w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/12/269A1544-1920x1280.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Die neue Immobilie von Tommy Frenck in Brattendorf. Bild: MOBIT</figcaption></figure>



<p>Eine Neuformierung im Bereich jugendlicher Neonazismus zeigte sich spätestens beim Wahlkampf-Abschluss der AfD am 31. August auf dem Domplatz in Erfurt. An der Versammlung nahm eine größere Gruppe teils sehr junger Neonazis teil, die bisher in verschiedenen Organisationen aktiv waren. Nach dem Zerfall der Neue Stärke Partei (NSP) und in Folge des Gerichtsverfahrens gegen die Neonazis der extrem rechten Kampfsportgruppe „Knockout 51“ scheinen sich im jugendlichen und militanten Neonazismus neue Netzwerke herauszubilden. Bereits in der Vergangenheit waren unter anderem in Erfurt junge Neonazis aufgefallen, die Aktionen der demokratischen Zivilgesellschaft störten und angriffen. Zudem tauchten thüringenweit wieder vermehrt Graffiti mir rechten Botschaften auf. Diese neuen Netzwerke zeigten sich auch beim Wahlkampfabschluss der AfD in Erfurt. Hier traten als wahrnehmbare Gruppe nicht nur Personen aus den ehemaligen Strukturen der NSP, einzelne Mitglieder von „Knockout 51“, sondern auch aus dem Umfeld der Neonazi-Partei Der Dritte Weg und der Fanszene des Rot-Weiß-Erfurt auf. &nbsp;Daneben waren auch Akteure &nbsp;aus dem völkischen Spektrum vor Ort und Aktivisten der Identitären Bewegung. Eine ähnliche Personen-Konstellation war dann auch bei einer neonazistischen Demonstration am 14. September gegen den CSD in Eisenach zu beobachten. Hier kam erneut eine Mischung verschiedener Neonazis aus thüringenweiten Netzwerken zusammen, die vor allem auch als Ordner die sonst mobilisierungsschwache Veranstaltung absicherten.</p>



<p><strong>Fazit</strong></p>



<p>Im Jahr 2024 hat sich in Thüringen auf parlamentarischer Ebene eine weitere Verschiebung nach rechts manifestiert. Die AfD konnte bei nahezu allen Wahlen ihre bisherigen Ergebnisse ausbauen. Diese Erfolge führen zu einem noch stärkeren Einfluss und Ausbau der Präsenz der Partei im Freistaat. Bereits wenige Tage nach der Wahl hat die Partei ihre Dauerbeschallung durch Infostände und Veranstaltungen in ganz Thüringen wieder aufgenommen. In den kommunalen Gremien und im Landtag ist es kaum noch möglich die löchrige Brandmauer aufrecht zu erhalten. Viel mehr zeichnet sich immer deutlicher ab, dass demokratische Parteien gewillt sind mit der AfD zusammenzuarbeiten, wie etwa die Verhandlungen zur Einsetzung eines Corona-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag deutlich machten.</p>



<p>Der Erfolg der extremen Rechten war in den zurückliegenden Monaten vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu beobachten. Nicht zuletzt dokumentiert durch das Landtagswahlergebnis in Thüringen. Hinzu kommt, dass bei Demonstrationen auch die Rückkehr des Stils der neonazistischen Skindhead-Szene zu beobachten war. Besonders die sozialen Netzwerke wie TikTok zeigen außerdem einen beängstigenden Trend, was die Verbreitung von extrem rechten und vor allem neonazistischen Inhalten und Symbolik angeht.</p>



<p>Die Erfolge der AfD führen auch zu einer Stärkung ihres Umfeldes und zeigen, wie beispielsweise bei der „Reichsbürger“-Szene eine ständig wachsende Aktivität. Das Bundesland ist damit eines der zentralen Knotenpunkte für die bundesweite Szene.&nbsp;</p>



<p>Die Krisen und Kriege der letzten Jahre in Kombination mit der teils instabilen Regierungskonstellationen sowohl auf Landes- wie auch Bundesebene bereiten für den Aufstieg extrem rechter Akteure verschiedener Couleur einen fruchtbaren Nährboden.</p>



<p></p>
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Erholt zurück aus den Jahren der Pandemie: Die RechtsRock-Szene 2023 in Thüringen</title>
		<link>https://mobit.org/rechtsrock-2023/</link>
		
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		<pubDate>Mon, 22 Apr 2024 10:47:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[RechtsRock]]></category>
		<category><![CDATA[Turonen]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/rechtsrock-2023/">Erholt zurück aus den Jahren der Pandemie: Die RechtsRock-Szene 2023 in Thüringen</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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<p><strong>Die Anzahl der RechtsRock-Konzerte in Thüringen in 2023 ist mit 51 Veranstaltungen wieder auf dem Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie. Am Konzertgeschehen in Eisenach zeigt sich die vernetzende Funktion von RechtsRock-Konzerten.</strong></p>



<p>Nach 31 extrem rechten Musikveranstaltungen in Thüringen im Jahr 2022 ist das Konzertaufkommen im vergangenen Jahr mit 51 Veranstaltungen wieder auf dem Niveau der Zeit vor der Corona-Pandemie angelangt. Damit fand durchschnittlich ein extrem rechtes Konzert pro Woche in Thüringen statt.</p>



<p>Verteilt waren die Konzerte auf 12 der 22 Thüringer Landkreise und kreisfreien Städte. Spitzenreiter war der Wartburgkreis mit 15 Konzerten in Eisenach, gefolgt vom Landkreis Sömmerda mit acht Konzerten in der „Gedächtnisstätte Gutmannshausen“ und drei Konzerten im Landkreis Hildburghausen, im „Gasthaus Goldener Löwe“ in Kloster Veßra.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1015" height="677" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie.jpg" alt="" class="wp-image-15293" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie.jpg 1015w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie-300x200.jpg 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie-768x512.jpg 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie-320x213.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie-640x427.jpg 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie-440x293.jpg 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/23_RechtsRock-Collage-Kopie-880x587.jpg 880w" sizes="auto, (max-width: 1015px) 100vw, 1015px" /></figure>



<p></p>



<p><strong>Liederabende weiterhin bevorzugtes Format</strong></p>



<p>Auch in 2023 blieben Liederabende im zehnten Jahr in Folge das beliebteste Veranstaltungsformat. Bei rund 85% aller Veranstaltungen traten Protagonisten mitunter altbekannter Bands solo bei Unplugged-Konzerten auf. Größere Konzerte mit einer ganzen Band oder mehreren fanden nur vereinzelt statt; zumeist aus dem Stilbereich des rechten Metal.<a href="#_ftn1" id="_ftnref1">[1]</a> So traten im Erfurter Club „From Hell“ im Mai die finnische Band „Horna“ oder im August „Arkona“ aus Polen auf. Ein im Frühjahr als Firmenfeier deklariertes Konzert in Zeulenroda mit drei szenebekannten RechtsRock Bands davon eine aus Belgien, wurde durch einen Polizeieinsatz beendet. Bands aus dem Ausland bildeten im extrem rechten Konzertgeschehen 2023 in Thüringen mit nur vier Veranstaltungen eine seltene Ausnahme. Ein Konzert der extrem rechten Liedermacherin Kathrin Enderle alias „Eine deutsche Frau“ im Januar als auch ein Auftritt derselbigen bei einem „Reichsbürger“-Kongress im Juni im Eichsfeld blieben die einzigen Konzerte im gesamten Jahr mit einer Musikerin auf der Bühne.</p>



<p>Über Liederabende und Konzerte als Abendgestaltung hinaus nutzt die extreme Rechte Live-Musik als Begleitung von Parteitagen, Vernetzungstreffen oder Gedenkveranstaltungen. MOBIT dokumentiert diese musikalischen Darbietungen als „sonstige Musikveranstaltungen“. So untermalte in 2023 der extrem rechte Liedermacher Frank Rennicke in Ronneburg eine gemeinsame Faschingsveranstaltung der extrem rechten Gruppierungen „Miteinanderstadt Gera“, „Freies Thüringen“ und der Partei „Freie Sachsen“. Wie viele Jahre zuvor lieferte der Liedermacher Axel Schlimper die Begleitmusik zu dem von Tommy Frenck organisierten geschichtsrevisionistischen Gedenkveranstaltung „Heldengedenken“ im November in Schleusingen. Gerade solo auftretende Musiker*innen der RechtsRock-Szene können ohne großen Aufwand an verschiedenen Aktionsformen mitwirken.</p>



<p>Extrem rechte Großveranstaltung mit Festivalcharakter, wie etwa das bekannte RechtsRock-Festival in Themar mit seinen 6000 Teilnehmenden im Jahr 2017, fanden in Thüringen Im vierten Jahr in Folge nicht statt. Gerade sie prägten über Jahre das öffentliche Bild von RechtsRock-Konzerten. Seit Corona scheinen sie jedoch der Vergangenheit anzugehören und dürften bis auf weiteres keine große Rolle in Thüringen mehr spielen. Bereits vor der Pandemie hatten zivilgesellschaftlicher Protest und staatliche Repression dazu beigetragen, die Attraktivität dieses Veranstaltungsformates für die Szene zu verringern. Unter anderem die Inhaftierung zentraler Figuren der „Turonen“ als maßgebliche Organisatoren der Großkonzerte der vergangenen Jahre, stellte einen erheblichen Einschnitt für die Szene dar. Im März 2024 endete der sogenannte „Turonen“-Prozess in Gera mit hohen Haftstrafen.<a id="_ftnref2" href="#_ftn2">[2]</a></p>



<p><strong>Extrem rechte Musik zur Vermarktung und Finanzierung</strong></p>



<p>Seit jeher nutzt die Szene Musikveranstaltungen zur Spendensammlung zur Unterstützung von Szene-Angehörigen in Strafverfahren, was auch 2023 zu beobachten war. Bei einem für März 2023 in Kahla angekündigten Konzert stand Ralf Wohlleben, ein verurteilter Beteiligter der rassistischen NSU-Mordserie als Begünstigter im Mittelpunkt. Das Konzert wurde durch die Polizei verhindert. Bereits in 2022 dienten RechtsRock-Konzerte in Eisenach der Spendensammeln für die lokalen Angeklagten im Prozess zu „Knockout 51“.</p>



<p>Die Anzahl der in Thüringen ansässigen Versandhandel extrem rechter Musik und Merchandise ist nicht geringer geworden. Mit dem Versand „Das Zeughaus“ kam ein weiterer bundesweit bedeutender Versand hinzu. &nbsp;Das Merchandise der bekannten RechtsRock-Band „Sleipnir“ wird inzwischen von Tommy Frenck aus Kloster Veßra vertrieben. Dessen Versandgeschäft zählt, wie auch Thorsten Heises „Deutsches Warenhaus“ zu den bundesweit größten Neonazi-Versandgeschäften mit breit gemischtem Angebot. Hier gibt es neben Musik eben auch Bekleidung, Deko-Gegenstände und Waffen. Hier wird einmal mehr die Bedeutung der Thüringer Akteur*innen für die RechtsRock- Szene bundesweit deutlich.</p>



