Anzahl der RechtsRock-Konzerte 2011 gesunken

15.03.2012

Die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) verzeichnet im Jahr 2011 weniger Konzerte mit extrem rechter Musik in Thüringen. Während in den Jahren 2008, 2009 und 2010 insgesamt je 27 Konzerte gezählt wurden, sind es 2011 noch 18 gewesen. Dies bedeutet einen Rückgang um ein Drittel. Näher betrachtet handelt es sich um einen Rückgang der „klassischen“ RechtsRock-Konzerte (extrem rechte Bands spielen in Landgasthöfen, Vereinshäusern) um rund die Hälfte. Das Aufkommen an Liederabenden und den öffentlichen NPD-Events (Open-Airs) hat sich 2011 nicht verändert.
Detaillierter betrachtet, sind weitere Entwicklungen ersichtlich:
Im „Alten Labor“ in Unterwellenborn bei Saalfeld fanden im letzten Jahr mit 6 RechtsRock-Konzerten und 1 Liederabend die deutlich meisten extrem rechten Musikveranstaltungen statt. In den Vorjahren waren es 4 Konzerte (2010) und 2009 kein Einziges.
Der Trend der neonazistischen Musikszene, sich auf wenige Veranstaltungsorte zu konzentrieren, setzt sich fort. Im Jahr 2011 gab es Musikveranstaltungen in 10 Orten Thüringens (2010 – 10 Orte; 2009 – 13 Orte; 2008 – 19 Orte; 2007 – 17 Orte). Diese Konzentration bedeutet aber auch eine sichere Verfügbarkeit der Veranstaltungsorte.
In der „Erlebnisscheune“ in Kirchheim, wo in d en letzten beiden Jahren die meisten Konzerte und Liederabende (jeweils 9) stattfanden, ist der Rückgang sehr deutlich. 2011 fanden dort lediglich 3 Liederabende statt (Rückgang um zwei Drittel).
Der Rückgang des extrem rechten Konzertaufkommens in Thüringen 2011 ist im Vergleich zu den Vorjahren deutlich. Für Jan Raabe, Mitverfasser der Broschüre „RechtsRock – Made in Thüringen“ und Experte für die bundesdeutsche Neonazi-Musikszene, bewegen sich die Zahlen jedoch innerhalb normaler Schwankungen. „Auch bundesweit waren im Jahr 2011 weniger Konzerte zu beobachten. Im Vergleich der 2000er Jahre bewegen sich die Zahlen zwischen ca. 130 und 200 Konzerten im Jahr. Da sticht 2011 mit 144 Konzerten und Liederabenden nicht besonders heraus.“ erklärt Jan Raabe.
In Thüringen kann der Konzertrückgang mit Veränderungen in der Szene begründet werden. Ein mittelbarer oder unmittelbarer Zusammenhang zur Aufdeckung der Verbrechen des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds besteht nicht. Ein extrem rechter Konzertveranstalter verlagerte seinen persönlichen Lebensmittelpunkt weg aus Thüringen. Bei anderen Akteuren verlagerten sich die politischen Interessen. „Solche Schwankungen sollten nicht überbewertet werden.“ kommentiert Stefan Heerdegen (MOBIT) die Zahlen. „Dennoch ist der Rückgang erfreulich, insbesondere für das zivilgesellschaftliche Bündnis in Kirchheim, das in den vergangen Jahren mit der deutlich größten Anzahl von Konzerten zu kämpfen hatte.“
Letztlich muss aber unterstrichen werden, dass NPD und freie Kameradschaftsszene weiter auf Musik setzen. Im vergangenen Jahr fand der „Thüringentag der nationalen Jugend“ zum 10. Mal statt; das Geraer „Rock für Deutschland“-Fest findet in diesem Jahr das 10. Mal statt. Im Eichsfeld versucht NPD-Kreistagsabgeordneter Thorsten Heise die Etablierung seines „Eichsfelder Heimattages“. „Diese in die Öffentlichkeit zielenden Open-Airs sind deutlicher Beweis für die ungebrochen hohe Bedeutung von Musik als Transportmittel menschenverachtender, extrem rechter Ideologie.“ unterstreicht Heerdegen. „An der guten Vernetzung der Konzertveranstalter, der Verfügbarkeit von Veranstaltungsorten und der (Genehmigungs-)Praxis der Ordnungsbehörden wird sich nichts ändern, weswegen weiterhin mit einem ähnlich hohen neonazistischen Konzertaufkommen zu rechnen ist.“ so Heerdegen.

drucken | zurück