Rechtsextremismus RechtsRock

Informationen zum Neonazi-Festival „Rock gegen Überfremdung III“ am 25.08.2018 in Mattstedt

Mehr als 6000 Neonazis reisten im vergangenen Jahr zum „Rock gegen Überfremdung II“ nach Themar im Landkreis Hildburghausen an. Das Konzert zählt damit zu den größten Neonazi-Veranstaltungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte und sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. Die teilnehmenden Neonazis kamen aus ganz Europa nach Südthüringen. Für dieses Jahr kündigen die Veranstalter die dritte Auflage des Festivals in Mattstedt – einem kleinen Ort in der Nähe von Apolda – an.

Die Organisatoren:

Anmelder des „Rock gegen Überfremdung III“ ist Steffen R., der seit Jahren in der Thüringer Neonaziszene aktiv ist. In der Vergangenheit trat R. wiederholt als Anmelder von RechtsRock-Veranstaltungen in Erscheinung. Er zählt zu der militanten Neonazi-Gruppierung „Turonen“ (bzw. „Garde 20“). Die Gruppe hatte vor allem durch einen brutalen Angriff auf die Kirmesgesellschaft in Ballstädt für Schlagzeilen gesorgt, an dem mehrere Mitglieder der „Turonen“ beteiligt waren. Als Symbol nutzen sie unter anderem das so genannte Pfeilkreuz, welches bereits die ungarischen Faschisten verwendeten. Zudem hat die Gruppe europaweite Kontakte in die extrem rechte Szene. Schon beim „Rock gegen Überfremdung II“ 2017 in Themar waren die „Turonen“ maßgeblich an der Organisation beteiligt. Den Vertrieb der Eintrittskarten organisiert der extrem rechte Onlineshop „Das Zeughaus“ aus Lingen in Niedersachsen.

Das Programm:

Die extrem rechten Großveranstaltungen werden als politische Kundgebungen nach dem Versammlungsrecht angemeldet. Es ist daher üblich, dass sich das Programm aus einer Mischung extrem rechter Live-Musik, Redebeiträgen und Verkaufs- und Informationsständen zusammensetzt. Neben den Einnahmen durch Eintrittsgelder erzielt die Szene damit auch durch den Verkauf von Musik- und Merchandise-Artikeln enorme Einnahmen bei den Veranstaltungen.

Angekündigte Redner:

Wie schon bei den vergangenen Großkonzerten setzen die Veranstalter auf eine spektrenübergreifende Auswahl von Rednern. Bisher sind angekündigt:

  • Sven Skoda – parteiunabhäniger Aktivist

Skoda ist ein bekannter Redner, Antisemit und Nationalsozialist – „Ob Dortmund, Erfurt oder Buxtehude, der ewige Feind ist und bleibt… …der Kapitalismus und seine Hintermänner.“ (Erfurt, 01.05.2018)

  • Frank Kraemer – Gitarrist der extrem rechten Band „Stahlgewitter“
  • Dieter Riefling – parteiunabhängiger Aktivist

Dieter Riefling ist ein jahrzehntelanger Aktivist, der „Blood & Honour“ und der verbotenen FAP angehörte. Er propagiert ein „nationales und sozialistisches Deutschland“.

  • Sebastian Schmidtke – Bundesorganisationsleiter im Bundesvorstand der NPD, Organisator der mehrtägigen neonazistischen Großveranstaltung „Tage der nationalen Bewegung“ 2018 in Themar
  • Michael Brück – stellvertretender NRW-Landesvorsitzender der extrem rechten Partei Die Rechte
  • Christian Häger – Bundesvorstand der NPD-Jugendorganisation JN
  • Sascha Krolzig – Mitglied der extrem rechten Partei Die Rechte

Angekündigte Bands:

Angekündigte Bands: Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten, Die Lunikoff Verschwörung, Fortress, Der Kahlkopf Metzger, Notwehr, F.I.E.L., Warlord

Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten veröffentlichten im Juni 2010 – zu einem Zeitpunkt als die Ermittler*innen bei den neun Morden des NSU noch türkische Bandenkriminalität und Schutzgelderpressung vermuteten und Angehörigen der Opfer verdächtigten – auf dem Album „Adolf Hitler lebt!“ das Lied „Döner Killer“, in dem sie sich positiv auf die Morde bezogen.

„Bei allen Kebabs herrschen Angst und Schrecken. Der Döner bleibt im Halse stecken, denn er kommt gerne spontan zu Besuch, am Dönerstand, denn neun sind nicht genug.“

(Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten: Döner Killer, 2010.)

Die Lunikoff Verschwörung genießt in der Szene Kultstatus und tritt regelmäßig in Thüringen und bundesweit bei extrem rechten Konzerten auf. Der Sänger Michael Regener war Frontmann der als kriminelle Vereinigung verbotenen Band „Landser“.

Wir lieben unser Land, aber wir hassen diesen Staat, ihr werdet sie noch aufgehen sehn, unsre Saat und dann gibt es keine Gnade, unser Hass ist viel zu groß. Eure Dämme werden brechen und der deutsche Sturm bricht los! Sturm bricht los!“

(Lunikoff Verschwörung: Der deutsche Sturm, 2005.)

Warlord wurde von einem Mitglied der Band Skrewdriver gegründet. Skrewdriver zählt zu den Vorreitern des RechtsRock und ihr Sänger Ian Stuart Donaldson wird bis heute in der Szene als Held verehrt. Er war Mitbegründer des in Deutschland verbotenen „Blood & Honour“ – Netzwerkes, welches international an der Organisation von RechtsRock-Konzerten beteiligt ist.

Was ist für den 25.08.2018 zu erwarten?

Nach den Erfahrungen der vergangenen RechtsRock-Großevents ist aktuell davon auszugehen, dass die Neonazi-Veranstaltung nicht verboten wird. Zum „Rock gegen Überfremdung II“ waren 2017 über 6000 Neonazis aus ganz Europa angereist. Das für 2018 angekündigte Programm dürfte für die extrem rechte Szene mindestens ebenso attraktiv sein, wie schon im Vorjahr. Daher geht MOBIT davon aus, dass ähnlich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Mattstedt anreisen werden.

Für die Neonazi-Szene hat das Format der Open-Air Großveranstaltungen in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Sie dienen zunächst als Einnahmequelle für die Veranstalter. Allein in Themar dürfte 2017 ein sechsstelliger Betrag in die Kassen der Veranstalter geflossen sein. Diese Einnahmen dienen unter anderem dazu extrem rechte Infrastruktur in Thüringen weiter auszubauen. Zudem dienen die Großkonzerte der Selbstverständigung und Selbstvergewisserung der extrem rechten Szene. Hier treffen sich Gleichgesinnte und feiern gemeinsam ihre menschenverachtende Ideologie.


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