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	<title>Rassismus Archive &#8226; MOBIT</title>
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		<title>Teil 1: NoSügida im Kampf gegen den Thüringer PEGIDA-Ableger</title>
		<link>https://mobit.org/interview-reihe_teil_1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 May 2021 09:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaftlicher Protest]]></category>
		<category><![CDATA[zivilgesellschaftliches Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[gegen rechts Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sügida]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/interview-reihe_teil_1/">Teil 1: NoSügida im Kampf gegen den Thüringer PEGIDA-Ableger</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p>Seit etwa 2006 ist es vor allem der heutige neonazistische Multifunktionär Tommy Frenck, der asylfeindliche, rassistische, NS-verherrlichende und andere menschenverachtende Aktionen in Südthüringer Städten wie Schleusingen, Hildburghausen, Themar oder Suhl durchführt. Mit der Entstehung einer offensichtlich menschenfeindlichen und mobilisierungsfähigen Gruppierung PEGIDA in Sachsen ergab sich für ihn die Möglichkeit, seine extrem rechte Ideologie durch einen Thüringer Ableger weiter in die sogenannte Mitte der Gesellschaft zu tragen.</p>



<p>Im Oktober 2014 gründete sich in Dresden eine islamfeindliche und rassistische Gruppierung mit dem Namen „<em>Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes</em>“. PEGIDA sollte von da an über Jahre hinweg jeden Montag z.T. zehntausende Anhänger:innen auf die Straße bringen. In der Folge kam es zur Gründung von regionalen und örtlichen Ablegern in vielen Teilen Deutschlands, so auch in Suhl. Frenck mobilisierte mit SÜGIDA (<em>Südthüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes</em>) im Januar 2015 bis zu 1000, später z.T. wöchentlich mehrere hundert Teilnehmende. Während PEGIDA anfangs darum bemüht war, sich eine bürgerliche Fassade zu geben, wurde SÜGIDA von Beginn an ein &nbsp;&nbsp;von Neonazis getragen und organisiert. Kurze Zeit später gründete der Ostthüringer Neonazi David Köckert ein landesweit agierendes rassistisches Netzwerk unter den Namen THÜGIDA (<em>Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes</em>). Darunter versammelten sich zahlreiche lokale asylfeindliche Initiativen wie etwa „Wir lieben Gera“ oder „Wir lieben Meiningen“. Ab März 2015 marschierte THÜGIDA landesweit in verschiedenen Regionen Thüringens und löste die neonazistischen Aufmärsche in Suhl sukzessive ab.<sup>1</sup></p>



<p>In Suhl hatte sich bereits im Dezember 2014, also kurz nach Bekanntwerden der SÜGIDA- Aktivitäten von Frenck, eine Gruppe von engagierten Menschen gefunden, die sich zu dem Aktionsbündnis #NOSÜGIDA zusammenschloss. Trotz der eiskalten Jahreszeit zeigte das breite Bündnis jeden Montag Gesicht und stand mit unterschiedlichen Aktionsformen für eine vielfältige, offene und menschenrechtsorientierte Gesellschaft vor Ort ein.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>In welchem Kontext sind die Proteste entstanden?</strong></h4>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Stefan:</strong> </p>



<p>Bereits im Jahr 2014 wurden mit HoGeSa (Hooligans gegen Salafisten) und den antisemitischen Montagsmahnwachen die ideologischen Grundsteine der Pegida-Demos gelegt. Im Herbst 2014 führte Tommy Frenck eine rassistische Kundgebung vor der Geflüchteten-Unterkunft, der späteren zentralen Erstaufnahme für Geflüchtete, in Suhl durch. Spontan protestierte eine kleine Gruppe an Leuten dagegen. Es folgte eine intensivere Beobachtung des Umfelds von Tommy Frenck und seinen Aktivitäten. Im Begleittext eines Screenshots, den Frenck auf seiner FB-Seite veröffentlichte, war deren Sympathie für ähnlich angelegte Kundgebungen sichtbar geworden. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt nicht wie und wann, aber wir wussten, dass da etwas Größeres auf uns zu kommt. Am Heiligabend war es soweit und die SÜGIDA-Facebookseite ging online. Wenige Stunden nach dem SÜGIDA online ging, gründeten wir die Gegenseite „Südthüringen gegen Sügida“. Durch eine schnelle, bundesweite Online-Vernetzung gelang es uns, schnell regional bekannt zu werden. Zu einem ersten realen Treffen mit Engagierten, Parteien und Bündnissen kam es am 29.12.2014. Die über 40 Anwesenden gaben den Startschuss für das Aktionsbündnis #NOSÜGIDA. Für den Tag der ersten SÜGIDA Demonstration am 12.01.2015 meldete der damalige Superintendent der evangelischen Kirche unsere Protestkundgebung an. Für die darauffolgenden Wochen wurden die Anmeldungen abwechselnd durch Teams bestehend aus Einzelpersonen aus dem Bündnis, Vertreter:innen aus Kirchen, Gewerkschaften und Parteien durchgeführt.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Philipp Leibling:</strong></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Ich habe in den Medien von den HoGeSa-Demos in Erfurt erfahren und war erschrocken, wie ungehindert diese Leute ihr rassistisches, gewaltaffines Gedankengut verbreiten konnten.</p></blockquote>



<p>Durch eine gute Freundin und Facebook bin ich an meinem Studienort Schmalkalden auf #NOSÜGIDA und die erste Protestveranstaltung am 12.01.2015 in Suhl aufmerksam geworden. Mir stellten sich zwei wichtige Fragen: Sind rassistische Ideen in meiner Heimatstadt, einer Stadt des Friedens, mehrheitsfähig? Stellt sich die Stadtgesellschaft in großer Anzahl diesem Treiben entgegen oder ignoriert sie es?</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was waren die Ziele der Proteste?</strong></h3>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Stefan:</strong></p>



<p>Das Ziel des Aktionsbündnisses #NOSÜGIDA war es gemeinsam und solidarisch gegen den Naziaufmarsch ein Zeichen zu setzen. Dabei war es uns wichtig, dass sich jede:r auf seine Weise mit unterschiedlichen Intentionen und Protestformen einbringen konnte. Für uns war Konsens, dass Mittel des zivilen Ungehorsams unsere vollste Solidarität haben. Wir wollten den Nazis nicht die Straße überlassen.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Philipp Leibling:</strong></p>



<p>Es war mir ein persönliches Anliegen ein Zeichen gegen rechtes Gedankengut in meiner Heimatstadt Suhl zu setzen.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Heidi Schwalbe</strong>:</p>



<p>Durch die Berichterstattung von PEGIDA war mir bewusst, dass man nicht alle Teilnehmer*innen solch einer Demo über einen Kamm scheren kann. </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Wir wollten ein klares antifaschistisches und antirassistisches Zeichen in Suhl setzen. Wir wollten zeigen: wir wollen diese Hetze nicht und haben durchschaut, wer bei SÜGIDA spricht und marschiert.</p></blockquote>



