Thorsten Heise und die NPD fordern Demokraten im Eichsfeld heraus

03.05.2012

Am kommenden Samstag, den 05.05.2012 plant die NPD im Eichsfeld zum zweiten Mal eine als Familienfest getarnte RechtsRock-Großveranstaltung. Die Veranstaltung heißt in diesem Jahr "Eichsfeldtag", nachdem sie im vergangenen Jahr noch "Eichsfelder Heimattag" hieß. Die Verbotsverfügung der Ordnungsbehörde des Eichsfeldkreises vom 27.04.2012 wurde vom zuständigen Verwaltungsgericht in Weimar am 02.05.2012 gekippt.
Nach eigenem Bekunden des NPD-Kreisverbands Eichsfeld richtet sich die Veranstaltung an "Freie Nationalisten" und Parteifreunde. Thorsten Heise, wahrscheinlich die treibende Kraft hinter der Anmeldung, demonstriert damit einmal mehr wofür er steht. Heise, der die NPD auch im Kreistag vertritt, hatte sich seit den 1990er Jahren als einer der bundesweit bekanntesten wichtigsten Kameradschaftsführer profiliert. Deshalb war er von 2004-2011 im NPD-Bundesvorstand für die enge Anbindung der neonazistischen und militanten "Freien Kameradschaften" an die NPD zuständig. Auch im Geschäft mit RechtsRock mischt Heise weit vorn mit. Nur wenige Rechtsextremisten in Deutschland sind wie er in der Lage, NPD-Parteiarbeit mit den Kameradschaften und der subkulturellen extrem rechten Szene authentisch zu verzahnen.
Seine weitreichenden Kontakte in die Neonazi-Musikszene ermöglichen ihm bundesweit bekannte RechtsRockbands wie "Tätervolk", "Sturmtrupp", "Timebomb" oder der "Lunikoff-Verschwörung" einzuladen. Insbesondere die "Lunikoff-Verschwörung" mit ihrem wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorbestraften Frontmann Michael Regener dürfte für einigen Zulauf zum "Eichsfeldtag" sorgen. Regener genießt einen Märtyrerstatus innerhalb der Neonaziszene, nachdem er drei Jahre und vier Monate wegen der explizit volksverhetzenden Texte seiner Vorgängerband "Landser" inhaftiert war. Michael Regener ist auch NPD-Mitglied. Daneben sind mit Dr. Pierre Krebs (Thule-Seminar), Udo Voigt (ex. NPD-Bundesvorsitzender), Patrick Wieschke (NPD-Bundesorganisationsleiter), Matthias Fiedler (NPD Eichsfeld) und Thorsten Heise selbst Redner angekündigt.
Mit solchen neonazistischen Großveranstaltungen versucht insbesondere die thüringische NPD öffentlichen und gesellschaftlichen Raum einzunehmen. "Der extremen Rechten aus NPD und freien Kameradschaften darf es nicht gestattet werden, ihre menschenverachtenden und verfassungsfeindlichen Ideen unwidersprochen in die Öffentlichkeit zu tragen" warnt Fabian Wagner von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT). "Solche Events dienen der Szene sowohl zur ideologischen und sozialen Festigung, als auch zur Gewinnung neuer Anhänger".
Katja Fiebiger ebenfalls von MOBIT lobt die demokratische Gegenwehr: "Schon im vergangenen Jahr haben viele Eichsfelder nicht einfach weggesehen, sondern Gesicht gegen den "Eichsfeldtag" gezeigt." Die Verbotsverfügung des Landratsamtes in diesem Jahr wertet Fiebiger ebenfalls als ein deutliches Zeichen gegen neonazistisches Raumgreifen. "Damit mittelfristig die extrem rechte Szene die Lust an solchen Veranstaltungen verliert, müssen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um solche demokratie- und menschenfeindlichen Umtriebe zu verhindern." so Fiebiger.

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