<p>Dies könnte auch ein Grund dafür sein, warum Thüringen darüber hinaus auch „Schauplatz“ von Musikvideoproduktionen bekannter Neonazis- Bands ist. So drehte die Bremer Nazi-Hooligan-Band „Kategorie C“ um Hannes Ostendorf gemeinsam mit lokalen Unterstützer*innen auf einem alten Fabrikgelände im nordthüringischen Wolkramshausen. Ein weiteres Video von Ostendorf im Duett mit Kathrin Enderle alias „Eine deutsche Frau“ wurde in Sondershausen aufgenommen.</p>



<p><strong>Szeneimmobilie in Eisenach – Wohlfühlzone für extrem rechte Musik</strong></p>



<p>Eine hervorstechende Rolle spielte im vergangenen Jahr das Musikgeschehen in Eisenach. Knapp ein Drittel der durch MOBIT dokumentierten Konzerte fand dort statt. Damit hat Eisenach Kloster Veßra, wo die Konzertzahlen seit Corona deutlich zurückgegangen sind, als traurigen Spitzenreiter der RechtsRock-Statistik abgelöst. In der westthüringischen Stadt kann die Szene mit der Kneipe „BullsEye“ und dem „Flieder Volkshaus“ auf gleich zwei Immobilien zurückgreifen. Letztere Liegenschaft fungiert auch als Landesgeschäftsstelle der Partei „Die Heimat“, ehemals NPD. Eisenach ist bereits seit zehn Jahren ein Hotspot der RechtsRock Szene, was vor allem am „Flieder Volkshaus“ liegt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-15296" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-1024x683.jpg 1024w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-300x200.jpg 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-768x512.jpg 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-1536x1024.jpg 1536w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-2048x1365.jpg 2048w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-320x213.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-640x427.jpg 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-440x293.jpg 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-880x587.jpg 880w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-1280x853.jpg 1280w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-1600x1067.jpg 1600w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2024/04/2023.07.08.Eisenach3320-1920x1280.jpg 1920w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Am 8. Juli 2023 wurde ein Konzert aus den weltweit agierenden Netzwerken der kurz danach in Deutschland verbotenen &#8222;Hammerskins&#8220; in Eisenach veranstaltet. Die vor Ort getragenen Insignien der Teilnehmenden ließen sich eindeutig den bundesweiten Netzwerken der &#8222;Hammerskins&#8220; zuordnen und bilden damit deutlich sichtbar die bundesweite und sogar internationale Vernetzung der Szene ab, welche sich in Thüringen trifft. Foto: <a href="https://recherche-nord.com/" target="_blank">recherche-nord</a></figcaption></figure>



<p>Zu den Konzerten in Eisenach, die 2023 ausschließlich aus Liederabenden bestanden, kamen Angehörige der extrem rechten Szene auch aus bundesweiten Zusammenhängen, beispielsweise der inzwischen verbotenen „Hammerskins“ zusammen.</p>



<p>Die bundesweit bekannte Band „Sleipnir“ spielte im Juni sogar an zwei aufeinanderfolgenden Abenden in Eisenach. „Sleipnir“ ist dem extrem rechten international agierenden Netzwerk „Blood &amp; Honour“ zuzurechnen. Das seit dem Jahr 2000 bundesweit verbotene Netzwerk konzentriert sich auf die Vermarktung extrem rechter Musik, Merchandise und der Koordinierung des dazugehörigen Konzertgeschehens. Stanley Röske, eine in 2019 in den Wartburgkreis zugezogene Führungsperson der deutschen Sektion von „Combat 18“, dem militanten Teil des „Blood &amp; Honour“-Netzwerks reiste zu einem Konzertabend im August an. Seit Anfang April 2024 ist u.a. Röske von der Bundesanwaltschaft angeklagt gegen das Vereinigungsverbot von „Combat 18“ verstoßen zu haben.<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><ins>[3]</ins></a> Dies zeigt, dass auch die verbotenen Netzwerke und Strukturen weiterhin aktiv sind. </p>



<p><strong>Repressionen gegen die RechtsRock-Szene durch Sicherheitsbehörden</strong></p>



<p>In 2023 konnte thüringenweit ein aktiveres Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen extrem rechte Konzertgeschehen im Vergleich zu den Vorjahren festgestellt werden. Vier Konzerte in Ohrdruf, Zeulenroda, Sonneberg und Kloster Veßra löste die Polizei auf. Drei weitere Konzerte in Kahla, Suhl und Wolkramshausen wurden noch vor deren Beginn verhindert. Allerdings ist hier keine einheitliche Strategie erkennbar, denn im Gegensatz dazu fanden die Konzerte im „Flieder Volkshaus“, welche im Voraus öffentlich beworben wurden, ohne Einschränkungen durch die Behörden statt. Der Betreiber der Immobilie ist der Landesvorsitzende der Partei Die Heimat (vormals NPD), Patrick Wieschke. Er sitzt seit Dezember 2023 wegen Unterstützung der extrem rechten Eisenacher Kampfsportgruppe „Knockout 51“ in Untersuchungshaft, der vorgeworfen wird, als terroristische Vereinigung unter anderem den Tod politischer Gegner*innen geplant zu haben.<a id="_ftnref4" href="#_ftn4">[4]</a> </p>



<p>Mehr als 85 Prozent der RechtsRock-Veranstaltungen fanden unbehelligt durch Ordnungsbehörden statt. Wenn staatliche Repression die RechtsRock-Szene und damit eine der Hauptfinanzierungsquellen neonazistischer Aktivitäten einschränken soll, muss die Quote von Konzertauflösungen bzw. Konzertverhinderungen noch deutlich verbessert werden.</p>



<p>Im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Celle kam es im Oktober 2023 zu bundesweiten Razzien. Im Visier standen Produktions- und Vertriebsstätten extrem rechter Musik. Im RechtsRock-Land Thüringen durchsuchten Polizeieinheiten das Grundstück und Wohnhaus von Thorsten Heise in Fretterode. Heise ist eine wichtige Figur, nicht nur in der bundesweiten RechtsRock-Szene, blieb allerdings bisher auffällig oft von ähnlichen Repressionsmaßnahmen verschont.<a id="_ftnref5" href="#_ftn5">[5]</a></p>



<p><strong>Fazit</strong></p>



<p>Die extrem rechte Musikszene in Thüringen ist lebendig. Neben der hohen Anzahl von Konzerten veröffentlichen Bands gemeinsam mit Szene-Unternehmern neue Musikalben oder Neu- bzw. Sonderauflagen alter Klassiker. Die 2023 wahrnehmbaren Repressionen sind ein positiver Anfang, der von RechtsRock-Konzerten ausgehenden Bedrohung zu begegnen. Die diesbezügliche Sensibilität von Behörden bleibt dennoch ausbaufähig, denn der Großteil der Konzerte findet nach wie vor unbehelligt statt. Journalistische und zivilgesellschaftliche Recherche und Initiative weisen immer wieder darauf hin. <del></del></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Erläuterungen zu den Kategorien: <a href="https://mobit.org/Material/2022_MOBIT_RechtsRock-Hass%20und%20Kommerz.pdf">2022_MOBIT_RechtsRock-Hass und Kommerz.pdf</a> (S.6)</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/gera/turonen-neonazis-haftstrafe-drogen-100.html" target="_blank">https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/gera/turonen-neonazis-haftstrafe-drogen-100.html</a></p>



<p><a href="#_ftnref3"><ins>[3]</ins></a><ins> <a href="https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/Pressemitteilung-vom-04-04-2024.html"id="_ftn3"  target="_blank">https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/Pressemitteilung-vom-04-04-2024.html</a></ins></p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> <ins><a href="https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/knockout51-npd-dieheimat-100.html" target="_blank">https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/knockout51-npd-dieheimat-100.html</a></ins></p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> <ins><a href="https://mobit.org/Material/Mobit-Broschuere_ThorstenHeise_2020.pdf">https://mobit.org/Material/Mobit-Broschuere_ThorstenHeise_2020.pdf</a></ins></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/rechtsrock-2023/">Erholt zurück aus den Jahren der Pandemie: Die RechtsRock-Szene 2023 in Thüringen</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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		<item>
		<title>Im Blick – Quartal 1/2024</title>
		<link>https://mobit.org/im-blick-1-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Apr 2024 09:35:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Reichsbürger]]></category>
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[RechtsRock]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dokumentation extrem rechter Aktivitäten in Thüringen Quartalsbericht: Im Blick – 01/2024 Die ersten Monate des neuen Jahres zeigten in Thüringen, was in diesem&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/im-blick-1-2024/">Im Blick – Quartal 1/2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Dokumentation extrem rechter Aktivitäten in Thüringen</h2>



<p><strong>Quartalsbericht: Im Blick – 01/2024</strong></p>



<p>Die ersten Monate des neuen Jahres zeigten in Thüringen, was in diesem Jahr zu erwarten ist: Die Aktivitäten verschiedener extrem rechten Spektren bewegen sich bereits zum Jahresbeginn auf einem hohen Niveau. Eine Steigerung&nbsp; darüber hinaus ist im Vorfeld der Wahlen zu erwarten.</p>



<p>Am 10. Januar <a href="_wp_link_placeholder" data-wplink-edit="true">veröffentlichte die Plattform „Correctiv“ eine Recherche zu einem extrem rechten Treffen rund um das Thema „Remigration“ in Potsdam</a>: Daran beteiligt waren AfD-Politiker*innen, Neonazis, Konservative und Unternehmer*innen. Referiert hatte bei der Zusammenkunft u.a. Martin Sellner, eine der bekanntesten Figuren der „Identitären Bewegung“ in Deutschland und Österreich. Die Inhalte des Treffens, welche die Recherche ans Tageslicht brachte, sind keineswegs neu. Diese Pläne sind seit Jahren bekannt und wurden beispielsweise schon 2018 durch die AfD-Führungsfigur Björn Höcke publiziert. In seinem Interviewband heißt es:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow" style="font-style:italic;font-weight:200">
<p class="has-medium-font-size">„Ich bin sicher, daß – egal wie schlimm die Verhältnisse sich auch entwickeln mögen – am Ende noch genug Angehörige unseres Volkes vorhanden sein werden, mit denen wir ein neues Kapitel unserer Geschichte aufschlagen können. Auch wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen“</p>
<cite>Höcke, Björn, Nie zweimal in denselben Fluss. Björn Höcke im Gespräch mit Sebastian Hennig, Lüdinghausen und Berlin, 2018, S. 257.</cite></blockquote>