<p>Durch die maßgeblich beteiligten Akteur:innen in Thüringen wurde sehr schnell deutlich, wer hier in Suhl marschiert: Stramme Neonazis und Familien die darüber keinen Gedanken verschwenden oder denen es schlicht und einfach egal ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was lief gut und welche Schwierigkeiten gab es?</strong></h3>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Stefan:</strong></p>



<p>Unsere Absprachen im Aktionsbündnis haben immer gut funktioniert und es gab einen fairen Umgang miteinander. Die mediale Mobilisierung und Aufarbeitung war sehr gut. Die wohlwollende Berichterstattung der Presse half uns dabei. Mit Hilfe von kritischen Ansprechpartner:innen konnten wir stets an Verbesserungen unserer Proteste arbeiten. Durch die gute lokale Vernetzung gab es nie Materialsorgen um Lautsprecher, Bühne usw. Zu den negativeren Punkten muss man klar die rapide Abnahme der Anzahl der Demoteilnehmer:innen bei uns nennen. Das Betreiben von Social Media, Verfassen von Pressemitteilungen und die Mobilisierung zu den Protesten war sehr zeit- und kraftintensiv. Im Verlauf der etwa 10 Kundgebungen im Frühjahr 2015 kam es zunehmend zu Verwerfungen: die junge Generation sei „zu laut“, man wolle nicht mit dem „Schwarzen Block“ protestieren. Ein zunehmend aggressiveres Verhalten von Neonazis und Polizei wurde sichtbar. Diese Entwicklungen sorgten zunehmend für Spannungen im Aktionsbündnis und die psychische und physische Belastung ging bis an persönliche Grenzen und weit darüber hinaus. Es kam zu keiner Spaltung des Bündnisses, aber als SÜGIDA ab März als THÜGIDA seinen Aktionsradius ausweitete, fanden nur wenige den Weg nach Erfurt und wenige aktive Leute traten in das bestehende Suhler Bündnis ein. Eine wichtige Erkenntnis ist es, eigene Angebote zu schaffen und Aktionen durchzuführen. Diese sind besonders wichtig um sich nicht von Nazis „treiben zu lassen“ und selbst wieder Energie aufzutanken. Leider konnte das bei #NOSÜGIDA nicht wirklich umgesetzt werden. Das lag auch daran, dass viele der tragenden Akteur:innen nach den intensiven Wochen ausgebrannt waren und das Label #NoSÜGIDA vor allem politisch instrumentalisiert wurde.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Philipp Leibling:</strong></p>



<p>Ich besuchte Woche für Woche die Proteste in Suhl und empfand die Nutzung von Social Media gut umgesetzt. Die Anmelder-Teams mit unterschiedlichem Background waren für die Protestvielfalt sehr gut. Leider kam es zunehmend zur Ablehnung von Protestformen ohne für mich sichtbaren Anlass. Es war zu beobachten, dass die Proteste immer weiter einschliefen, statt sich zu intensivieren. Man konnte die immer gleichen Leute beobachten: Zeitzeugen, die den 2. Weltkrieg überlebt haben und nun gegen diese braune Brut protestieren, egal wie alt sie sind und wie kalt es draußen ist. Es bleibt festzuhalten, dass sich Menschen zwischen 25 und 50 Jahren kaum an den Protesten beteiligt haben. Sie laufen bei den Nazis mit oder wohnen, auf Grund der schlechten beruflichen Perspektiven, schon längst nicht mehr in Suhl.</p>



<p>Wie sich auch in den Folgejahren immer wieder zeigen sollte: mit der Thüringer CDU, auch mit der Suhler CDU-Fraktion ist kein Kampf gegen Rechts möglich. Sie sind um keine Ausrede verlegen, um nicht Teil von Gegenprotesten zu sein. Im Gegenteil zeigt die Entwicklung seit 2017 ein unwürdiges, undemokratisches Fischen von Wählerstimmen am rechten Rand, teilweise sogar mit Fakenews wie im Landtagswahlkampf 2019.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wie bewertet ihr rückblickend die Proteste?</strong></h3>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Stefan:</strong></p>



<p>Ein zivilgesellschaftlicher Protest, bei dem uns Aufklärung und Humanismus leiten müssen, ist in allen Lebensbereichen sehr wichtig. Es bleibt festzustellen, dass Behörden und kommunale Entscheidungsträger:innen menschenfeindlichen Situationen oftmals mit Ignoranz und dem gegenseitigen Wettstreit im Hufeisenweitwurf begegnen. Dabei dient die Floskel „bunt und tolerant“ als Selbstvermarktung einer angeblichen Vielfalt, die es vor Ort schlicht nicht gibt. Mein persönlicher Wunsch ist es, dass Bündnisse auch die Soziale Frage als eine Ursache von menschenfeindlichen Einstellungen in der Bildungsarbeit als Mittel der Aufklärung mehr in den Vordergrund rücken. Wichtig für die Aktiven wäre auch: die Einrichtung von Safe Spaces bei eigenen Aktionen und Protesten, sowie Achtsamkeit und Austausch über die Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Ohne nachhaltige Konzepte ist ein effektives Ankommen gegen stärker werdende faschistische Entwicklungen in unserer Gesellschaft zum Scheitern verurteilt.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Philipp Leibling:</strong></p>



<p>Für mich persönlich wurde sehr deutlich, dass Rassismus und Antisemitismus in Deutschland heutzutage viel verbreiteter sind, als ich angenommen hatte. Es ist salonfähig solche Äußerungen zu tätigen, solange „Das wird man ja noch sagen dürfen!“ als Legitimation für den eigenen Menschenhass benutzt werden kann. Ich musste traurigerweise feststellen, dass Volksverhetzung und ähnliche Straftaten kaum polizeilich und gerichtlich geahndet werden, ganz egal ob die Rede eins zu eins von Goebbels oder Himmler stammt. Wenn es mal zu einer Verurteilung kommen sollte, sind die Strafen sehr gering und die Anzahl der Tagessätze liegt meist niedrig genug, damit Nazis weiterhin als nicht vorbestraft gelten. Es bleibt festzuhalten, dass die „Mehrheitsgesellschaft“ alt, weiß und wahlweise ignorant oder fucking zu bequem ist, den Hintern hoch zu bekommen. Der Leitspruch „Von nichts gewusst“ wird immer deutlicher wahrnehmbar in getätigten Aussagen wie „Die machen doch nichts“, „Es ist doch nichts passiert“ oder „hinterher war alles besenrein“.</p>



<p class="has-luminous-vivid-orange-color has-text-color"><strong>Heidi Schwalbe:</strong></p>



<p>Mich hat es persönlich wirklich aufgeregt, dass etliche Bürger:innen nicht mehr kommen wollten, weil „die Antifa“ dabei ist. Die Gegner sind ganz sicher nicht Antifaschist*innen, sondern der Gegner steht bei SÜGIDA. Der erste Aufmarsch von SÜGIDA war schon sehr erschreckend, da sie klar vorhatten an der Stele für die alte Synagoge, in der Straße der Opfer des Faschismus, vorbei zu laufen. Eine pure Provokation. Schließlich hat „die Antifa“ sich auf die Straße gesetzt und das verhindert! Eine Anfrage an Ordnungsamt und Polizei wegen der Wegführung der Nazis ergab, dass man nicht wusste, dass Straße der „OdF“ für Opfer des Faschismus steht. Das fand ich absolut krass. Die Mitführung von als Standarten zu erkennenden Objekten mit NS-Ersatzsymbolen machte die politische Ausrichtung von SÜGIDA deutlich. Von Woche zu Woche wurde die Spaltung von Suhl bis in die Familien hinein deutlich, die einen waren bei uns, die anderen dort. Auch krass fand ich die eindeutige Anknüpfung an den deutschen Faschismus mit seinen Zeichen und der Rhetorik der Redner:innen. Gut empfand ich, dass bei der ersten #NOSÜGIDA der Suhler Oberbürgermeister und in Folge auch mehrere Landespolitiker:innen wie u.a. die Ministerinnen Frau Klaubert oder Frau Taubert da waren. Die erreichte Vielfalt von „Tanzdemo“ bis „Rote Nasen“ war wirklich erfreulich. Leider wurden wir trotzdem immer weniger, währenddessen bei den Nazis über längere Zeit Teilnehmerzahlen von 1000 und mehr existierten. Es war traurig kaum Suhler Lehrer:innen bei unseren Gegenprotesten zu treffen, sollte doch gerade diese Art der Bildung unser wichtigster humanistischer Auftrag sein.</p>
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		<series:name><![CDATA[Bündnisse kommen zu Wort]]></series:name>
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		<item>
		<title>„Gesicht wahren“ – Eine Ausstellung des Bündnisses „Mitmenschlich in Thüringen“</title>
		<link>https://mobit.org/gesicht-wahren-eine-wanderausstellung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Nov 2018 12:06:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Zivilcourage]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>mit Fotografien von Michael Döhler WARUM MITMENSCHLICH? „Mitmenschlich in Thüringen“ ist ein Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, der Vielfalt und Mitmenschlichkeit. Die&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h1><strong>mit Fotografien von Michael Döhler</strong></h1>
<h2><em>WARUM MITMENSCHLICH?</em></h2>
<p>„Mitmenschlich in Thüringen“ ist ein Bündnis für ein Thüringen der Demokratie, der Vielfalt und Mitmenschlichkeit. Die Bündnispartner*innen teilen die Überzeugung, dass nur eine demokratisch verfasste Gesellschaft, in der die Menschenrechte geschützt und verteidigt werden, lebenswert und zukunftsfähig ist.</p>
<h2><em>WARUM EINE AUSSTELLUNG?</em></h2>
<p>Flucht hat viele Gesichter. Menschen, die wir nicht kennen, können wir nicht verstehen. Das gilt besonders, wenn wir verschiedene Sprachen sprechen und unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben. Die Ausstellung gibt Menschen aus verschiedenen Ländern und mit ganz unterschiedlichen Geschichten ein Gesicht und eine Stimme. Die Bilder laden Sie ein, weiter zu forschen, die Menschen in Ihrer Umgebung kennenzulernen und die Perspektive zu wechseln.</p>
<h2><em>INTERESSE?</em></h2>
<p>Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert. Wenn Sie Interesse haben, sie bei Ihnen vor Ort zu zeigen, können Sie gern per E-Mail an die Adresse <a href="m&#97;&#105;&#x6c;&#x74;&#x6f;:m&#97;&#105;&#x6c;&#x40;&#x6d;o&#98;&#105;&#46;&#x6f;&#x72;&#x67;">&#x6d;a&#x69;&#108;&#64;&#x6d;&#111;&#x62;&#x69;&#46;&#x6f;&#114;g</a> mit der Ausstellungskoordination Kontakt aufnehmen. Die Nutzung ist kostenfrei.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Thüringen-Monitor bestätigt den politischen Rechtsruck der Thüringer Bevölkerung</title>
		<link>https://mobit.org/presseerklaerung/thueringen-monitor-bestaetigt-den-politischen-rechtsruck-der-thueringer-bevoelkerung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[mobit1]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Nov 2018 14:53:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rechtspopulismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[extrem rechte Einstellungen]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Ethnozentrismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute wurden in der Thüringer Staatskanzlei die Ergebnisse des Thüringen-Monitors 2018 vorgestellt. Darin zeigt sich, dass rechtsextreme Einstellungen in Thüringen sich auf hohem&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute wurden in der Thüringer Staatskanzlei die Ergebnisse des Thüringen-Monitors 2018 vorgestellt. Darin zeigt sich, dass rechtsextreme Einstellungen in Thüringen sich auf hohem Niveau stabilisiert haben, wobei rassistische und ethnozentristische Einstellungen deutlich ansteigen. Die Ergebnisse bestätigen damit die Diskursverschiebung nach rechts.</strong></p>
<p>58 Prozent der Befragten des Thüringen-Monitors stimmen der Aussage zu, dass die Bundesrepublik „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ sei. Damit nährt sich der Wert wieder dem Höchstwert seit Erhebung der Studie an und liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Insgesamt werden die ethnozentristischen Aussagen von nahezu der Hälfte der Befragten Thüringer*innen geteilt.</p>
<p>Der Anteil der Personen, die als rechtsextrem eingestellt kategorisiert werden, liegt in der aktuellen Studie bei 20% und damit wieder leicht über dem Wert aus 2017. Damit stabilisiert sich der Anteil extrem rechts Eingestellter auf einem sehr hohen Niveau.</p>
<p>Diese Erkenntnisse sind aus Sicht der Mobilen Beratung in Thüringen beunruhigend aber zugleich wenig überraschend. <em>„Bereits anhand der enormen Mobilisierungserfolge im Jahr 2015 bei rassistischen Demonstrationen im ganzen Freistaat hatte sich deutlich gezeigt, wie weit rassistische Äußerungen in der Thüringer Bevölkerung auf Zustimmung treffen.“</em> kommentiert Stefan Heerdegen von MOBIT.</p>
<p><em>„Was die Studie hier abbildet, nehmen wir auch durchaus in unseren Beratungen wahr. Wir haben zunehmend mit Anfragen zu tun, in denen Menschen in ihrem alltäglichen (Arbeits-)Umfeld mit rassistischen Äußerungen konfrontiert sind.“</em> so Heerdegen weiter.</p>