<p>Trotz der – zumindest einem Fachpublikum bereits bekannten – dokumentierten Inhalte der Recherche, führten die Veröffentlichungen bundesweit zu Massenprotesten gegen die extreme Rechte. Auch in Thüringen gingen über Wochen Tausende Menschen in zahlreichen Orten auf die Straße. Am 14. Januar fand nur wenige Tage nach den Veröffentlichungen dann der erste Wahlgang der Landratswahl im Saale-Orla-Kreis statt. Bereits Ende 2023 hatte sich das lokale Bündnis „Dorfliebe für alle“ gegründet, um für die Wahl demokratischer Kandidat*innen zu werben. Im ersten Durchgang erreichte der AfD-Kandidat Uwe Thrum mit Abstand die meisten Stimmen und es kam zu einer Stichwahl mit dem CDU-Kandidaten Christian Herrgott Ende Januar 2024. Trotz ähnlicher Konstellationen wie in Sonneberg, konnte Herrgott sich in der Stichwahl mit rund 5%-Punkten Vorsprung gegen Thrum durchsetzen. Dies dürfte nicht zuletzt auch mit der zivilgesellschaftlichen Mobilisierung zu erklären sein. Die Wahl im Saale-Orla-Kreis ist dabei als Vorbote für die Kommunalwahlen Ende Mai zu sehen. Vor allem in den ländlich geprägten Landkreisen dürfte es zu ähnlichen Verläufen kommen. Die AfD wird bei den Kommunalwahlen versuchen, ihre Präsenz massiv auszubauen, um die möglichen Erfolge für die Landtagswahl im September zu nutzen. Die Partei setzt unterdessen – wie auch außerhalb der Wahlkampfzeiten – ihre Aktivitäten in der Breite fort. So führt die Partei zahlreiche als „Bürgerdialoge“ bezeichnete Vortragsveranstaltungen und Infostände durch und zum anderen versuchen vor allem Aktivist*innen der Jungen Alternative in den sozialen Netzwerken wie Instagram und TikTok mit kurzen Videos ihre Inhalte zu verbreiten. Ein besonderer Coup gelang Höcke, als CDU-Landesvorsitzender Mario Voigt sich auf ein TV-Duell mit ihm einließ. Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald, dem 11. April, diskutierten beide Politiker bei einem Video-Format der WELT. Der extrem rechte AfD-Politiker Höcke mit besten Verbindungen auch in die Neonazi-Szene wird damit im beginnenden Wahljahr zum akzeptablen Diskussionspartner demokratischer Akteur*innen befördert. Die Normalisierungsstrategie der AfD hat damit im beginnenden Wahljahr einen enormen Schub erhalten.</p>



<p><strong>„Bauernproteste“ und themenflexibles Protestspektrum</strong></p>



<p>Seit der Corona-Pandemie hat sich ein themenflexibles Protestspektrum entwickelt, welches sich bis zur „Reichsbürger“-Szene zieht. Nach dem Ende der Corona-Beschränkungen hat sich dieses Spektrum immer wieder neue Themen gesucht, die sich an der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation orientierten, im Kern aber auch rassistische und demokratiefeindliche Inhalte verbreiteten. Im Zuge dieser Proteste wurde immer wieder auch versucht, neuentstandene Protestbewegungen zu vereinnahmen. Dazu gehörten auch die Bauernproteste im beginnenden Jahr 2024. Einerseits tauchten einschlägige Akteur*innen bei den Bauernprotesten auf und versuchten einen Schulterschluss zu inszenieren. Andererseits wurden bei den eigenen Protesten Traktoren als Symbol genutzt. Wirklich profitieren konnte die Szene allerdings nicht. Bei Aufrufen, die versuchten, an die Bauernproteste anzuschließen, aber nicht von den Bauernverbänden unterstützt wurden, kamen kaum mehr Personen zusammen als in den Monaten davor. Abgesehen von einzelnen Ausnahmen sind die meist am Montag stattfindenden Proteste der Mischszene auf wenige Dutzend Teilnehmende zusammengeschrumpft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>„Reichsbürger“</strong></h2>



<p>Die „Reichsbürger“-Szene in Thüringen ist nach wie vor fester Bestandteil der Proteste auf der Straße und in Teilen Bündnispartner der Thüringer AfD. Allen voran der langjährige Aktivist Frank Haußner aus Zeulenroda, eine der Führungsfiguren von „Freies Thüringen“. Im ersten Quartal 2024 ist eine deutliche Aktivierung der Szene-Strukturen im Freistaat zu beobachten. Einerseits versuchen lokale Akteur*innen sich über die Mobilisierung, vor allem bei Telegram, dem Protestgeschehen auf der Straße anzuschließen oder mit eigenen Initiativen sich weiter zu verfestigen. Zum anderen ist Thüringen Veranstaltungsort für bundesweite Netzwerke. Regelmäßig finden in zahlreichen Regionen Vorträge unterschiedlicher „Reichsbürger“-Gruppen statt. Vor allem die Expansion des von Peter Fitzek begründeten „Königreich Deutschland“ (KDR) ist in Thüringen in den zurückliegenden Monaten deutlich wahrzunehmen. So wurde im letzten Jahr nicht nur bekannt, dass Fitzeks Netzwerk eine Immobilie in Gera erworben hat, sondern seit einigen Monaten hat das „Königreich Deutschland“ vor allem in der Region Ilmenau seine Veranstaltungszahl deutlich erhöht. Neben Vorträgen und Seminaren finden in Thüringen mittlerweile auch regelmäßig Wanderungen beispielsweise in den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen. Hildburghausen oder dem Ilmkreis statt, zu denen das KDR einlädt. Passend zum Immobilienerwerb des KDR in Gera mobilisierte die Szene für den 6. April für ein sogenanntes Treffen der Bundestaaten. Die Veranstaltung fand bisher zwei Mal statt, zunächst in Magdeburg und in Dresden. Sie ist eine Mischung aus Reden einschlägiger Szene-Aktivisten und einer Demonstration mit reichlich „Reichsbürger“-Kitsch wie Fahnen und Uniformen. Am 6. April nahmen rund 1000 Menschen an der Veranstaltung in Gera teil.</p>



<blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Gestern fand in <a href="https://twitter.com/hashtag/Gera?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw" target="_blank">#Gera</a> das größte öffentliche <a href="https://twitter.com/hashtag/Reichsb%C3%BCrger?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw" target="_blank">#Reichsbürger</a>-Treffen der letzten Jahrzehnte statt. Das sogenannte „Große Treffen der Bundesstaaten“. Dazu einige Anmerkungen… <a href="https://t.co/085gD9uedt" target="_blank">pic.twitter.com/085gD9uedt</a></p>&mdash; Felix M. Steiner (@FelixMSteiner) <a href="https://twitter.com/FelixMSteiner/status/1776942105597743284?ref_src=twsrc%5Etfw" target="_blank">April 7, 2024</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> 



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Neonazis</strong></h2>



<p>Im Vergleich zu den vorangegangenen Teilbereichen der extrem rechten Szene, ist die Neonazi-Szene in Thüringen weiterhin deutlich weniger aktiv als vor der Corona-Pandemie. Das Agieren der Strafverfolgungsbehörden in Eisenach und dem Wartburgkreis zeigte auch im Bereich RechtsRock Wirkung. Seit der Inhaftierung des Funktionärs der Neonazi-Partei DIE HEIMAT, Patrick Wieschke im Zuge des Verfahrens gegen die extrem rechte Kampfsport-Gruppe „KnockOut51“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> fand im ersten Quartal des Jahres 2024 keine Live-Musikveranstaltung in der Landesgeschäftsstelle der Partei statt. In 2023 war das sogenannte Flieder Volkshaus mit 12 durch MOBIT gezählte Konzerte der noch am höchsten frequentierte Veranstaltungsort für RechtsRock in Thüringen mit teilweise bundesweit angereistem Publikum und folglich zahlreichen Gelegenheiten zur Pflege extrem rechter Netzwerke.</p>



<p>Eine Zusammenarbeit der überregionalen Neonazi-Musik-Szene zeigte sich im März in Sonneberg. Die Aufnahme eines Musikvideos der lokalen RechtsRock-Band „Unbeliebte Jungs“ um Ricky Nixdorf entstand durch Personen des extrem rechten Musiklabels „NDS-Records“ aus dem bundesländerübergreifenden Umfeld der Identitären Bewegung.</p>



<p>Trotz der Inhaftierung der zentralen Führungsfigur Patrick Wieschke, mobilisiert die Neonazi-Partei Die Heimat (ehemals NPD) mit dessen Konterfei zur Unterschriftensammlung für die Wahlteilnahme an der Kreistagswahl im Wartburgkreis. Wieschke war zuletzt in der Neonazi-Szene in Verruf geraten, da in der Szene die Information kursiert, er habe im Zuge des „Knockout51“-Verfahrens eine längere Aussage gemacht. Dies gilt in der Szene als Verrat.</p>



<p>Seit Frühjahr 2024 scheint sich außerdem eine neue Jugendgruppe zu formieren. Unter dem Namen „Aktive Jugend Thüringen“ besteht seit einigen Wochen ein Account in den sozialen Medien. Die Aktivitäten der Gruppe bewegen ich scheinbar vor allem im Umfeld der Kleinstpartei Der 3. Weg und sind bisher lokal in Gotha und vor allem Erfurt aufgefallen. Zur Selbstdarstellung der Gruppe in den sozialen Netzwerken gehören auch Kampfsporttrainings.</p>



<p>Insgesamt zeigt sich in den ersten drei Monaten des Jahres, dass die extrem rechte Szene ihre Aktivitäten insgesamt steigert. Die Proteste der letzten Monate und die anstehenden Wahlen fördern dieses Aktivitätsniveau offenbar weiter. Besonders in der Neonazi-Szene bleibt es abzuwarten, welchen Einfluss die laufenden Verfahren auf die Szene haben werden. So gab beispielsweise das Oberlandesgericht Jena bekannt, dass drei der vier Inhaftierten aus dem Knockout-Verfahren aus der Untersuchungshaft entlassen werden sollen (https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/jena/knockout-prozess-neonazis-eisenach-100.html). <a href="https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/Pressemitteilung-vom-04-04-2024.html?nn=478184" target="_blank">Gleichzeitig gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass sie Anklage gegen vier Beschuldigte wegen Rädelsführerschaft des verbotenen Netzwerks „Combat 18 Deutschland“ erheben wird, darunter auch zwei Thüringer Neonazis</a>.</p>



<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> https://prozessdoku-thueringen.de/category/knockout51prozess/</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/im-blick-1-2024/">Im Blick – Quartal 1/2024</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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		<series:name><![CDATA[Im Blick - Dokumentation extrem rechter Aktivitäten in Thüringen]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Pressemitteilung: ezra und MOBIT fordern Sicherheitsgipfel für alle Betroffenengruppen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt</title>
		<link>https://mobit.org/presseerklaerung/pressemitteilung-ezra-und-mobit-fordern-sicherheitsgipfel-fuer-alle-betroffenengruppen-rechter-rassistischer-und-antisemitischer-gewalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Mar 2024 08:54:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angesichts des heutigen Sicherheitsgipfels des Thüringer Ministeriums für Migration, Justiz und Verbraucherschutz (TMMJV) und des Thüringer Ministeriums für Inneres und Kommunales (TMIK), der&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/presseerklaerung/pressemitteilung-ezra-und-mobit-fordern-sicherheitsgipfel-fuer-alle-betroffenengruppen-rechter-rassistischer-und-antisemitischer-gewalt/">Pressemitteilung: ezra und MOBIT fordern Sicherheitsgipfel für alle Betroffenengruppen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Angesichts des heutigen Sicherheitsgipfels des Thüringer Ministeriums für Migration, Justiz und Verbraucherschutz (TMMJV) und des Thüringer Ministeriums für Inneres und Kommunales (TMIK), der als Reaktion auf die zunehmende Gewalt gegen politische Verantwortungsträger*innen einberufen wurde, fordern die fachspezifische Gewaltopferberatung <em>ezra</em> und die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus <em>MOBIT</em>, bei dem angekündigten anschließenden Sicherheitsgipfel die Perspektiven aller Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Hetze, Bedrohung und Gewalt unter Einbeziehung relevanter Akteur*innen aus Politik, Behörden, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und professionellen Beratungsangeboten in den Blick zu nehmen.</p>