<p>Besonders im Hinblick auf die anstehenden Landtagswahlen 2019 stimmen die Ergebnisse bedenklich und erfordern ein entschiedenes Eintreten der Zivilgesellschaft gegen Rassismus und Ausgrenzung.</p>
<p><span style="color: #ff6600;">Der vollständige THÜRINGEN-MONITOR 2018 kann auf der Website der Thüringer Staatskanzlei als PDF-Dokument heruntergeladen werden: </span><a href="https://www.thueringen.de/th1/tsk/landesregierung/thueringenmonitor/index.aspx" target="_blank"><span style="color: #ff6600;">https://www.thueringen.de/th1/tsk/landesregierung/thueringenmonitor/index.aspx</span></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Drahtzieher der rechten Märsche</title>
		<link>https://mobit.org/die-drahtzieher-der-rechten-maersche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Sep 2018 12:57:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pressespiegel]]></category>
		<category><![CDATA[rechte Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[extrem rechte Einstellungen]]></category>
		<category><![CDATA[Der Dritte Weg]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
		<category><![CDATA[Islamfeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Die Rechte]]></category>
		<category><![CDATA[Identitäre Bewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach den Aufmärschen rechtsextremer Gruppierungen in Chemnitz und Köthen beginnen jetzt erste Gerichtsverfahren gegen Teilnehmer wegen mutmaßlicher Straftaten. Wer sind die Figuren hinter&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/die-drahtzieher-der-rechten-maersche/">Die Drahtzieher der rechten Märsche</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach den Aufmärschen rechtsextremer Gruppierungen in Chemnitz und Köthen beginnen jetzt erste Gerichtsverfahren gegen Teilnehmer wegen mutmaßlicher Straftaten. Wer sind die Figuren hinter den Demonstrationen? &#8230;</p>
<p>Deutsche Welle vom 13.09.2018</p>
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		<item>
		<title>AfD-Schulterschluss mit Rechtsextremen</title>
		<link>https://mobit.org/afd-schulterschluss-mit-rechtsextremen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Sep 2018 06:18:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pressespiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[extrem rechte Einstellungen]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Parlament gibt sich die AfD bürgerlich, auf der Straße verbrüdert sie sich mit Rechtsextremisten und gewaltbereiten Nazis. Monitor-Recherchen zeigen: Der Schulterschluss in&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/afd-schulterschluss-mit-rechtsextremen/">AfD-Schulterschluss mit Rechtsextremen</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Parlament gibt sich die AfD bürgerlich, auf der Straße verbrüdert sie sich mit Rechtsextremisten und gewaltbereiten Nazis. Monitor-Recherchen zeigen: Der Schulterschluss in Chemnitz war von Anfang an geplant. &#8230;</p>
<p>tagesschau.de vom 06.09.2018</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/afd-schulterschluss-mit-rechtsextremen/">AfD-Schulterschluss mit Rechtsextremen</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie rechtsextreme Positionen in die Mitte kommen</title>
		<link>https://mobit.org/wie-rechtsextreme-positionen-in-die-mitte-kommen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Sep 2018 06:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pressespiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[extrem rechte Einstellungen]]></category>
		<category><![CDATA[AfD]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie wettern gegen Migranten und die Demokratie und sagen dennoch &#8222;Wir sind nicht rechts&#8220;. Anhänger von AfD und Co. fühlen sich missverstanden &#8211;&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/wie-rechtsextreme-positionen-in-die-mitte-kommen/">Wie rechtsextreme Positionen in die Mitte kommen</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie wettern gegen Migranten und die Demokratie und sagen dennoch &#8222;Wir sind nicht rechts&#8220;. Anhänger von AfD und Co. fühlen sich missverstanden &#8211; und beschleunigen so den Wertewandel der gesellschaftlichen Mitte. &#8230;</p>
<p><a href="https://www.dw.com/de/wie-rechtsextreme-positionen-in-die-mitte-kommen/a-45352509" target="_blank">Deutsche Welle vom 05.09.2018</a></p>
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			</item>
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		<title>&#8222;Es gibt eine permanente Stimmungsmache von rechts außen&#8220;</title>
		<link>https://mobit.org/es-gibt-eine-permanente-stimmungsmache-von-rechts-aussen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Aug 2018 08:20:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pressespiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Islamfeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[rechte Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Tausende Menschen folgten in Chemnitz dem Aufruf von Rechtsradikalen. Wie ließen sich so schnell so viele Menschen mobilisieren? Soziologe Matthias Quent hat Antworten.&#8230;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/es-gibt-eine-permanente-stimmungsmache-von-rechts-aussen/">&#8222;Es gibt eine permanente Stimmungsmache von rechts außen&#8220;</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Tausende Menschen folgten in Chemnitz dem Aufruf von Rechtsradikalen. Wie ließen sich so schnell so viele Menschen mobilisieren? Soziologe Matthias Quent hat Antworten. &#8230;</p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/chemnitz-wie-rechtsextreme-mobilisieren-interview-mit-experte-matthias-quent-a-1225391.html" target="_blank">Spiegel Online vom 29.08.2018</a></p>
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		<title>Angestiftete Eskalation?</title>
		<link>https://mobit.org/angestiftete-eskalation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Aug 2018 08:47:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pressespiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gewaltbereite Hooligans, Neonazis und „Wutbürger“ reagieren mit einer Spontan-Demo und Randale auf den Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz. Für Montagabend sind weitere Aufmärsche&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gewaltbereite Hooligans, Neonazis und „Wutbürger“ reagieren mit einer Spontan-Demo und Randale auf den Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz. Für Montagabend sind weitere Aufmärsche geplant. &#8230;</p>
<p><a href="https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/angestiftete-eskalation" target="_blank">bnr.de vom 27.08.2018</a></p>
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		<title>Urteil im Freital-Terrorprozess: Hass, so explosiv wie Handgranaten</title>
		<link>https://mobit.org/urteil-im-freital-terrorprozess-hass-so-explosiv-wie-handgranaten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Mar 2018 09:14:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Pressespiegel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hohngelächter und Tränen im Saal: In Dresden verhängen die Richter des Oberlandesgerichts harte Strafen gegen die rechtsextreme &#8222;Gruppe Freital&#8220;. Mit ihren Anschlägen auf&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hohngelächter und Tränen im Saal: In Dresden verhängen die Richter des Oberlandesgerichts harte Strafen gegen die rechtsextreme &#8222;Gruppe Freital&#8220;. Mit ihren Anschlägen auf Zuwanderer hätten sie die innere Sicherheit bedroht. &#8230;</p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/panorama/justiz/dresden-gruppe-freital-verurteilt-so-lief-der-letzte-prozesstag-a-1196692.html" target="_blank">Spiegel Online vom 07.03.2018</a></p>
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		<title>Stellungnahme zur Anhörung der Enquete-Kommission</title>
		<link>https://mobit.org/stellungnahme-zur-anhoerung-der-enquete-kommission/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mobit_Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Oct 2017 10:39:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mobile Beratung in Thüringen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Stellungnahme zur Anhörung der Enquete-Kommission „Ursachen und Formen von Rassismus und Diskriminierungen in Thüringen sowie ihren Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben und die&#8230;</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Stellungnahme zur Anhörung der Enquete-Kommission „Ursachen und Formen von Rassismus und Diskriminierungen in Thüringen sowie ihren Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben und die freiheitliche Demokratie“ am 17. Oktober 2017</h2>
<p>&nbsp;</p>
<p>Sehr geehrte Damen und Herren, geehrte Mitglieder der Enquete-Kommission,<br />
seit 2001 unterstützt die <em>Mobile Beratung in Thüringen. Für Demokratie gegen Rechtsextremismus (MOBIT)</em> verschiedene Akteur*innen mit dem Ziel, eine demokratische, emanzipatorische Kultur zu stärken. Unser Anliegen ist es, überall dort Unterstützung anzubieten, wo Menschen sich für demokratische Grundwerte und Menschenrechte engagieren und aktiv gegen die extreme Rechte sowie gegen verschiedene Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit handeln wollen. Gemeinsam mit den Ratsuchenden vor Ort – unabhängig ob Privatpersonen, (Kommunal)Politiker*innen, Verwaltungen, Schulen, (lokale) Bündnisse, Initiativen, Vereine oder Verbände – analysieren wir die spezifische Situation, erörtern Handlungsstrategien, entwickeln Lösungsansätze und unterstützen bei der konkreten Umsetzung.<br />
Neben der Beratung und Unterstützung zivilgesellschaftlicher Akteur*innen gehört auch die Aufklärung über die extreme Rechte in Thüringen zu unseren Aufgaben. Dazu bedarf es der Dokumentation und Analyse extrem rechter Aktivitäten im Freistaat.<br />
In der vorliegenden Stellungnahme soll einerseits unsere Analyse vorgestellt werden, welche auf den Beobachtungen der extremen Rechten basiert. Andererseits lassen sich auch aus den bei uns eingehenden Beratungsanfragen Rückschlüsse auf die Entwicklung der politischen Kultur in Thüringen ziehen – diese sollen hier ebenso dargestellt werden.<br />
Es zeigen sich einerseits gewisse Kontinuitäten in Bezug auf Demokratie- und Menschenfeindlichkeit in der Thüringer Bevölkerung und eine gefestigte extreme rechte Szene. Besonders 2015 in der Hochphase rassistischer Mobilisierung wurden zudem Anschlussmöglichkeiten extrem rechter Positionen an seit Jahren bestehende rassistische Ressentiments innerhalb der Thüringer Bevölkerung deutlich sichtbar. Andererseits kam es zu Umbrüchen und Veränderungen innerhalb der extrem rechten Organisationstrukturen, Aktionsformen und Themenfelder.</p>
<h2>Entwicklungen der extremen Rechten in Thüringen</h2>
<p>Über viele Jahre war die <em>Nationaldemokratische Partei Deutschland</em> (<em>NPD</em>) die zentrale extrem rechte Organisation in Thüringen. Auch in Thüringen sammelten sich zur Jahrtausend-Wende zahlreiche Mitglieder des neonazistischen Kameradschaftsspektrums in der <em>NPD</em>. Die Hochphase der Landes-<em>NPD</em> ist dann etwa in den Jahren 2005 bis 2007 zu verorten. In dieser Phase konnte die Partei nicht nur mit rund 550 Mitgliedern ihren Höchststand verzeichnen, sondern mit über 50.000 Stimmen zur Bundestagswahl 2005 auch ihr bestes Wahlergebnis. Seither ist die <em>NPD </em>in Thüringen auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Besonders die deutliche Wahlniederlage bei der Landtagswahl 2014, verschiedene interne Skandale und Zerwürfnisse und zuletzt das aus <em>NPD</em>-Sicht schlechte Ergebnis bei der Bundestagswahl haben der Partei nachhaltig geschadet. Die Partei ist außerhalb vereinzelter Schwerpunkt-Regionen kaum noch politisch wahrnehmbar. Lediglich in Eisenach, wo sich auch die Landesgeschäftsstelle befindet, sind nennenswerte Aktivitäten zu verzeichnen. Aufgrund der politisch geringen Bedeutung der NPD und Parteiaustritten in Folge interner Streitigkeiten, traten spätestens seit 2015 andere extrem rechte Parteien in Thüringen stärker in Erscheinung. Sowohl <em>Der III. Weg</em> als auch <em>Die Rechte</em> haben in den vergangenen Jahren ihre Präsenzen immer weiter ausgebaut und der <em>NPD</em> den Rang abgelaufen.</p>
<p>Die neonazistische Kader-Partei <em>Der III. Weg</em>, welche erst 2013 in Heidelberg gegründet wurde, diente in den letzten Jahren als Auffangbecken des in Bayern verbotenen <em>„Freien Netzes Süd“</em>, dessen Führungskader sich heute in zentralen Positionen der Partei wiederfinden. Seit 2015 expandierte die Partei auch in Thüringen und verfügt heute über mindestens zwei sogenannte Stützpunkte: <em>„Thüringer Wald/Ost“</em> und <em>„Ostthüringen“</em>. Insgesamt gehören der Partei in Thüringen ca. 40 Mitglieder an. Diese gering erscheinende Mitgliederzahl ist aber auch am Selbstverständnis als elitäre Kaderpartei zu messen und liegt ein Vielfaches unterhalb des Mobilisierungspotentials bei Demonstrationen, die in den letzten Jahren bis zu 900 Neonazis umfassten. Zuletzt konnte die Partei am 1.Mai 2017 mehr als 700 Neonazis aus der gesamten Bundesrepublik zu einem Aufmarsch nach Gera mobilisieren.<br />