<p>„Grundsätzlich begrüßen wir es, dass die Ministerien auf die mutmaßlich rechte Anschlagserie auf Kommunalpolitiker*innen reagieren. Abzuwarten bleibt, was sich für konkrete Maßnahmen daraus ergeben. Das Treffen kann auf jeden Fall nur ein erster Schritt hin zu einem Sicherheitsgipfel für alle Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sein und sollte kein rein symbolpolitischer Akt sein. Denn insbesondere rassistische Gewalt bewegt sich in Thüringen seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. In Hinblick auf die anstehenden Wahlen und einen möglichen Wahlsieg der extrem rechten <em>AfD</em> müssen wir mit einer weiteren Eskalation rechnen“, erklärt Franz Zobel, Projektleiter bei <em>ezra</em>.</p>



<p>Romy Arnold, Projektleiterin bei <em>MOBIT </em>ergänzt: „Wir beraten seit vielen Jahren Menschen, die sich gegen die extreme Rechte in verschiedenen Kontexten engagieren – auch in der Kommunalpolitik. Es ist wichtig, dass bei einem solchen Gipfel die in Thüringen vorhandene Expertise von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und professionellen Beratungsangeboten einbezogen wird.“</p>



<p>Als Beispiel kann der Dachverband der Thüringer Migrant*innenorganisationen <em>Migranetz </em>und das dort angesiedelte Modellprojekt <em>„</em>Raus aufs Land<em>“ </em>im Bereich Antidiskriminierung genannt werden. Oder das <em>Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft </em>(IDZ), welches erst im vergangenen Jahr einen aktuellen Forschungsbericht zu Anfeindungen gegen kommunale Amtsträger*innen und Beschäftigte vorgelegt hat. Auch die durch das TMIK geförderte Hatespeech-Beratungsstelle <em>elly</em> kann mit Blick auf den digitalen Raum einen unerlässlichen Beitrag leisten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/presseerklaerung/pressemitteilung-ezra-und-mobit-fordern-sicherheitsgipfel-fuer-alle-betroffenengruppen-rechter-rassistischer-und-antisemitischer-gewalt/">Pressemitteilung: ezra und MOBIT fordern Sicherheitsgipfel für alle Betroffenengruppen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Jahresrückblick 2023</title>
		<link>https://mobit.org/jahresrueckblick-2023/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Dec 2023 10:12:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reichsbürger]]></category>
		<category><![CDATA[RechtsRock]]></category>
		<category><![CDATA[Die Heimat]]></category>
		<category><![CDATA[extreme Rechte Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[zivilgesellschaftliches Engagement]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die extrem rechte Szene in Thüringen ist vielfältig und äußerst aktiv.&#160; Nach den Veränderungen aus den Jahren der Pandemie stellte sich die Szene&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/jahresrueckblick-2023/">Jahresrückblick 2023</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Die extrem rechte Szene in Thüringen ist vielfältig und äußerst aktiv.&nbsp; Nach den Veränderungen aus den Jahren der Pandemie stellte sich die Szene in den beiden vergangenen Jahren neu auf – sowohl thematisch als auch strategisch. Insbesondere RechtsRock bildet dabei – wie bereits vor der Pandemie – ein zentrales Aktionsfeld der Szene.</p>



<p><strong>Protestgeschehen</strong></p>



<p>Noch zu Beginn des Jahres spielte die Mobilisierung der Pandemie-Leugner*innen-Szene in Thüringen eine Rolle für die extreme Rechte. Mit dem Wegfall jeglicher Corona-Beschränkungen sind die Proteste in ihrer bis dahin durchgeführten Größe und Form weitgehend zerfallen. Die regelmäßig in Thüringen durchgeführten Demonstrationen bestehen zumeist nur noch aus wenigen Dutzend Teilnehmer*innen, die dem Kernmilieu zuzurechnen sind. Das Bild der Proteste prägt heute vielerorts ein deutlich erkennbarer Anteil an Personen aus der „Reichsbürger“-Szene. Viele Demonstrant*innen haben sich über die Jahre der Proteste und die dort verbreiteten Verschwörungserzählungen von der Pandemie-Leugner*innen-Szene zur „Reichsbürger“-Szene radikalisiert. 2022 spielte vor allem der Krieg in der Ukraine eine zentrale Rolle für das themenflexible rechte Protestspektrum. Neben dem Versuch der Inszenierung als „Friedensdemonstranten“ zeigte sich an vielen Stellen vor allem eine große Hinwendung und Sympathie für Russland und Vladimir Putin. An diese Inszenierung versuchte im beginnenden Jahr 2023 auch die AfD anzuknüpfen. Insgesamt konnte in der Dynamik der Proteste vor allem ein weiteres Zusammenrücken zwischen „Reichsbürger“-Szene, AfD, Pandemie-Leugner*innen-Spektrum bis hin zur Neonazi-Szene beobachtet werden. In einzelnen Schwerpunktregionen wie beispielsweise Gera gibt es faktisch keine nachvollziehbare Abgrenzung mehr zwischen den verschiedenen Gruppierungen, deren ideologische Überschneidungen von Beginn an sichtbar waren (s. dazu: <a href="https://mobit.org/motor-der-radikalisierung/">https://mobit.org/motor-der-radikalisierung/</a>).</p>



<p><strong>AfD: Netzwerker im Machttaumel</strong></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="683" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-1024x683.jpg" alt="" class="wp-image-15239" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-1024x683.jpg 1024w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-300x200.jpg 300w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-768x512.jpg 768w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-1536x1024.jpg 1536w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-320x213.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-640x427.jpg 640w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-440x293.jpg 440w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-880x587.jpg 880w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-1280x853.jpg 1280w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-1600x1067.jpg 1600w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah-1920x1280.jpg 1920w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/12/230916_NDH_AfD-Buergerfest_Joerg-Prophet-mit-Chrupalla-und-Krah.jpg 2016w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption class="wp-element-caption">Siegessicher vor der Wahl: Jörg Prophet mit Tino Chrupalla und Maximilian Krah beim &#8222;Bürgerfest&#8220; der AfD in Nordhausen vor der Stichwahl. Bild: MOBIT</figcaption></figure>



<p>Die AfD in Thüringen verzeichnet bei den Umfragen zur Landtagswahl seit Monaten Höchstwerte. Folgt man den Befragungen, könnte die AfD 2024 bei den Landtagswahlen die stärkste Kraft werden. Mitte November fand in Pfiffelbach im Weimarer Land erneut der Landesparteitag der AfD statt. Hier machte Björn Höcke deutlich, welche <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/hoecke-fuenf-punkte-plan-afd-100.html" target="_blank">Machtambitionen die Partei verfolgt und kündigte „einen langen Weg des Aufräumens und des Neuaufbauens“ an</a>. In Thüringen scheint die enge Kooperation der AfD mit verschiedenen anderen extrem rechten Spektren wie der „Reichsbürger-“Szene Wähler*innen nicht mehr abzuschrecken. Die Partei selbst befindet sich auch außerhalb der Wahlkampfzeiten in einem Dauerwahlkampf. Wöchentlich führt sie in Thüringen Infostände und sogenannte Bürgerdialoge durch. Zumeist in den ländlichen Regionen, wo sie erfahrungsgemäß mit mehr Teilnehmer*innen und weniger Gegenprotesten rechnen muss. Besondere Aufmerksamkeit bekamen im Sommer 2023 zwei Wahlen: Zum einen die Landratswahl im Landkreis Sonneberg, zum anderen die Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Nordhausen. In Sonneberg konnte die AfD mit Robert Sesselmann die erste Landratswahl ihrer Geschichte für sich entscheiden. Wenige Wochen später scheiterte sie allerdings – schon siegessicher – in der Stichwahl um den Posten des Oberbürgermeisters in Nordhausen. Neben zahlreichen sozialen und strukturellen Unterschieden der beiden Wahlen, zeigte sich in Nordhausen vor allem, dass ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis sehr wohl erheblichen Einfluss auf derartige Wahlen haben kann. Der durch geschichtsrevisionistische Thesen und seine Teilnahme an einem extrem rechten Treffen mit Neonazis und „Reichsbürgern“ aufgefallene Jörg Prophet musste sich in Nordhausen bei der Stichwahl geschlagen geben. Gleichzeitig mit dem Umfragehoch und dem Gewinn der Landratswahl in Sonneberg zeigte sich bei der AfD aber eine erhebliche Mobilisierungsschwäche bei Demonstrationen. Mehrere Veranstaltungen im Jahr 2023 blieben mit den Teilnehmer*innen-Zahlen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Zuletzt Ende Oktober in Erfurt, wo die extrem rechte Partei kaum 1.000 Anhänger*innen mit bundesweiter Mobilisierung erreichen konnte, darunter Teilnehmende der Jungen Alternative (die extrem rechte Jugendorganisation der AfD). <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/demonstration-kundgebung-afd-gegendemo-100.html" target="_blank">Dem traten rund 4.000 Menschen bei den Gegenprotesten entgegen</a>. Für 2024 ist mit massivem Auftreten der Partei für die anstehenden Wahlen zu rechnen. So finden im kommenden Jahr neben&nbsp; Europa- und Landtagswahlen auch verschiedene Kommunalwahlen&nbsp; statt.</p>



<p>&nbsp;<strong>„Reichsbürger“</strong></p>



<p>Entlang der Entwicklungen der Pandemie-Leugner*innen-Szene entwickelte sich auch die „Reichsbürger“-Szene. Über die Pandemie hatte diese erheblichen Zulauf, da die Anti-Corona-Proteste mit ihren verschwörungsideologischen Prägungen wie ein Radikalisierungsmotor für viele Menschen wirkte (siehe ausführlicher dazu: <a href="https://mobit.org/reichsburger-in-thuringen/">https://mobit.org/reichsburger-in-thuringen/</a>). Mit dem Rückgang der Straßenproteste veränderte sich auch die Ausrichtung der „Reichsbürger“-Szene. Hier waren in den vergangenen Monaten verschiedene Tendenzen zu verzeichnen. Zum einen hat die Szene vor allem öffentliche Veranstaltungen ausgebaut, die zur Vermittlung ihrer Ideologie und zur Bindung von Menschen an die Szene dienen sollen. Dazu zählen Vorträge und Kongresse ebenso wie Tanz- und Liederabende. Dabei kann bei der Mobilisierung auch auf das Spektrum der Pandemie-Leugner*innen-Szene zurückgegriffen werden. In Thüringen fanden 2023 sowohl verschiedene Vortragsabende und Seminare beispielsweise der selbsternannten Wahlkommissionen und des „Königreich Deutschland“ statt, welches in Gera auch eine Immobilie erworben haben soll.<a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/eichsfeld/reichsbuerger-treffen-worbis-bonda-pferde-ranch-100.html" target="_blank"> Mit rund 200 Teilnehmer*innen kam es auf einer Pferderanch im Eichsfeld im Juni 2023 wohl zur größten Veranstaltung der Szene</a>.</p>