Neben internen Veranstaltungen wie gemeinsamen Wanderungen oder Vorträgen ist <em>Der III. Weg</em> bisher vor allem durch Flyer-Verteilaktionen und Infostände in Erscheinung getreten. Daneben war Thüringen aber auch für die Bundespartei ein wichtiger Rückzugsort. Alle bisherigen Bundesparteitage des <em>III. Weges</em> fanden in Kirchheim bei Erfurt statt (zuletzt im September 2017).</p>
<p>Neben dem <em>III. Weg</em> hat sich seit Juli 2015 auch die militante Neonazi-Partei <em>Die Rechte</em> in Thüringen weiter ausgebreitet. Nachdem im Sommer 2015 der Landesverband gegründet wurde, hat sich die Partei durch Übertritte Anschluss an die bereits vorhandene Neonazi-Szene vor allem zwischen Erfurt und Weimar verschafft. Vom ersten Landesvorstand ist hingegen kaum noch jemand übrig geblieben. Seit Spätsommer 2016 ist der ehemalige <em>NPD</em>-Stadtrat Enrico Biczysko aus Erfurt Landesvorsitzender der Partei. Die Schwäche der <em>NPD</em> und die internen Auseinandersetzungen haben Parteineugründungen befördert und die ehemaligen <em>NPD</em>-Funktionäre tauchten in neuen Konstellationen wieder auf. Die Rechte verfügt in Thüringen über rund 50 Mitglieder und tritt nur vereinzelt öffentlich auf. Zentrum der Aktivitäten ist vor allem Erfurt, da die extrem rechte Szene hier Zugriff auf eine Immobilie hat. Seit Anfang 2016 nutzt die Szene einen ehemaligen Supermarkt für zahlreiche Aktivitäten. Neben Kinderfesten, Public Viewing-Veranstaltungen und Kampfsporttrainings finden auch Versammlungen und Vorträge unter der Organisation von Die Rechte statt. Mit der Immobilie und anderen Aktionen wie beispielsweise Spendensammlungen für Tierheime versuchen die Neonazis vor allem ein sozial engagiertes Image zu kreieren, um sich weiter zu verankern.</p>
<p>Neben den neugegründeten extrem rechten Parteistrukturen entwickelte sich mit dem <em>Thügida</em>-Netzwerk ein parteiübergreifender Zusammenschluss. Damit schließt sich an den Ausbau der Parteistrukturen auch der Versuch an, als unabhängige Struktur organisationsübergreifend zu agieren.<br />
Bereits seit Anfang 2015 hatten Thüringer Neonazis versucht, sich den Erfolg der <em>Pegida</em>-Bewegung zu Nutze zu machen. Anfangs unter dem Label Sügida. Mit wöchentlichen Aufmärschen in Südthüringen konnte das Netzwerk bei einzelnen Veranstaltungen bis zu 600 Personen mobilisieren. Anschließend meldeten die Organisatoren unter dem neuen Namen Thügida in verschiedenen Thüringer Städten Aufmärsche und Kundgebungen an. Thügida ist ein Zusammenschluss von Personen aus der <em>NPD</em>, der Partei <em>Die Rechte</em>, dem Holocaustleugner*innen-Netzwerk <em>Europäische Aktion</em>, dem extrem rechten <em>Bündnis Zukunft Hildburghausen</em> und verschiedenen Einzelpersonen.</p>
<p>Vor allem im Jahr 2015 gelang es der extremen Rechten im Zuge der hitzig geführten Debatte um Flucht und Asyl mit ihrer seit Jahren geschürten „Angst vor Überfremdung“ ein deutlich größeres Mobilisierungspotential auszuschöpfen als in den Jahren zuvor. Mehr als 125 fremdenfeindliche beziehungsweise rassistische Demonstrationen und Kundgebungen fanden über das Jahr verteilt statt. In nahezu jeder größeren Thüringer Stadt gab es im Laufe des Jahres eine extrem rechte Kundgebung oder Demonstration. Im Umfeld dieser Aktionen gründeten sich in einigen Regionen lokale Ableger des <em>Thügida</em>-Netzwerkes (z.B. <em>Wir lieben Ostthüringen, Wir lieben den Saale-Orla-Kreis, Bürgerinitiative Apolda</em>). Den größten Mobilisierungserfolg erzielte <em>Thügida</em> im Oktober 2015, als circa 2.500 Menschen in Altenburg demonstrierten. Damit zeigte sich, dass die Debatte um das Thema Asyl auch in Thüringen vermochte, die klare Abgrenzung zur extremen Rechten aufzubrechen. Die weite Verbreitung rassistischer Einstellungen in der Thüringer Bevölkerung offenbarte sich hier deutlich.<br />
Auch 2016 mobilisierte <em>Thügida</em> wiederholt zu Demonstrationen und Kundgebungen in ganz Thüringen. In den ersten Monaten konnten dabei bis zu 700 Personen mobilisiert werden. Im Laufes des Frühjahres nahmen die Teilnehmenden-Zahlen jedoch deutlich ab. Mitunter kamen weniger als 100 Personen zu den Veranstaltungen des extrem rechten Netzwerkes. Seit Frühsommer des Jahres ließ sich eine Verschiebung der Aktionsformen beobachten: <em>Thügida</em> rief seltener zu Demonstrationen auf. Stattdessen wurden vermehrt Info-Touren durch Thüringen und Sachsen veranstaltet und zum Teil mehrere Infostände an einem Tag in verschiedenen Orten durchgeführt. Die Reichweite war dabei eher gering, teilweise blieben die Infostände völlig unbeachtet. Wichtiger waren Videos, die im Nachgang in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden und den angeblichen Erfolg der Aktionen dokumentieren sollten.</p>
<p>Parallel dazu entwickelten sich verschiedene Ansätze extrem rechter „Sozialprojekte“. Rund um den internationale Kindertag am 1. Juni 2016 fanden beispielweise thüringenweit mindestens 4 Kinderfeste statt, die unter Beteiligung extrem rechter Akteure organisiert wurden. Dabei wurden politische Inhalte bewusst vermieden. Vielmehr versuchen Akteure der Szene sich bei solchen Veranstaltungen als „Kümmerer“ darzustellen, die sich besonders für die Interessen der sozial schwachen „deutschen“ Mitbürger*innen einsetzen. Die Zuschreibung wer „deutsch“ ist, basiert dabei auf einer völkisch-nationalistischen Vorstellung. In Anlehnung an die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie wird von einem rassisch definierten „deutschen Volk“ ausgegangen.<br />
Unter dem Titel Ein Volk hilft sich selbst gründeten Mitglieder von Thügida im Herbst 2015 eine Initiative, die immer wieder zu Spendenaktionen aufruft. Der Name spielt dabei auf eine Kampagne des nationalsozialistischen <em>Winterhilfswerkes</em> aus den 1930er Jahren an. Im Duktus der nationalsozialistischen Bewegung wird dabei an die „Volksgemeinschaft“ appelliert. Bei den Aktionen wird darauf verwiesen, dass der Staat sich nicht um „das eigene Volk“ kümmere und damit gezielt Stimmung gegen Geflüchtete gemacht. Die Anzahl der Aktionen unter diesem Label ist besonders in den letzten Monaten des Jahres 2016 wahrnehmbar angestiegen. Die <em>Thügida</em>-nahe <em>Bürgerinitiative Apolda</em> organisierte in unregelmäßigen Abständen über das gesamte Jahr hinweg immer wieder Essensausgaben gegenüber der städtischen Tafel. Da die Tafel ihr Angebot explizit auch für geflüchtete Menschen öffnete, versuchte die Bürgerinitiative die Stimmung weiter anzuheizen, indem sie Lebensmittel explizit „nur an Deutsche“ verteilte. Mit derartigen Aktionen fanden extrem rechte Initiativen teils großen Zuspruch vor Ort, aber besonders in den sozialen Medien. Neben der Sammlung von Kleider- und Lebensmittelspenden wurden auch mehrere Weihnachtsfeste für „bedürftige Deutsche“ veranstaltet. Inzwischen tritt das Netzwerk unter dem Namen Volksbewegung Thügida auf und kündigte im August 2017 an, zukünftig keine Demonstrationen und Kundgebungen mehr anzumelden. Stattdessen konzentriert das Netzwerk seine Aktionen ausschließlich auf Spendensammlungen und vermeintliche Hilfsangebote.<br />
Eine ähnliche Ausrichtung lässt sich bei dem extrem rechten Verein <em>Volksgemeinschaft e.V.</em> beobachten, der eine Immobilie im Erfurter Stadtteil Herrenberg betreibt und seine Angebote immer wieder explizit an (sozial schwache) „deutsche“ Familien, aber auch Kinder und Jugendliche adressiert.<br />
Diese veränderte Strategie resultiert unter anderem aus den deutlich zurückgegangenen Mobilisierungserfolgen der extrem rechten Parteien und Netzwerke. Dauerhaft konnte die extrem rechte „Kern-Szene“ kaum von den Debatten rund um die Themen Flucht und Asyl profitieren. Vielmehr ist bundesweit und auch in Thüringen das Erstarken rechtspopulistischer und „neurechter“ Kräfte zu verzeichnen.</p>
<h2>RechtsRock als Konstante in Thüringen</h2>
<p>Trotz dauerhaft ausbleibender Mobilisierungserfolge und umfangreicher Veränderungen der Organisationsstrukturen, konnte sich die Szene in Thüringen weiter verfestigen und beispielsweise die Zahl der von ihr genutzten Immobilien und veranstalteten RechtsRock-Konzerte Schritt für Schritt erhöhen. <em>MOBIT</em> zählt derzeit mindestens 15 von der extremen Rechten regelmäßig genutzte Gebäude im Freistaat. Allein 2016 war es durch die vorhandenen Strukturen möglich, 54 Konzerte durchzuführen und damit tausende Neonazis aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland nach Thüringen zu mobilisieren.<br />
Die Immobilien bilden unter anderem die Grundlage für die weiter zunehmende Zahl extrem rechter Musikveranstaltungen im Freistaat. Die Szene hat durch die zahlreichen Gebäude Rückzugsorte für Konzerte, Liederabende, Vorträge und interne Strategie- und Vernetzungstreffen. Zudem bieten die vorhandenen Räumlichkeiten die nötige Infrastruktur für die in Thüringen ansässigen extrem rechten Onlineversände, die neben Musik auch Bekleidung, Propagandamaterial der Szene und mitunter auch Waffen vertreiben. In den letzten Jahren konnte sich dadurch eine lebendige Neonazi-Subkultur herausbilden.<br />
Besonders die RechtsRock-Veranstaltungen sind für Neonazis bundesweit interessant. Immer wieder ist zu beobachten, dass Bands und Besucher*innen aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen. Mitunter treten auch internationale Bands und Liedermacher in Thüringen auf. Es zeigt sich hieran, dass die extrem rechten Veranstalter gute Kontakte auch außerhalb Deutschlands pflegen. Gleichzeitig hat sich Thüringen zum Kernland des RechtsRock in Deutschland entwickelt. So werden nicht nur die meisten Konzerte im Bundesland durchgeführt, sondern Thüringer Neonazis sind auch an der Organisation von Veranstaltungen in anderen Bundesländern oder im Ausland beteiligt, wie ein großes Neonazi-Konzert im Oktober 2016 in der Schweiz zeigte.<br />
2016 fanden 54 RechtsRock-Konzerte in Thüringen statt. Die Zahl hat sich damit in den letzten Jahren mehr als verdoppelt (2012 wurden 23 Konzerte gezählt). Im Durchschnitt fand damit 2016 an jedem Wochenende eine extrem rechte Musikveranstaltung in Thüringen statt. Das Spektrum der Veranstaltungen ist dabei weit – neben RechtsRock-Konzerten mit mehreren Bands zählen hierzu auch extrem rechte Liederabende mit Solo-Auftritten und Open-Air-Events. Die Anzahl der Besucher*innen variiert stark: Bei Liederabenden sind mitunter nur um die 50 Gäste anwesend, bei den Großevents dagegen bis zu mehreren Tausend.</p>
<p>Auch die Zahl rechter Großevents erreichte 2016 einen neuen Höchststand – fünf Festivals fanden in Thüringen statt. (siehe <a href="https://mobit.org/chronik-extrem-rechter-aktivitaeten-in-thueringen/">Chronik extrem rechter Aktivitäten in Thüringen</a>) Die größte Veranstaltung war dabei ein Open Air in Hildburghausen unter dem Titel <em>„Rock für Identität“</em> mit etwa 3.500 Besucher*innen.<br />
2017 fanden im Landkreis Hildburghausen gleich zwei derartige Großevents statt. Mit etwa 6.000 Besucher*innen gehört das <em>„Rock gegen Überfremdung“</em> im Juli diesen Jahres zu den größten RechtsRock-Events der letzten Jahrzehnte bundesweit.<br />
Besonders bei diesen Großveranstaltungen offenbart sich die Bedeutung für die Szene: Neben Vernetzung und Austausch über Partei- und Organisationsgrenzen hinweg, wird hier viel Geld umgesetzt. Zum einen erzielen die Veranstalter durch die Eintrittsgelder enorme Gewinne, welche zum Teil wieder in die Szene zurückfließen, um zum Beispiel die Kosten anstehender Prozesse zu decken. Gleichzeitig werden Einnahmen durch den Verkauf von Merchandise und Musikerzeugnisse generiert. Bei Veranstaltungen wie in Hildburghausen sind Gewinne im unteren 6-stelligen Bereich wahrscheinlich.<br />
Die gute Vernetzung der Thüringer Akteure auch über die Landesgrenzen hinweg, zeigt sich bei einem dem bereits erwähnten Großevent im Oktober 2016, welches in der Schweizer Region Toggenburg stattfand. Um die 5000 Besucher*innen nahmen an dieser Veranstaltung teil. An der Organisation waren auch Personen aus Thüringen beteiligt und auch die Gewinne aus den Ticket-Verkäufen flossen auf das Konto eines Thüringer Neonazis.<br />