<p>Die Szene agiert deutlich weniger klandestin als noch vor wenigen Jahren und erreicht vor allem durch die Anknüpfung an die Corona-Proteste einen deutlich größeren Personenkreis. Zentrale Figuren der Szene verfügen außerdem über enge Verbindungen zur AfD und können ihre Inhalte auch auf den Bühnen der Partei verbreiten. Neben diesen Tendenzen ist ein Aufbau alternativer Strukturen wahrzunehmen, die vor allem darauf abzielen, Kinder aus den staatlichen Strukturen herauszuhalten. Verwaltungen berichten seit Monaten über diese Tendenzen. Mittlerweile gibt es mehrere bekannte Fälle von Kindern, die ohne Kenntnis staatlicher Stellen im Freistaat zur Welt gekommen sind. <a href="https://www.insuedthueringen.de/inhalt.verschwoerungstheoretiker-die-reichsbuerger-unter-uns.49c69813-82bc-4723-a21a-5a8b591bbded.html" target="_blank">Eine Einschätzung zu einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls ist hier beispielsweise kaum möglich, ebenso wenig wie ein Zugang der Kinder zu schulischer Bildung</a>.</p>



<p><strong>Neonazi-Szene</strong></p>



<p>In den letzten Jahren hat die Neonazi-Szene in Thüringen deutlich an politischer Bedeutung verloren. Vor allem bei Wahlen und Protesten spielt sie kaum noch eine Rolle, da ihr Potential von der AfD aufgesogen wurde.&nbsp; Aktuell agieren in Thüringen vor allem zwei Neonazi-Parteien: Der Dritte Weg und die Anfang des Jahres in Die Heimat umbenannte NPD. Die beiden Organisationen verfügen in Eisenach (Die Heimat) und Ohrdruf (Der Dritte Weg) auch jeweils über eine Parteiimmobilie. Daneben gibt es lokal bedeutsame Führungskräfte wie Patrick Weber in Sondershausen oder Thorsten Heise im Eichsfeld, die eine gewisse Präsenz der Heimat regional abbilden. Vor allem Patrick Weber trat im zurückliegenden Jahr als Organisator von Montags-Protesten und bei Protesten gegen Geflüchteten-Unterkünfte in Erscheinung. Daneben fokussierten sich die Aktivitäten der beiden Parteien vor allem auf ihre regionalen Immobilien. Hier wurden neben Konzerten und Vortragsveranstaltungen auch nach außen unpolitisch inszenierte Aktionen wie Disco-Partys oder die Verteilung von Kleidung an deutsche Familien durchgeführt. Vor allem die Immobilie in Eisenach ist für die Durchführung von Konzerten von besonderer Bedeutung. Eine breite öffentliche Wirkung konnten beide Parteien aber nicht für sich entfalten. Ebenso gilt dies für die Organisation landesweiter Demonstrationen. Hier konnte die Neonazi-Szene nur punktuell erfolgreich mobilisieren, wie bei Anti-Asyl-Protesten in Schleusingen. <a href="https://www.insuedthueringen.de/inhalt.krankenhaus-schleusingen-600-demonstrieren-gegen-fluechtlingsunterkunft.55234d40-af15-4f52-b4fa-a2cff7dcef02.html" target="_blank">So folgten einer Demonstration, die von Tommy Frenck angemeldet worden war, 600 Menschen.</a> Daneben gab es 2023 keine eigenen größere Szene-Demonstrationen. Lediglich rund um das geschichtsrevisionistische „Heldengedenken“ fanden mehrere regionale Zusammenkünfte und eine kleine Demonstration in Schleusingen statt, die ebenfalls vom Neonazi Tommy Frenck organisiert wurde.</p>



<p><strong>RechtsRock</strong></p>



<p>Nach den Jahren der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen der Bekämpfung, ist die RechtsRock-Szene in Thüringen fast wieder auf ihrem Niveau der Jahre vor 2020 angekommen. Schon 2022 war mit 31 von MOBIT gezählten Konzerten ein deutlicher Aufwärtstrend zu verzeichnen. &nbsp;Diese Entwicklung hat sich 2023 sehr deutlich fortgesetzt. Mit rund 50 Konzerten hat die Neonazi-Szene in diesem Jahr fast wöchentlich eine Veranstaltung durchgeführt. Trotz der hohen Zahlen zeigen sich aber Veränderungen. Zum einen sind aufgrund des staatlichen Vorgehens und der Inhaftierung zentraler Figuren der „Turonen“ als maßgebliche Organisatoren keine Open Airs mehr durchgeführt wurden. Zum anderen haben sich die Konzerte nach dem Wegfall wichtiger Szene-Immobilien wie in Kirchheim auf wenige Veranstaltungsorte konzentriert: Allen voran die NPD/Heimat-Geschäftsstelle in Eisenach oder die Gedächtnisstätte in Guthmannshausen. Die meisten Veranstaltungen waren auch 2023 erneut Liederabende. Diese werden oft kombiniert mit Gedenkveranstaltungen oder Vorträgen. RechtsRock-Konzerte mit einer oder mehreren RechtsRock-Bands finden dagegen kaum noch statt. Die Reorganisation der RechtsRock-Szene zeigt auch, welche große Bedeutung das Aktionsfeld für die Szene besitzt. Nicht nur, dass damit Einnahmen generiert werden, sondern auch der Vernetzungsgedanke und die Ideologievermittlung sind von großer Bedeutung. Beispielsweise am 8. Juli 2023 wurde ein Konzert aus den weltweit agierenden Netzwerken der kurz danach in Deutschland verbotenen Hammerskins in der Wartburgstadt veranstaltet. Die vor Ort getragenen Insignien der Teilnehmenden ließen sich eindeutig den bundesweiten Netzwerken der Hammerskins zuordnen und bilden damit deutlich sichtbar die bundesweite und sogar internationale Vernetzung der Szene ab, welche sich in Thüringen trifft.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong> </h2>



<p>Ähnlich wie bereits im Vorjahr zeigte sich, dass die Thüringer Neonazis-Szene außerhalb ihrer subkulturellen Aktionsfelder (allen voran RechtsRock) über keine nennenswerte Mobilisierungsfähigkeit mehr verfügt. In den vergangenen Jahren hat sich dagegen in Thüringen eine extrem rechte Bewegung formiert, die zu einer merklichen ideologischen Radikalisierung ihrer Anhänger*innenschaft beiträgt. Politisch profitiert davon vor allem die Thüringer AfD um ihren extrem rechten Landeschef Höcke, die sich seit Jahren im Dauerwahlkampf befindet und mit Blick auf das Superwahljahr 2024 große Hoffnungen auf weitere politische Raumgewinne im Freistaat macht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/jahresrueckblick-2023/">Jahresrückblick 2023</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Time to Act! &#8211; Gemeinsam und vernetzt gegen den Rechtsruck in Thüringen</title>
		<link>https://mobit.org/time-to-act/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Sep 2023 18:07:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Tagung]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaftlicher Protest]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilcourage]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[zivilgesellschaftliches Engagement]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Seit Jahren ist in Thüringen ein gesellschaftlicher und politischer Rechtsruck zu verzeichnen. Die Corona-Pandemie hat diese Verschiebung weiter verstärkt und eine rechte Mischszene&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Seit Jahren ist in Thüringen ein gesellschaftlicher und politischer Rechtsruck zu verzeichnen. Die Corona-Pandemie hat diese Verschiebung weiter verstärkt und eine rechte Mischszene auf der Straße sichtbar werden lassen, die so bisher nicht gemeinsam öffentlich wahrzunehmen war: Verschwörungserzählungen, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und autoritäres Denken fanden seither eine immer weitere Verbreitung im Freistaat. Von dieser Entwicklung profitieren politisch vor allem extrem rechte Akteurinnen und Akteure. Betroffen sind davon zahlreiche Personen, Initiativen und Organisationen, die für eine solidarische und menschenrechtsorientierte Gesellschaft stehen. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, braucht es vor allem mit Blick auf das kommende Wahljahr eine breite Vernetzung unterschiedlicher Gruppen, die sich in vielfältigen Bereichen für ein solidarisches Miteinander in Thüringen einsetzen. Wir wollen mit euch gemeinsam am<strong> 7. Oktober 2023</strong> einen Startpunkt setzen, der es ermöglicht, gemeinsam, organisiert und strukturiert in das kommende Jahr zu starten.</p>



<p>Es geht um die Vernetzung landesweiter Akteurinnen und Akteure und die Frage, wie ein gemeinsames Agieren im kommenden Jahr gelingen kann um den beschriebenen Rechtsruck etwas entgegenzusetzen. Drei Workshops vor Ort ermöglichen unterstützenden fachlichen Input.</p>



<p>Eingeladen sind thüringenweit Vertreterinnen und Vertreter aus zivilgesellschaftlichen Initiativen und Gruppen wie Bündnissen gegen Rechts, Soziokulturellen Zentren, Frauenzentren, Umweltgruppen, linke Jugendverbände, Netzwerke von Migrant*innen-Selbstorganisationen, Hochschulgruppen, gewerkschaftliche Gruppen, LGBTIQ*-Netzwerke usw.</p>



<p><strong>ANMELDUNG!</strong></p>



<p>Wir verfügen über beschränkte Plätze und bitten dringend um Anmeldung an <a href="&#109;&#x61;&#105;&#x6c;t&#x6f;:&#97;&#x6e;&#109;&#x65;&#108;&#x64;u&#x6e;g&#64;&#x6d;&#111;&#x62;i&#x74;&#46;&#x6f;&#x72;&#103;">&#x61;&#110;&#x6d;&#x65;&#108;&#x64;&#117;n&#x67;&#64;m&#x6f;&#98;i&#x74;&#46;o&#x72;&#103;</a> Bitte gebt euren Namen und eure Organisation/Initiative/Verein an. Bitte einigt euch auf max. 3 Personen aus eurer Struktur. Schickt die Einladung gern weiter an interessierte Gruppen und Personen, um eine möglichst breite Mobilisierung zu erreichen.</p>



<p><strong>Ort und Zeit: 7. Oktober, 10-16 Uhr im Mon Ami in Weimar.</strong></p>



<p>Für die Teilnahme an der Veranstaltung entstehen keine Kosten.<br>Für die Versorgung vor Ort sorgt die Küfa Suhl mit veganem Essen gegen Spende. Bitte bringt euch etwas zu trinken selbst mit, ansonsten sind Geschäfte fußläufig zu erreichen und Wasser aus dem Hahn natürlich vorhanden.<br>Übersetzung kann leider nicht zur Verfügung gestellt werden. Die Wahl der Workshops erfolgt vor Ort. Die Workshops werden in 2 Durchläufen angeboten, eine Teilnahme an zwei Workshops ist möglich.</p>