An den steigenden Teilnehmenden-Zahlen bei Konzerten und vor allem Großevents zeigt sich, dass die subkulturelle Neonazi-Szene stärker als je zuvor vertreten ist. Hinzu kommt, dass sie in den letzten Jahren an Selbstbewusstsein gewonnen hat. Während Konzerte vor einigen Jahren oft klandestin beworben wurden, finden sich inzwischen meist Flyer und Ankündigungen auf facebook zu den einzelnen Veranstaltungen und die Orte der Konzerte sind oftmals bereits vorab bekannt. Besorgnis, dass die demokratie- und menschenverachtenden Konzerte verboten werden könnten, scheint es in der extrem rechten Szene nicht zu geben.<br />
Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei der Weiterentwicklung extrem rechter Bekleidungsmarken: Während über Jahre hinweg Botschaften auf T-Shirts und Merchandise-Artikeln „versteckt“ und codiert wurden, treten Neonazis inzwischen wieder verstärkt mit eindeutigen Botschaften in die Öffentlichkeit. Die Verherrlichung des Nationalsozialismus wird in jüngster Zeit deutlich offener nach außen getragen. Dies zeigt unter anderem auch ein Vorfall beim „Rock gegen Überfremdung“ in Themar im Juli 2017: Während des Konzertes zeigten mehrere Hundert Teilnehmer*innen den „Hitlergruß“ vor den Augen der anwesenden Polizei. Besonders die Großevents entwickeln sich zu einer Art „Machtdemonstration“ der Szene. Jüngste Gerichtsurteile, die den Neonazis weiterhin erlauben ihre Veranstaltungen unter dem Deckmantel des Versammlungsrechtes durchzuführen, sorgen für zusätzlichen Rückenwind.</p>
<h2>Diskursverschiebung nach rechts</h2>
<p>Zusammenfassend lässt sich aus Sicht von <em>MOBIT</em> in den vergangenen beiden Jahren eine deutliche Diskursverschiebung nach rechts beobachten. Seit Jahren waren die Einstellungsmuster der Thüringer Bevölkerung durch Studien wie den Thüringen-Monitor weitgehend bekannt. Konstant ließ sich seit Erhebung der Studie sagen, dass mindestens 16 Prozent der Thüringer*innen ein extrem rechtes Weltbild vertreten.<br />
Spätestens in den Ergebnissen der diesjährigen Bundestagswahl finden die seit Jahren gemessenen hohen Einstellungswerte in Hinblick auf Menschenfeindlichkeit innerhalb der Thüringer Bevölkerung ihren Ausdruck. Den Wahlerfolg, welcher bei den extrem rechten Parteien bisher ausblieb, erzielt nun die rechtspopulistische Alternative für Deutschland.<br />
Im Vorfeld der Bundestagswahl riefen selbst langjährige Neonazi-Kader dazu auf, statt der<em> NPD </em>die <em>Alternative für Deutschland </em>zu wählen. Begründet wurden diese Aufrufe zumeist mit der faktischen Bedeutungslosigkeit der <em>NPD</em>. Dass sie den Einzug in den Bundestag nicht schaffen würde, stand bereits vor der Wahl fest. Von einem Einzug der <em>AfD</em> in den Bundestag erhofften sich langjährige Neonazi-Akteure wie der Thüringer Tommy Frenck oder Frank Krämer – Gitarrist der extrem rechten Band Stahlgewitter – dagegen eine Politik in ihrem Sinne. Auch Akteure aus dem Umfeld von <em>Thügida</em> distanzierten sich schon seit geraumer Zeit von der <em>NPD</em> und bewarben stattdessen wiederholt Veranstaltungen der <em>AfD</em>. Der Grund dürften nicht nur die eigenen Streitigkeiten mit <em>NPD</em>-Funktionären in der Vergangenheit gewesen sein, sondern auch die Präsenz der <em>AfD</em>-Politikerin Uta Nürnberger im <em>Thügida</em>-Vorstand (bis zu ihrem Austritt im August 2017).<br />
Besonders seit Beginn der „Flüchtlingskrise“ im Jahr 2015 münden zudem gemessene Einstellungsmuster auch im Verhalten und werden durch öffentliche Aktionen deutlich sichtbar: Angefangen mit den enormen Mobilisierungserfolgen bei rassistischen und asylfeindlichen Demonstrationen und Kundgebungen (beispielsweise gegen Unterkünfte von Geflüchteten), über rassistische Äußerungen und Anfeindungen bei öffentlichen Bürgerdialogen bis hin zu Übergriffen am Rande von Demonstrationen und die zahlreichen Anschläge auf Unterkünfte von Geflüchteten. Immer wieder ist zu beobachten, dass bei diesen Protesten keinerlei Berührungsängste mit der extremen Rechten mehr bestehen (siehe beispielsweise die Kundgebungen gegen den Moscheebau in Erfurt-Marbach).<br />
In den Beratungskontexten der Mobilen Beratung zeigt sich zudem, dass zunehmend auch Menschen von Anfeindungen und Übergriffen betroffen sind, die sich für demokratische Werte und gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzen. Insgesamt ist eine Zunahme der Beratungsfallzahlen zu verzeichnen. Auffällig ist zudem eine steigende Anzahl von Beratungen im Kontext von Regelstrukturen. Immer wieder kommt es in Schulen und Kindergärten zu Vorfällen mit rassistischem oder extrem rechtem Hintergrund. Die Beispiele sind äußerst verschieden: rassistische Äußerungen von Elternteilen, diskriminierendes Verhalten von Erzieher*innen, extrem rechte Äußerungen und Übergriffe durch Schüler*innen – um nur einige Beispiele zu nennen. Wir beobachten, dass in den vergangenen Jahren der Bedarf an Argumentationshilfen und Informationen zur extremen Rechten stark angestiegen ist, da sich Menschen in unterschiedlichsten Kontexten mit rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen konfrontiert sehen.<br />
Die Grenze gesellschaftlich tolerierter Äußerungen verschiebt sich zunehmend nach rechts und somit gelten rassistische und asylfeindliche Aktionen oft als Ausdruck „freier Meinungsäußerung“. Dieser Eindruck wird verstärkt durch rassistische Redebeiträge, die inzwischen auch wieder in den Landesparlamenten gehalten werden. Selbst Angriffe auf vermeintlich gesellschaftliche Konsense wie die Notwendigkeit der Erinnerung an die Shoah stehen erneut zur Disposition, wenn gewählte Parlamentarier diese angreifen. Gleichzeitig fehlt es oftmals an einer zivilgesellschaftlichen Antwort vor Ort. So fällt zum Teil die Gegen-Mobilisierung bei rassistischen oder asylfeindlichen Aktionen schwerer als bei Aufmärschen bekannter Neonazi-Gruppierungen. Zudem wird zivilgesellschaftlicher Protest oft nicht gewürdigt oder gar diskreditiert und Aktive und Bündnisse, welche für eine starke demokratische Alltagskultur eintreten, müssen sich mit „Linksextremismus“-Vorwürfen auseinandersetzen.<br />
Zu oft gelingt es mit rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen, Themen zu setzen und Debatten zu dominieren. Um dem entgegenzuwirken, muss zivilgesellschaftliches Engagement für demokratische Grundwerte und Menschenrechte gestärkt und gefördert werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://mobit.org/stellungnahme-zur-anhoerung-der-enquete-kommission/">Stellungnahme zur Anhörung der Enquete-Kommission</a> erschien zuerst auf <a href="https://mobit.org">MOBIT</a>.</p>
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