<p>Workshops:</p>



<h2 class="wp-block-heading">1. <strong>Wie geht Kampagne?</strong></h2>



<p>2024 stehen Wahlen an. Hass und Hetze brauchen Gegenwind. Wie können wir uns solidarisch vernetzen und gemeinsam Haltung zeigen?</p>



<p>Im Kampagnenworkshop erhältst du das kleine 1&#215;1 der Kampagnenarbeit. In 1,5 Stunden bekommst du alle Tools an die Hand. &nbsp;Wir überlegen uns Ziele, definieren Zielgruppen und Botschaften und finden die passenden Kommunikationskanäle. Wir überlegen gemeinsam, wie eine reichweitestarke Kampagne aussehen könnte, die leicht umsetzbar ist – vor allem mit kleinem Mediabudget.</p>



<h2 class="wp-block-heading">2. <strong>Fast ohne Finanz-, Zeit-, Personalaufwand doch alle Menschen erreichen &#8211; aber wie?</strong></h2>



<p>Was ist das Problem traditioneller Wege der Öffentlichkeitsarbeit?</p>



<p>Wie bewirken wir viele, viele Gespräche über unsere Inhalte auch persönlich?</p>



<p>Wie erreichen wir bei Bedarf fast alle BürgerInnen und das ggf. ganz alleine?</p>



<p>Was geht an ungewöhnlichen Orten mit ungewöhnlichen Partnern?</p>



<p>Wie verknüpft man Analoges mit Digitalem?</p>



<p>Wie gestaltet man aus diesen Ideen Kampagnen?</p>



<h2 class="wp-block-heading">3. <strong>Intervenieren statt Ignorieren &#8211; Zivilgesellschaftliches Engagement in digitalen Kommentarspalten und Chatgruppen</strong></h2>



<p>Fake News und HateSpeech sind wahrlich keine neuen Phänomene und sind so alt, wie die Menschheit selbst. Doch genauso wie die Erfindung des Buchdrucks und das Auftreten der Massenmedien nicht nur qualitativen Informationsmedien, sondern auch dem Populismus und gezielter Desinformation neue Wege geebnet haben, wirken Social Media Plattformen wie <em>Facebook </em>und Messenger wie <em>Telegram </em>als ein noch größerer Katalysator, um gezielt zu informieren und zu desinformieren. Die Digitalisierung ermöglicht, dass ehemals reine Konsument:innen nun sehr schnell in Kommentarspalten und auf interaktiven Plattformen zu (Co-)Produzent:innen werden können. Ein erfolgreiches zivilgesellschaftliches Engagement setzt eine konstruktive Diskussionskultur im digitalen Raum voraus, kennt rechtliche und ethische Grenzen und nutzt gezielte Kommunikationsstrategien, um gezielt populistische und verschwörerische Hetzkampagnen zu kontern.</p>



<h2 class="wp-block-heading">4. <strong>Freiraum</strong></h2>



<p>Möchtet ihr die Gelegenheit nutzen für Kennenlernen &amp; gemeinsamen Schnack?<br>Habt ihr bereits Angebote, über die ihr informieren wollt? Sucht ihr Mitstreiter*innen für Geplantes? Möchtet ihr eure Veranstaltung bewerben?</p>



<p>Hier gibt es für den gesamten Tag Raum für visualisierte Informationen und Austausch.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color has-small-font-size"><em>Datenschutzhinweis<br>Im Rahmen der Anmeldung zu der Veranstaltung erheben wir folgende Pflichtangaben: Name, Organisation, Emailadresse. Dies erfolgt, um die Planung und Gewährleistung eines reibungslosen Ablaufs zu ermöglichen. Die Datenverarbeitung ist nach Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. b DSGVO zu den genannten Zwecken erforderlich.</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Tagung: Rechte in der „Mitte“?</title>
		<link>https://mobit.org/tagung-rechte-in-der-mitte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Sep 2023 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Tagung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://mobit.org/?p=15208</guid>

					<description><![CDATA[<p>Demokratiegefährdung durch den radikalisierten Konservatismus Eine gemeinsame Veranstaltung von ezra, IDZ, KomRex, der Landeszentrale für politische Bildung und MOBIT 18. Oktober 2023 &#124;&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/tagung-rechte-in-der-mitte/">Tagung: Rechte in der „Mitte“?</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Demokratiegefährdung durch den radikalisierten Konservatismus</strong></p>



<p>Eine gemeinsame Veranstaltung von <a href="https://ezra.de/" target="_blank">ezra</a>, <a href="https://www.idz-jena.de/" target="_blank">IDZ</a>, <a href="https://www.komrex.uni-jena.de/" target="_blank">KomRex</a>, der Landeszentrale für politische Bildung und MOBIT</p>



<p>18. Oktober 2023 | 8:30 – 17:30 Uhr | Zughafen Erfurt</p>



<p><strong>Anmeldung bis zum 8. Oktober</strong> an <a href="&#x6d;&#97;i&#x6c;&#x74;&#111;:&#x4c;&#x5a;&#84;_&#x50;&#70;&#64;&#x74;&#x73;&#107;&#46;&#x74;&#x68;&#117;e&#x72;&#105;&#110;&#x67;&#x65;&#110;&#46;&#x64;&#x65;">&#76;&#x5a;&#84;&#x5f;P&#x46;&#64;&#116;&#x73;&#107;&#x2e;&#116;&#x68;u&#x65;r&#105;&#x6e;&#103;&#x65;n&#x2e;d&#x65;</a>. Sie erhalten eine Bestätigung, ob Sie an der Tagung teilnehmen können und sind erst dann zugelassen. Fahrtkosten werden nicht erstattet. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Für die Verpflegung wird eine <strong>Pauschale in Höhe von 10 Euro </strong>fällig, die bar beim Catering zu entrichten ist.</p>



<p>Radikalisierter Konservatismus bezeichnet eine aktuelle politische Dynamik. In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur international gezeigt, was passiert, wenn sich der politische Konservatismus radikalisiert: Vertreter*innen klassischer konservativer Parteien übernehmen zum Teil Sprachbilder und ideologische Elemente der radikalen Rechten und zielen mithilfe von Tabubrüchen darauf ab, demokratische Regeln zu brechen. Dabei verorten sich diese meist in der „Mitte“ der Gesellschaft, wodurch oft nicht wahrgenommen wird, dass die Hinwendung konservativer Parteien zu autoritärer, antiliberaler und populistischer Politik – besonders im Kontext des Erstarkens der radikalen Rechten – eine massive Bedrohung für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft ist. </p>



<p>Der Fachtag greift dazu die zentrale Analyse der österreichischen Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl auf und möchte durch weitere Fachreferent*innen über Erscheinungsformen, (Gegen-)Strategien und Folgen dieser politischen Entwicklung aufklären und mit den Teilnehmenden ins Gespräch kommen. </p>



<p>Programm</p>



<p>8:30 Uhr&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anmeldung</p>



<p>9:15 Uhr&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Tagungsbeginn und Begrüßung</p>



<p><strong>9:30 – 11:00 Uhr&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; </strong><strong>Radikalisierter Konservatismus</strong><strong></strong></p>



<p>Natasha Strobl, Publizistin und Politikwissenschaftlerin</p>



<p>Viele traditionsreiche Mitte-rechts-Parteien befinden sich im Niedergang oder zumindest in einer Zwickmühle: Sollen sie sich für progressive urbane Milieus öffnen? Oder lieber ihr konservatives Profil schärfen? Während Angela Merkel für das eine Modell steht, repräsentieren Politiker wie Donald Trump oder Sebastian Kurz das andere. Sie sind Vertreter eines radikalisierten Konservatismus.<br>Natascha Strobl analysiert ihre rhetorischen und politischen Strategien. Sie zeigt, wie sie Ressentiments bedienen, um ihre Anhängerschaft zu mobilisieren, oder eigene Narrative erschaffen, um »Message Control« auszuüben und Kritik als Fake News abzutun. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung suchen sie die Konfrontation. In ihren eigenen Parteien reduzieren sie die Demokratie, setzen auf kleine Beraterzirkel und Personalisierung. Dabei greifen sie, so Strobl, immer wieder auch auf die Methoden rechtsradikaler Bewegungen und Organisationen zurück.</p>



<p>11:00 – 11:30 Pause</p>



<p><strong>11:30 – 13:00 Uhr Thüringer Zustände</strong></p>



<p>Die Herausforderungen für die Demokratie in Thüringen sind akut und verweisen gleichzeitig auf lange strukturelle Kontinuitäten. Die damit verbundene Forschung sowie begleitende Befunde sind vielfältig. Im Rahmen eines gemeinsamen Panels präsentieren das KomRex und das IDZ in drei kurzen Vorträgen ausgewählte Forschungsbefunde. Dabei liegt der Fokus auf demokratiegefährdenden Einstellungsmustern, Akteurskonstellationen, Strategien und Mobilisierungsdynamiken im Freistaat – gerade auch im Spannungsfeld „(rechts) der bürgerlichen Mitte“.</p>



<p>Dr. Anne Küppers, KomRex: <em>Politische Kultur in Stadt und Land – Ergebnisse des Thüringen-Monitors 2022</em></p>



<p>Dr. Cynthia Freund-Möller, KomRex: <em>Gefährdungen der demokratischen Kultur in Thüringen</em></p>



<p>Dr. Axel Salheiser, IDZ:<em> Bürgerlich und überparteilich? (Ideologische) Mobilmachung in der gesellschaftlichen „Mitte“ Thüringens</em></p>



<p>13:00 – 14:00 Uhr Mittagspause</p>



<p>14:00 – 15:30 Uhr <strong>Konservatismus als notwendiges Bollwerk gegen Rechtsextremismus</strong></p>



<p>Ruprecht Polenz, Politiker und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO), Münster</p>



<p>Der echte Konservative ist ein Mensch des Maßes, der Skepsis und der Distanz, des gemeinwohlsensiblen Individualismus, nicht des Rudels. Er schätzt Tradition und sieht demütig seine Irrtumsanfälligkeit als Mensch.“ (Andreas Püttmann). Richtig verstandener Konservatismus grenzt sich ab gegen polarisierenden Rechtsextremismus, dessen völkischen Nationalismus und menschenverachtende Sprache.</p>



<p><strong>15:30 – 16:00 Uhr Pause</strong></p>



<p><strong>16:00 – 17:30 </strong><strong>Rechte Feindbildmarkierungen und Konservatismus</strong></p>



<p>Katharina Warda, Autorin, Soziologin und Literaturwissenschaftlerin</p>



<p>Veronika Kracher, Autorin und Journalistin</p>



<p>Die Markierung von Feindbildern im Sinne von rechten Ideologien wie Rassismus, Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und Antifeminismus hat zur Folge, dass Hetze, Bedrohung und Gewalt für viele Menschen zum Alltag gehören. Täter*innen fühlen sich insbesondere dann legitimiert, wenn sie das Gefühl haben, als Vertreter*innen eines vermeintlichen Volkswillens zu handeln. Welche Rolle spielen dabei konservative Akteur*innen, besonders in Zeiten, in denen rechte Gewalt eskaliert und die extrem rechte AfD in mehreren ostdeutschen Bundesländern die Wahlumfragen anführt.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color has-small-font-size"><em><strong>Ausschlussklausel:</strong></em><em> Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.</em></p>



<p>Gefördert durch: Thüringer Landesprogramm „Denk Bunt“, Bundesprogramm „Demokratie Leben“, Freistaat Thüringen, Thüringer Ministerium für Jugend, Bildung und Sport sowie dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend</p>
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		<title>Pressemitteilung: ezra und MOBIT kritisieren das Vorgehen von Geraer Versammlungsbehörde und Polizei gegen Zivilgesellschaft am 1. Mai: „Ein neuer Tiefpunkt im Umgang mit antifaschistischem Engagement“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 May 2023 12:28:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaftlicher Protest]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>ezra und MOBIT kritisieren das Vorgehen von Geraer Versammlungsbehörde und Polizei gegen Zivilgesellschaft am 1. Mai: „Ein neuer Tiefpunkt im Umgang mit antifaschistischem&#8230;</p>
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<p><strong>ezra und MOBIT kritisieren das Vorgehen von Geraer Versammlungsbehörde und Polizei gegen Zivilgesellschaft am 1. Mai: „Ein neuer Tiefpunkt im Umgang mit antifaschistischem Engagement“</strong></p>



<p>Am 1. Mai kam es laut einvernehmlichen Berichten von zivilgesellschaftlichen Akteur*innen bei einer antifaschistischen Demonstration zu massiven Einschränkungen des Versammlungsrechts und Polizeigewalt. Die Opferberatungsstelle ezra und Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus MOBIT kritisieren die Grundrechtsverletzungen und fordern Konsequenzen.</p>



<p>Dazu erklärt Romy Arnold, Projektleiterin von MOBIT: „Letztendlich hat das Vorgehen von lokaler Versammlungsbehörde und Polizei dazu geführt, dass ein antifaschistischer Protest unterbunden wurde. Das Versammlungsrecht galt scheinbar gestern nur für die extreme Rechte. Dieses unverhältnismäßige Vorgehen ist für Thüringen ein neuer Tiefpunkt im Umgang mit antifaschistischem Engagement und muss zwingend aufgearbeitet werden und Konsequenzen haben.“ Am gestrigen 1. Mai haben die Versammlungsbehörde und Polizei in Gera entschieden, dass eine antifaschistische Demonstration nicht auf ihre vorab mit der Versammlungsbehörde besprochene Route gelassen wurde. Kurz danach wurde diese über sechs Stunden festgesetzt, wobei es zu einem Einsatz von Polizeigewalt kam. In einer ersten Stellungnahme der Antifaschistischen Aktion Gera, welche die Demonstration angemeldet hatte, berichten die Organisator*innen von erheblichen Schikanen der Polizei gegenüber den Gegendemonstrant*innen, welche der Kriminalisierung des Antifaschismus als Feindbild dient.</p>



<p>„In einer Stadt, in der sich rechte Gewalt im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt hat und in der extrem rechte Demonstrationen jeden Montag einen Angstraum für Menschen schaffen, die nicht ins rechte Weltbild passen, ist das absolut unverständlich. Es ist nicht verwunderlich, dass in so einem Klima rechte und rassistische Hetze, Bedrohungen und Gewalt weiter eskalieren kann“, kritisiert Magdalena Willer, zuständige Beraterin für Gera bei ezra. Erst kürzlich veröffentlichte die fachspezifische Betroffenenberatungsstelle ihre Jahresstatistik für das Jahr 2022. Darin sind rechte und rassistische Angriffe von 9 auf 21 angestiegen. Zudem wird von einer hohen Dunkelziffer insbesondere bei rassistischer Gewalt ausgegangen, wie auch eine wissenschaftliche Studie gezeigt hat.</p>



<p>Ihre Solidarität bekunden beide Beratungsstellen mit den Menschen, die am 1. Mai aller Widrigkeiten zum Trotz gegen die extreme Rechte Stellung bezogen haben. Der Dank gilt insbesondere den Menschen, die sich in Gera tagtäglich unter diesen Umständen für eine vielfältige und demokratische Gesellschaft einsetzen.</p>
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		<title>Extrem rechte Musikveranstaltungen in Thüringen 2022 – Zahlen steigen deutlich</title>
		<link>https://mobit.org/rechtsrock-2022/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Mar 2023 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[RechtsRock]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilien der extremen Rechten]]></category>
		<category><![CDATA[Konzerte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Jahr 2022 gab in Thüringen wieder deutlich mehr RechtsRock-Konzerte. Insgesamt zählte die Mobile Beratung 31 Veranstaltungen. Der größte Teil waren sogenannte Liederabende.&#8230;</p>
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<p><strong>Im Jahr 2022 gab in Thüringen wieder deutlich mehr RechtsRock-Konzerte. Insgesamt zählte die Mobile Beratung 31 Veranstaltungen. Der größte Teil waren sogenannte Liederabende. Auch die Pandemie-Leugner*innen-Szene nutzte einschlägige Musik für ihre Veranstaltungen.</strong></p>



<p>Unser ausführliches Radiointerview findet ihr bei <a href="https://www.radio-frei.de/index.php?iid=7&amp;ksubmit_show=Artikel&amp;kartikel_id=9628" target="_blank">Radio FREI</a>.</p>



<p>Der Einschnitt durch die Corona-Pandemie scheint sich damit langsam aufzulösen. 2020 und 2021 zählte MOBIT noch 20 bzw. 14 Konzerte. Die steigenden Zahlen gehen auch mit einer veränderten RechtsRock-Szene in Thüringen einher. Ein Trend, der deutlich erhalten bleibt, ist die Hinwendung zu Liederabenden und die Abkehr von größeren Konzerten oder sogar Open-Airs.</p>



<p>Der überwiegende Teil der von MOBIT gezählten Konzerte, Liederabende und sonstigen Musikerereignisse <a id="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> erfolgte erst in der zweiten Jahreshälfte. Dort fand im Schnitt eine extrem rechte Musikveranstaltung pro Woche statt. Dies ähnelt den Verhältnissen aus dem Zeitraum vor der Corona-Pandemie. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie hatten auch den RechtsRock-Organisatoren kaum Möglichkeiten gegeben, Veranstaltungen durchzuführen. Der Wegfall der meisten Maßnahmen führte 2022 auch zu einer neuen Dynamik im Bereich RechtsRock.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Format der Liederabende seit Jahren am beliebtesten</strong></h3>



<p>Für 2022 wurden lediglich vier Konzerte in Erfurt, Gera, dem Wartburgkreis und Weimarer Land dokumentiert, deren Genre sich im Bereich von Rock und extrem rechtem Metal bewegte. Darüber hinaus verhinderte ein Eingreifen der Behörden ein Konzert im Juli in Sonneberg.<a id="_ftnref2" href="#_ftn2">[2] </a> Im Dezember löste die Polizei ein weiteres Konzert in Schmölln <a id="_ftnref3" href="#_ftn3">[3]</a> mit Verknüpfung zur lokalen extrem rechten Kampfsportszene auf.</p>



<p>Den Hauptteil des extrem rechten Musikaufkommens in Thüringen bilden seit neun Jahren in Folge Liederabende mit einem Anteil von nahezu 75% aller Veranstaltungen.<br>Protagonisten mitunter altbekannter Bands nutzen Unplugged-Konzerte zur Vermittlung menschenverachtender rechter Ideologie. Sie dienen u.a. auch zur Akquise von finanziellen Mitteln zur Unterstützung bei Gerichtsprozessen gegen Szeneangehörige oder fließen in die Finanzierung szeneeigener Immobilien.<a id="_ftnref4" href="#_ftn4">[4]</a></p>



<p>Liederabende dürften in den vergangenen Jahren vor allem wegen ihres geringen Organisationsaufwandes an Bedeutung gewonnen haben. Sie lassen sich unauffälliger organisieren und sind im Falle einer Auflösung mit weniger Schaden für die Organisatoren verbunden. Gleichzeitig finden bei Liederabenden trotzdem eine Ideologie-Vermittlung und die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls der Szene statt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>RechtsRock als Teil von Tagungen und Gedenkveranstaltungen &#8211; Sonstige Musikveranstaltungen</strong></h3>



<p>Erstmals seit den Einschränkungen der Corona-Pandemie fanden 2022 wieder Tagungen oder Jahrestreffen von neonazistischen Gruppen oder Parteien in Thüringen statt. Hier zeigte sich deutlich, dass Thüringen für bundesweite Treffen der extremen Rechten weiterhin attraktiv bleibt. Häufig bilden Konzerte das Abendprogramm der Veranstaltungen neben Musikbeiträgen von Szene-Liedermacher*innen, die das Tagesprogramm begleiten. MOBIT dokumentierte diese musikalischen Darbietungen als „sonstige Musikereignisse“ im Rahmen von Vortragsabenden, Parteitagen oder geschichtsrevisionistischen Gedenkveranstaltungen. 2022 wurden in dieser Kategorie fünf Musikveranstaltungen erfasst. Darunter beispielsweise Auftritte der Liedermacherinnen „Wut aus Liebe“ nach einem NPD-Vernetzungstreffen in September in Eisenach oder „Eine deutsche Frau“ nach einem „Reichsbürger“-Kongress im Oktober in Pfiffelbach.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Musikalische Großveranstaltungen blieben 2022 aus</strong></h3>



<p>Musikalische Großveranstaltungen, die die meiste mediale Aufmerksamkeit der vergangenen Jahre auf das Thema RechtsRock lenkten, fanden seit 2019 in Thüringen nicht mehr statt. Waren 2017 noch 6.000 Neonazis aus ganz Europa nach Themar gereist<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"> [5]</a>, so entwickelten sich Großveranstaltungen in den Folgejahren sowohl für Veranstalter als auch Besucher*innen als zunehmende Misserfolge. Zivilgesellschaftlicher Widerspruch und restriktives behördliches Auftreten dürften zwei der Aspekte sein, die dazu beitrugen, die Attraktivität der Veranstaltungsformate in großem Rahmen für die Szene erheblich zu verringern. Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verunmöglichten in den zurückliegenden Jahren die Organisation derartiger Großveranstaltungen, was auch von Führungsfiguren so kommuniziert wurde.</p>



<p>Ein weiterer herber Schlag für die RechtsRock-Szene dürfte die Inhaftierung der Neonazi-Bruderschaft „Turonen“ gewesen sein.<a id="_ftnref6" href="#_ftn6">[6]</a> Sie gehörten in den letzten Jahren zu den zentralen Akteuren der Szene in Thüringen und waren an der Organisation von Großveranstaltungen und zahlreicher weiterer Konzerte personell beteiligt. Neben den RechtsRock-Geschäften hatte die Gruppierung mutmaßlich auch in den Bereichen Drogenhandel und Prostitution ihr Geld verdient. Nach zwei Razzien, Untersuchungshaft für die führenden Köpfe und dem mittlerweile begonnen Strafprozess <a id="_ftnref7" href="#_ftn7">[7]</a> dürften Personen dieser Gruppierung nun bis auf Weiteres für das extrem rechte Konzertgeschehen in Thüringen ausscheiden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Veranstaltungsorte für eine übersichtliche Publikumsgröße – Konstanz und Wandel</strong></h3>



<p>Eine Vielzahl der Konzerte konnte in 2022 in bekannten Szene-Immobilien beobachtet werden. &nbsp;Anknüpfend an die Jahre zuvor fanden im vergangenen Jahr konstant Liederabende in der Geschäftsstelle des Thüringer NPD-Landesverbands in Eisenach statt. Die Immobilie, die auch regelmäßig für weitere öffentliche Angebote genutzt wird, ist die meistgenutzte Immobilie für RechtsRock-Konzerte in Thüringen. Zusammen mit dem Schulungszentrum und Sitz des geschichtsrevisionistischen Vereins „Gedächtnisstätte e.V.“ in Guthmannshausen im Landkreis Sömmerda ermöglichte der Zugriff zu beiden Immobilien ein Drittel aller Thüringer Musikveranstaltungen in 2022.</p>



<p>Neben der Nutzung eigener Immobilien wurden im vergangenen Jahr teils auch Privathäuser für Konzerte genutzt oder Veranstaltungsräume unter der Vortäuschung privater Feiern angemietet. So gab der extrem rechte Liedermacher Frank Rennicke ein Konzert auf dem Privatgelände eines Hauptorganisators des extrem rechten Protestgeschehens in Gera.&nbsp; In Großbreitenbach im Ilmkreis konnte eine Veranstaltung mit der Liedermacherin „Eine deutsche Frau“ verhindert werden, die als Geburtstagsfeier getarnt war.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Rechte Musik auf der Straße</strong></h3>



<div class="wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile"><figure class="wp-block-media-text__media"><img loading="lazy" decoding="async" width="567" height="850" src="https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/03/220826_Gera_Klar-und-sein-Musikwagen_269A3440.jpg" alt="" class="wp-image-15106 size-full" srcset="https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/03/220826_Gera_Klar-und-sein-Musikwagen_269A3440.jpg 567w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/03/220826_Gera_Klar-und-sein-Musikwagen_269A3440-200x300.jpg 200w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/03/220826_Gera_Klar-und-sein-Musikwagen_269A3440-320x480.jpg 320w, https://mobit.org/wp-content/uploads/2023/03/220826_Gera_Klar-und-sein-Musikwagen_269A3440-440x660.jpg 440w" sizes="auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px" /></figure><div class="wp-block-media-text__content">
<p>Die Allianzen des Protestgeschehens des rechtsoffenen Pandemieleugner*innen-Spektrums in Thüringen schlugen sich 2022 auch im Bereich der Musik nieder.<br>Als musikalische Begleitung von Demonstrationen wählten die Verantwortlichen für ihre mobilen Lautsprecheranlagen neben bekannten Radio-Popsongs ebenso Lieder extrem rechter Bands, Liedermacher und Musikprojekte, deren entsprechenden Aussagen verpackt in emotionalisierenden Melodien zur Atmosphäre der Aufzüge beitrugen. In den Telegram-Kanälen zahlreicher Gruppen wurde auch im Nachgang von Demonstrationen extrem rechte Musik verbreitet.</p>
</div></div>



<p>Neben Musikstücken der extrem rechten Szene als musikalische Begleitung vom Band für Demonstrationen bildeten 2022 ebenso Auftritte mit eindeutigem RechtsRock bei Veranstaltungen der rechtsoffenen Pandemie-Leugner*innen-Szene Anknüpfung an das Neonazi-Milieu. Der bekannteste extrem rechte Liedermacher Frank Rennicke trat im August bei einem sogenannten Sommerfest mitten in Gera auf. Ein Gesangsduo aus dem Saale-Orla-Kreis unterstrich im Sommer 2022 bei den wöchentlichen Kundgebungen in Zeulenroda die demokratieverachtenden Reden mit Volksliedern und Popsongs, aber auch mit einem eigens durch den Neonazi-Liedermacher Frank Rennicke komponierten Musikstück mit völkischem Text.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Rückzug in die Szene-Öffentlichkeit</strong></h3>



<p>Die in 2022 beobachtete Praxis extrem rechte Konzerte im kleineren Kreis durchzuführen, bedeutete für die Szene eine größere Chance von Polizei und Öffentlichkeit unentdeckt zu bleiben. Dabei hat sich vor allem gezeigt, dass durch die Pandemie-Leugner*innen-Bewegung, die „Reichsbürger“-Szene und vereinzelt die Neonazi-Szene neue Organisatoren in Erscheinung getreten sind, die Konzerte eher unangemeldet für das eigene Klientel, oft regional, organisieren. </p>



<p>Eine öffentliche Bewerbung in Sozialen Medien war weitgehend unnötig, wenn ohnehin nur die regionale Szene und ein übersichtlicher Kreis von Teilnehmenden angesprochen wird. Veranstaltungen wurden teilweise nur in internen Telegram-Kanälen beworben. Dies zeigt in einem Teil der Konzert-Szene eine gegenteilige Entwicklung zur Tendenz der letzten Jahre. Die thüringer Neonazi-Szene hatte sich über Jahre stark professionalisiert und meldete auch um befürchtete finanzielle Misserfolge zu vermeiden Konzerte an.</p>



<p>Dass die aktuelle Entwicklung andererseits auch mit behördlichen, repressiven Handeln zu tun hat, bestätigt beispielsweise die Liedermacherin „Eine deutsche Frau“, wenn sie im Interview nach einem verhinderten Auftritt bestätigt: „<em>Das Gute an der Sache ist halt, dass wie immer, je mehr Druck sie ausüben auf uns, desto mehr erreichen Sie das Gegenteil von dem was sie möchten. (…) und der nächste Tanzabend wird sicherlich stattfinden, natürlich nicht angemeldet bei der Stadt, ist ja klar. Das bedeutet, das führt einfach nur dazu, dass wir uns einfach nur immer mehr in unsere Kreise zurückziehen, immer mehr unser Ding halt unter uns machen…</em>“<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a></p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong></h3>



<p>Wenig überraschend zeigte 2022 die Versuche der Szene, die Aktivitäten rund um die extrem rechte Musikszene in Thüringen auf ähnlichem Niveau wie in den Jahren vor der Corona-Pandemie wiederzubeleben. Langjährige stabile Netzwerke und neu eingegangene Kooperationen garantieren uneingeschränkte Zugriffe auf Immobilien. Das Interesse der Szene nach Musikveranstaltungen als Treffpunkt, als Orte der Selbstvergewisserung und Vernetzung sowie Markt für Tonträger und Textilien ist ungebrochen und ein fester Bestandteil extrem rechter Lebenswelt. Extrem rechte Musiker*innen sind in der Lage, ihr Angebot flexibel auf lokale Gegebenheiten einzustellen.&nbsp; Nach wie vor existiert eine Vielzahl an Bands, Musikprojekten und Versandhandel für extrem rechte Musik und Merchandise in Thüringen. Das diffuse Klima auf Demonstrationen der Pandemie-Leugner*innen-Szene eröffnet zudem neue Zugänge für extrem rechte Musik und Inhalte.</p>



<p>Dies alles steht im Widerspruch zur Prognose des Thüringer Innenministers Georg Maier (SPD), der von einer Trendwende <a id="_ftnref9" href="#_ftn9">[9]</a> spricht und das RechtsRock-Konzertgeschehen in Thüringen inzwischen als finanziell erfolglos einstuft.<a id="_ftnref10" href="#_ftn10">[10]</a> Es besteht kein Anlass zur Entwarnung im RechtsRock-Land Thüringen.</p>



<p>Es braucht Sensibilität, Aufmerksamkeit und Haltung von Behörden, Journalist*innen und Zivilgesellschaft für die extreme Rechte, deren Zusammenspiel es ihr erschwert, ihre Treffpunkte, Akteur*innen und Veranstaltungen in der Öffentlichkeit zu etablieren und zu normalisieren. Ein Zusammenspiel von demokratischer Zivilgesellschaft, politisch und behördlich Zuständigen und der medialen Öffentlichkeit ist wirksam gegen digitale und analoge Versuche der Raumnahme der extremen Rechten – auch im Falle von rechter Musikveranstaltungen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Erläuterungen zu den Kategorien &nbsp;<a href="https://mobit.org/Material/2022_MOBIT_RechtsRock-Hass%20und%20Kommerz.pdf">https://mobit.org/Material/2022_MOBIT_RechtsRock-Hass%20und%20Kommerz.pdf</a> (S.6)</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> <a href="https://www.zeit.de/news/2022-07/10/polizei-verhindert-rechtsrock-konzert-in-sonneberg?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.de%2F" target="_blank">Extremismus: Polizei verhindert Rechtsrock-Konzert in Sonneberg | ZEIT ONLINE</a></p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/altenburg/rechtsrock-konzert-polizei-illegal-schmoelln-100.html" target="_blank">Schmölln: Polizei löst illegales Rechtsrock-Konzert auf | MDR.DE</a></p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/west-thueringen/eisenach/rechtsextreme-nsu-eisenach-konzert-razzia-flieder-volkshaus-100.html" target="_blank">Nach Razzia gegen Rechtsextremisten in Eisenach: Benefiz-Konzert für Neonazis | MDR.DE</a></p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> <a href="https://www.thueringer-allgemeine.de/leben/land-und-leute/6000-rechtsextremisten-bei-konzert-in-themar-veranstaltungsgelaende-muss-wegen-andrang-erweitert-werden-id222994253.html" target="_blank">6000 Rechtsextremisten bei Konzert in Themar – Veranstaltungsgelände muss wegen Andrang erweitert werden | Land und Leute | Thüringer Allgemeine (thueringer-allgemeine.de)</a></p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/bruderschaft-turonen-garde-neonazi-prozess-encrochat-lka100.html#:~:text=Um%20zwei%20Uhr%20morgens%2C%20am,die%20Zielfahndung%20des%20LKA%20zu." target="_blank">Neonazi-Drogenkartell: Aufstieg und Ende der &#8222;Bruderschaft Thüringen&#8220; | MDR.DE</a></p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> <a href="https://www.thueringer-allgemeine.de/leben/recht-justiz/angeklagte-im-turonen-prozess-bleiben-in-untersuchungshaft-id236443973.html" target="_blank">Angeklagte im Turonen-Prozess bleiben in Untersuchungshaft | Recht &amp; Justiz | Thüringer Allgemeine (thueringer-allgemeine.de)</a></p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Youtube. Eine deutsche Frau. Liederabend verhindert! Eine deutsche Frau im Gespräch vom 04.12.2022, gesehen am 16.01.2023</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/rechtsrock-konzerte-106.html" target="_blank">Weniger Rechtsrock-Konzerte in Thüringen: Innenminister Maier spricht von Trendwende | MDR.DE</a></p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> <a href="https://www.zeit.de/news/2022-11/21/maier-rechtsrock-geschaeft-funktioniert-nicht-mehr" target="_blank">Extremismus: Maier: Geschäft mit Rechtsrock-Konzerten trägt nicht mehr | ZEIT ONLINE</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/rechtsrock-2022/">Extrem rechte Musikveranstaltungen in Thüringen 2022 – Zahlen steigen deutlich</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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